Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Kassel war und ist die Organisation von Vorträgen. Sie finden hier einen Überblick mit Beschreibung vergangener und geplanter Vorträge in zeitlich fallender Abfolge:

Freitag, 14. Juni 2024, Beginn 18:00 Uhr

Prato und seine Kunstschätze

Helmut Müller – Düsseldorf

Prato und seine Kunstschätze

Prato gehört nicht zum klassischen Bildungsprogramm der Toskana-Reisenden, weil der Fokus auf dem nur 20 km entfernten Florenz liegt.

Die Kleinstadt wurde seit den 20er Jahren des 15. Jahrhunderts ein Zentrum der Renaissancekunst. Donatello, Paolo Uccello und Filippo Lippi schufen hier Meisterwerke ihres künstlerischen Schaffens. Das Aufblühen der Renaissance in Prato ist nicht ohne die Geschichte der so genannten „Cintola“ erklärbar, wie der Gürtel genannt wird, der nach der Legende Maria gehört haben soll. Es handelt sich um eine der am meisten verehrten Reliquien des Mittelalters und der Renaissance. Um diesen Gürtel dreht sich alles bei der künstlerischen Ausgestaltung der Kathedrale.

Im Namen Gottes und des Geschäfts“ stand als Motto auf den Rechnungsbüchern. Francesco di Marco Datini (1335-1410) hat während seines Lebens alle Briefe und Geschäftspapiere gesammelt und testamentarisch verfügt, dass diese Unterlagen in seinem Haus in Prato aufbewahrt werden sollten. Diese fand man 460 Jahren nach seinem Tod (1970) durch Zufall, aus denen sich ein detailliertes Bild des Handwerks und internationalen Handels, des Alltags und häuslichen Lebens der Zeit ergibt. Der Wohlstand von Prato stand und fiel seit dem 12. Jahrhundert mit dem Tuchhandel. Seinen Ruf als „Manchester Italiens“ erwarb sich die Stadt nach dem 2. Weltkrieg mit der Wiederaufbereitung von Gebrauchswolle. Heute beherrschen die Chinesen, die ein Viertel der Bevölkerung der Stadt bilden, diesen Markt.

Freier Eintritt, Spende erwünscht!

Vortragsraum der „Kirche im Hof“, Friedrich-Ebert-Straße 102

Freitag, 24. Mai 2024, Beginn 18:00 Uhr 

Friaul: Italien für Fortgeschrittene

Stefan Maiwald, Grado

Basilica Patriarcale (Aquileia) – Exterior User: The Photografer

So nah und doch so unbekannt! Das Friaul ist die abwechslungsreichste Region des Landes; von der Tiepolo- Stadt Udine sind die schneebedeckten Alpen ebenso im Blick wie die sommerlichen Strände der Adria von Lignano und Grado. Die beeindruckende Hafen- und Kaffeestadt Triest ist seit jeher die Heimat der Schriftsteller, und Gorizia wird Europas Kulturhauptstadt 2025. Die Fischerinsel Gradoist, einer der romantischsten Orte des Landes, und Aquileia, das Pompeji des Nordens, war einst die größte Stadt des Römischen Reiches nach Rom – manche Quellen sprechen von 180.000 Einwohnern, in der Antike eine unvorstellbar große Zahl. Julius Cäsar, Herodes und Augustus waren regelmäßig zu Gast.

Keine Region Italiens hat mehr Einflüsse anderer Kulturen und Küchen aufgenommen, viele österreichische und osteuropäische Spezialitäten vermischen sich aufs Köstlichste mit italienischer Kulinarik. Und die Collio-Hügel gelten als beste Weißweinregion Italiens.

Stefan Maiwald ist einer der bekanntesten deutschen Italien-Journalisten. Er lebt seit zwanzig Jahren im Friaul und hat zahlreiche Bestseller geschrieben. In dem Vortrag reisen wir durch die wechselvolle Geschichte der Region von Attila bis zum Ersten Weltkrieg und begegnen zugleich den Menschen, die das Friaul heute prägen.

Freier Eintritt, Spende erwünscht!

Vortragsraum: d: gallery, Schönfelder Straße 41 B, 34121 Kassel.

Dienstag, 09. April 2024, Beginn 18:00 Uhr

„Herkules“

Herakles ist in der griechischen Mythologie eine kräftige göttliche Heldenfigur, die später in den Kreis der zwölf olympischen Götter aufgenommen wurde. In der römischen Mythologie wird sie Herkules genannt.

Herkules kam bekanntlich als Sohn des großen Zeus, Vater aller Götter, und der sterblichen Königin Alkmene als Halbgott zur Welt. Er war prächtig von Gestalt und hatte Augen, die glühten wie Feuer. Von Geburt an wurde Herkules von Hera, Zeus Gattin, verfolgt, die auf den Sohn der Alkmene eifersüchtig war.

Da Mutter Alkmene Angst vor Heras Rache hatte, setzte sie ihren Sohn aus und übergab ihn der Halbschwester Zeus, der Athene. Diese brachte ihn wiederum zu Hera, die Herkules zunächst nicht erkannte und ihn aus Mitleid säugte. Dabei sog der Knabe derart stark, dass Hera ihn von der Brust wegstieß und die ganze Milch in den Himmel gespritzt wurde. Daraufhin entstand die Milchstraße. Durch die göttliche Milch erhielt Herakles überstarke Kräfte, für die er sehr berühmt wurde. Und das ist nur eine der vielen Sagen, die sich um Herkules ranken.

Er wurde berühmt wegen seiner zwölf Taten, die er mit Mut und Kraft, mit List und Verstand meisterte.

Viele berühmte Künstler haben sich mit der Figur des Herkules beschäftigt und sein Leben auf mannigfaltige Art dargestellt. Von der Marmorstatue des Herkules Farnese bis zu „unserem“ Herkules aus Kupfer, dem Wahrzeichen von Kassel.

Von der Sagenfigur bis zur Kunstfigur, – eine spannende Entdeckungsreise!

Ort: Gaststätte „Alt Süsterfeld“ Kassel, Eifelweg 28, – mit den Linien 3 und 7 – Haltestelle „Süsterfeld“ – unmittelbar erreichbar.

Sonntag, 17. März 2024, 11:00 Uhr in der d:gallery

Lesemarathon – Giorgio Bassani

Im Mittelpunkt der 10. Ausgabe des bundesweiten VDIG-Lesemarathons steht Giorgio Bassanis Werk „Die Gärten der Finzi-Contini“. Die VDIG Mitgliedsgesellschaften und ihre Partner wurden wieder herzlich eingeladen, sich an diesem erfolgreichen Veranstaltungsformat zu beteiligen.

Die wissenschaftliche Beratung hat Chiara Santucci übernommen. Sie führt hierzu aus:

Der Lesemarathon 2024 wird sich mit einem der wichtigsten Werke der italienischen Literatur der Nachkriegszeit auseinandersetzen: mit dem Roman Il giardino dei Finzi-Contini („Die Gärten der Finzi-Contini“) von Giorgio Bassani. In einer Zeit, wie unserer, in der der Antisemitismus wieder aufflammt, hat diese Wahl eine besonders starke symbolische Kraft, stammte Bassani doch aus einer jüdischen Familie, die seit Generationen in Ferrara ansässig war; er erlebte die Rassengesetze und deren Einschränkungen – und dementsprechend engagierte er sich politisch. Zum politischen Engagement gesellte sich die Tätigkeit in der Ökologie-Bewegung: Bassani war (1955) Mitbegründer von Italia Nostra, dem ältesten italienischen Umweltverband, dessen Präsident er 1965-1980 war.

Geboren wurde Giorgio Bassani am 4. März 1916 in Bologna, verbrachte aber seine Kindheit und Jugend in Ferrara, wo er das humanistische Gymnasium Ludovico Ariosto besuchte und dort das Abitur ablegte. Schon während des Studiums der Literaturwissenschaften an der Universität in Bologna verfasste Bassani einen kleinen Roman, Una città di pianura (1940), der allerdings wegen der schon herrschenden Rassengesetze unter einem Pseudonym (Giacomo Marchi) erscheinen musste. Nach Beendigung des Studiums unterrichtete Bassani an der Scuola Ebraica di Ferrara. Der Beginn der jüdischen Deportation markierte eine Wende in Bassanis Leben, der von da an im Untergrund aktiv gegen den Faschismus kämpfte. 1943 wurde er deswegen inhaftiert und nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hatte, schloss sich Bassani der Resistenza an. Als der Krieg zu Ende war, zog Bassani nach Rom, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 lebte. Seiner Heimatstadt blieb er aber zeit seines Lebens verbunden und verbrachte jedes Jahr mindestens einen Monat in Ferrara.

Das eigene Meisterwerk Il giardino dei Finzi-Contini wurde 1962 veröffentlicht, sogleich mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet und 1970 von Regisseur Vittorio De Sica verfilmt. In den Folgejahren schrieb Bassani weitere Romane: L´airone (1968), L´odore del fieno (1972), Il romanzo di Ferrara (1980) u.a. Im Jahr 1984 erschienen seine letzten Werke: der Gedichtband In rima e senza, und eine Sammlung von Aufsätzen mit dem Titel Di là del cuore.

Der Verlag Klaus Wagenbach schreibt zum Buch:

Mit seinem berühmtesten Roman, der zarten Geschichte einer großen, unerfüllten Liebe und zugleich Chronik des tragischen Schicksals des jüdischen Bürgertums in Italien, hat sich Giorgio Bassani einen Platz in der Weltliteratur erschrieben.

Es ist die Geschichte von Micól, dem geheimnisvollen Mädchen mit den blonden Haaren aus vornehmer jüdischer Familie, in die der Ich-Erzähler von Anfang an vergeblich verliebt ist. Die leidenschaftlich gern Tennis spielt, die alten Bäume im ummauerten Park der Eltern liebt und es nicht ertragen kann, wenn jemand sich gewöhnlich benimmt; die später, als Studentin, lieber flirtet als studiert, und die junge Männer, die am liebsten für sie sterben möchten, am Telephon zur Vernunft ermahnt. Erst als der Tennisclub wegen der Rassengesetze die jüdischen Mitglieder ausschließt, öffnet sich der Garten der Finzi-Contini für die jüdische Jugend Ferraras und wird zu ihrem Treffpunkt – bis zu einem Tag im Herbst 1943, an dem Micól mit ihrer ganzen Familie deportiert wird »und keiner weiß, ob sie ein Grab gefunden haben«.

Giorgio Bassani hat ihnen in diesem Buch ein Denkmal gesetzt.

Die Schirmherrschaft hat der Botschafter der Italienischen Republik Übernommen.

Moderation: Jürgen Koch

Die Lesung wird ca. 70-80 Minuten dauern. Lassen Sie sich überraschen und freuen sich erneut auf eine unterhaltsame Literaturveranstaltung.

Ort: d:gallery, Schönfelder Straße 41 B, 34121 Kassel.

Freier Eintritt, Spende erwünscht

Freitag, 23. Februar 2024, Beginn 18:00 Uhr

Dr. Rainer Grimm – Hannover

Ferrara – Kunst und Kultur der Renaissance in einer besonderen Stadt

Die im 15. und 16. Jahrhundert herrschende Familie der ‚Este‘ war für die Kunst und Architektur ähnlich wichtig wie etwa die Medici in Florenz. Dazu gibt es in Ferrara noch eine Besonderheit – hier gab es ab 1492 mit der ‚Addizione Erculea‘ die in Europa erste wirklich Städteplanung. Unter anderem deswegen wurde der historische Stadtkern 1992 als Weltkulturerbe anerkannt.

Daneben gibt es aber auch interessante Bauwerke und mit der ‚Ferrareser Schule‘ hochinteressante Malerei, die im öffentlichen Bewusstsein leider nicht so präsent ist wie die anderer italienischer Städte. Anhand der in Ferrara entstandenen Literatur und Malerei kann man so exemplarisch nachverfolgen, was diese Stadt von anderen in vergleichbarer Lage unterscheidet und was ihre Besonderheit ausmacht. Ein Beispiel ist dafür dieses Deckengemälde von Garofalo, das er für einen Palazzo gemalt hat.

Darüber hinaus ist Ferrara aber auch noch die italienische Fahrradmetropole – und das ist doch nun wirklich überzeugend.

Freier Eintritt, Spende erwünscht!

Vortragsraum der „Kirche im Hof“, Friedrich-Ebert-Straße 102

Fällt aus: Freitag, 26. Januar 2024
neuer Termin: Freitag, 2. Februar 2024, Beginn 18:00 Uhr

Prof. Dr. Dieter Richter, Universtät Bremen

Con gusto. Die kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht

Wer zu Goethes Zeiten nach Italien reiste, suchte Augenlust, nicht Gaumenschmaus. Über Jahrhunderte hinweg galt die italienische Küche den Besuchern aus dem Norden als ungenießbar und gesundheitsschädlich: Maccaroni? Ekles Wurmgewinde! Pizza? Unverdauliches Fladenbrot! Und gar Meerspinnen oder Polypen? Pfui, wer kann so etwas essen wollen! Lang hat es gedauert, bis Neugier den fremden Geschmack zum vertrauten werden ließ.

Zuerst exportierten wandernde »Zitronenmänner« und »Pomeranzengänger« die Südfrüchte in den Norden. Später brachten die Eisdielen den Duft des Südens. Mit der italienischen Einwanderung in den Siebziger Jahren begann der Siegeszug der Pizza. Und aus dem »Ristorante Italiano«, das die deut schen Massentouristen an der Adria schüchtern betraten, wurde der heimische »Lieblingsitaliener«, der längst die Eck- oder Dorfkneipe ersetzt hatte. Mit der Mittelmeerdiät (von der UNESCO 2010 zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt) verband sich der Traum vom guten Leben endgültig mit dem Geschmack des Mediterranen.

Dieter Richter erzählt – wie immer kulinarisch und mit großer Kennerschaft – die Kulturgeschichte einer Begegnung: Wie die italienische Küche in den Norden kam und zur Zauberformel des guten Lebens wurde. Von Goethes Italienreise bis zur Mittelmeerdiät.

Freier Eintritt, Spende erwünscht!

Vortragsraum der „Kirche im Hof“, Friedrich-Ebert-Straße 102

Freitag, 08. Dezember 2023, Beginn 18:00 Uhr

Klaus Kirmis, Bremen

Das Wiener Kaffeehaus um 1900 – Zu Gast in der traditionsreichen Wiener Kulturinstitution mit Stefan Zweig, Peter Altenberg, Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal und anderen
Literarische Bilder-Reise

Das Caffè Florian in Venedig gilt als das älteste Kaffeehaus der Welt und bis heute spielt Kaffee in unterschiedlichsten Varianten im italienischen Alltagsleben eine zentrale, ja geradezu lebenswichtige Rolle.

Eine ganz besondere Bedeutung aber erhielt das Kaffeehaus in Wien. Seit 2011 gehört es zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO, denn es ist „eine Institution besonderer Art, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist“ (Stefan Zweig).

Die Stamm-Kaffeehäuser wurden damals berühmt auch als feste Orte der Zusammenkunft von Intellektuellen, Literaten und Künstlern. Verbunden ist damit besonders das stundenlange Verweilen mit Zeitungen, Literatur und Gesprächen.

Die Einrichtung des typischen Wiener Kaffeehauses reichte von gemütlich-plüschig bis hin zu kühl-stilvoll, kulinarisch wurden meist kleine Speisen wie Würstel und Mehlspeisen, Kuchen oder Torten angeboten.

Im Café Griensteidl trafen sich etwa Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Hermann Bahr. Wichtig war auch z. B. das Café Central mit seinen Stammgästen Peter Altenberg, Karl Kraus und Egon Friedell.

Zu den bekanntesten Literatencafés zählte ebenfalls das Café Museum. Zu den Stammgästen gehörten hier die Maler Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Auch die Schriftsteller Joseph Roth, Karl Kraus und Robert Musil, die Komponisten Alban Berg und Franz Lehár sowie die Architekten Otto Wagner und Adolf Loos waren oft zu Gast.

Der Vortrag findet im Gebäude des Berufsförderungszentrums (Bfz), Waldau, Gobietstraße 6 statt.

Es ist erreichbar mit der Bus-Linie 17 – Haltestelle Berufsbildungszentrum

Eintritt frei, Spende erwünscht!

Anschließend Weihnachtsfeier (nur für Mitglieder der DIG)

Freitag, 17. November 2023, Beginn 18:00 Uhr

Dr. Friederike Hausmann, München

Erfolgreicher Unternehmer, Lebemann, Kommunist und womöglich Terrorist: Das schillernde Leben des Verlegers Giacomo Feltrinelli

Im  des Gründers des Verlagshauses Feltrinelli spiegeln sich zentrale Aspekte der Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg: Das Wirtschaftswunder und die rasante Modernisierung des Landes mit der Metropole Mailand als heimlicher Hauptstadt, das Erstarken der Kommunistischen Partei und ihre Anziehungskraft auf Intellektuelle und Kulturschaffende, die Studentenund Arbeiterbewegung der sechziger Jahre und schließlich der Beginn der „Bleiernen Jahre“ in den Siebzigern.

Als Spross einer der reichsten Mailänder Familien gründete Feltrinelli den dezidiert linken Verlag gleichen Namens und trat der Kommunistischen Partei bei, brachte Welterfolge wie „Doktor Schiwago“ und „Der Leopard“ heraus und wurde deshalb von der kommunistischen Orthodoxie scheel angesehen. Er driftete weiter nach links, verschwand im Untergrund und starb schließlich am 14. März 1972 unter bis heute nie geklärten Umständen durch eine Explosion an einem Hochspannungsmast in Segrate bei Mailand.

1972: Feltrinelli mit Sibilla Melega an einer Demonstration gegen den US-amerikanischen Interventionismus

Freier Eintritt, Spende erwünscht!

Vortragsraum der „Kirche im Hof“, Friedrich-Ebert-Straße 102