Kunsträtsel – Rätselkunst

Die nachfolgend aufgeführten Kunsträtsel stammen alle von Herrn Dr. Rainer Grimm, Mitglied der DIK Hannover. Er ist in Kassel als regelmäßiger Referent von Vorträgen wohlbekannt und hat uns die Rätsel freundlicherweise zur Publikation zur Verfügung gestellt. Vielen Freunden und Mitgliedern der DIG Kassel dürften die Rätsel bereits bekannt sein, weil sie in der Vergangenheit schon mit den Rundscheiben unserer Präsidentin Andrea Boesken zugesandt wurden. Hier werden sie nun nach und nach vollständig zusammengefasst und veröffentlicht. Zur Zeit fehlen noch einige Rätsel, wir arbeiten daran.

Das aktuelle Rätsel ist das Kunsträtsel 41

(in der Übersicht unten ganz links oben). Wer sich beteiligen und mit etwas Glück eine Zeichnung gewinnen möchte, schicke bitte seine Lösung direkt per E-Mail an die nachfolgende E-Mail-Adresse von Herrn Dr. Grimm. Um ihn vor automatischen Spam-E-Mails zu schützen ist der Schriftzug kein Link, also bitte im E-Mail-Programm die Adresse eingeben:

rainer-grimm@arcor.de

Einsendeschluss ist diesmal der 28.02.2025

Kunsträtsel 41

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Im Unterschied zu allen bisher erschienen Rätseln suche ich dieses Mal nach einem zeitgenössischen Künstler. Er lebt und arbeitet noch – in der Tat ist er gerade erst 65 Jahre alt. Ich habe ihn gewählt, weil eine sehr Arbeiten vor relativ kurzer Zeit in den Medien – teilweise recht kritisch – besprochen wurde. In der Tat ist diese Arbeit von ihm so, dass sicher viele sagen – aber das könne doch nun wirklich jede und jeder.

Nun bin ich in den letzten Jahrzehnten relativ regelmäßig bei der Kunstbiennale in Venedig und bei der Documenta in Kassel gewesen, und vieles von dem, was dort gezeigt wurde, hat auch bei mir durchaus ein leichtes Kopfschütteln verursacht. Aber – sei’s wie es wolle – die Welt hat sich gerade in den letzten Jahren doch sehr verändert, und da muss man akzeptieren, dass auch das, was man unter Kunst versteht, sich verändert hat. Es gibt sicher immer noch Künstler, die mit eigener Hand zeichnen und malen – ich selbst gehöre ja auch dazu – aber für viele steht die Idee im Vordergrund. Die Strömung wird unter ‚conceptual art‘ geführt.

Das alles ist gar nicht so neu – schon im frühen 16. Jahrhundert wurde darüber diskutiert, was wichtiger sei – die Idee, die hinter einem Kunstwerk steckt oder die handwerkliche Ausführung. Im 18. Jahrhundert scheint das noch mehr Thema gewesen zu sein, so lässt Gotthold Ephraim Lessing in seinem Schauspiel Emilia Galotti den Maler Conti sagen: „Oder meynen Sie, Prinz, daß Raphael nicht das größte malerische Genie gewesen wäre, wenn er unglücklicher Weise ohne Hände wäre geboren worden?“

Das ist nun in der Tat eine interessante Frage, die heute besonders relevant ist. Der dieses Mal gesuchte Künstler lässt – soweit ich weiß – seine Werke von anderen Menschen herstellen. In wie weit er dabei welche Anweisungen gibt, ob er beim Herstellungsprozess anwesend ist, oder ob er nur schriftliche Hinweise gibt, das weiß ich nicht. Bei der in den Medien vor kurzem so heftig diskutierten Arbeit hat er mit Sicherheit kaum etwas selbst hergestellt – es handelt sich dabei um eine Banane, die mit Klebeband an eine Wand geklebt ist. Das Werk wurde bei einer Auktion für über sechs Millionen Dollar ersteigert. Man kann sich gut vorstellen, dass so etwas kritisch beäugt wurde.

Ich suche aber nach einer Arbeit, die der Künstler schon 1999 geschaffen hat (inwieweit er an der Ausführung beteiligt war, weiß ich nicht) Auf einem roten Teppich liegt die hyperrealistische Nachbildung eines in ein weißes Gewand gekleideter Mannes, der von einem Meteoriten niedergestreckt worden ist. Dabei handelt es sich um eine damals weltbekannte Persönlichkeit. Diese Installation hat besonders bei einer Ausstellung sehr heftige Reaktionen des Publikums gegeben.

Wer ist der Künstler, welchen Titel hat die gesuchte Arbeit und welcher Mann wurde dargestellt?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich bei der letzten Biennale in Venedig gemacht habe. Neben vielen Ausstellungsorten in der Stadt gibt es vor allem die ‚Giardini‘ – dort sind viele Pavill0ons der Länder – und das ‚Arsenale‘ – das ist die ehemalige Werft, wo früher die Galeeren gebaut wurden. Am Ende dieser riesig großen Fabrik ist ein Hafenbecken, und von dort hat man wieder wunderbare Blicke. Vom Betrachten der Kunst in den Hallen recht erschöpft, habe ich diese Zeichnung gemacht.

Wer sich beteiligen und mit etwas Glück eine Zeichnung gewinnen möchte, schicke bitte seine Lösung direkt per E-Mail an die nachfolgende E-Mail-Adresse. Um vor automatischen Spam-E-Mails zu schützen ist der Schriftzug kein Link, also bitte im E-Mail-Programm die Adresse eingeben!

rainer-grimm@arcor.de

Einsendeschluss ist der 28.02.2025

Viel Spaß beim Rätseln und ich würde mich über Kommentare zum dieses Mal gesuchten Künstlers freuen….

Rainer Grimm

Auflösung Kunsträtsel 41

Die Auflösung erscheint voraussichtlich Ende Februar …

Kunsträtsel 40

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Weihnachten ist vorbei – aber da ist am 6. Januar ja noch ein für das Christentum bedeutendes Ereignis. Der Evangelist Matthäus hat geschrieben, dass ‚Magier‘/ ‚Sterndeuter‘ aus dem ‚Morgenland‘ einem Stern gefolgt waren, um das Jesuskind anzubeten. Später sind dann daraus ‚drei Könige‘ geworden.

Schon im Mittelalter gab es an vielen Orten Prozessionen, bei denen die Reise der Magier nachgespielt wurde. So war das auch in der Stadt, in der sich das dieses Mal gesuchte Bild befindet. Tatsächlich ist es ein Fresko, das direkt an die Wände einer Kapelle, die sich in einem großartigen Palast befindet, gemalt worden ist.

Der Auftraggeber des Familienpalastes war der unumschränkte Herrscher der Stadt – aber er war so geschickt, dass er damit nicht prahlte und sich immer im Hintergrund hielt. Dennoch regierten er und seine Familie die Stadt für Jahrzehnte. Er und besonders sein Sohn waren sehr kunstfreudig und unterstützten viele Künstler. Eine ganz neue Kunst entstand so im Zusammenspiel zwischen Macht und künstlerischer Kreativität. Man Weihnachten ist vorbei – aber da ist am 6 Januar ja noch ein für das Christentum bedeutendes Ereignis. Der Evangelist Matthäus hat geschrieben, dass ‚Magier‘/ ‚Sterndeuter‘ aus dem ‚Morgenland‘ einem Stern gefolgt waren, um das Jesuskind anzubeten. Später sind dann daraus ‚drei Könige‘ geworden.

Schon im Mittelalter gab kann mit Fug und Recht sagen, dass dadurch die Stadt in der ganzen Welt für ihre Kunstschätze berühmt geworden ist.

Dieser Palast verfügt in der Tat über eine eigene Kapelle – das war in der damaligen Zeit schon eine Besonderheit, der Bauherr ließ sich vom Papst dafür extra eine Erlaubnis geben. Die Kapelle diente dann nicht nur der privaten Andacht, sie war auch ein repräsentativer Empfangsraum für hochrangige Gäste. Sie ist weitgehend in ihrer bauzeitlichen Gestaltung und Ausstattung erhalten geblieben. Wenn man die Stadt besucht, sollte man sie und den Palast unbedingt besuchen.

Die Fresken mit der Darstellung des Zuges der Heiligen drei Könige (ital. Magi) wurden von einem heute nicht mehr so bekannten Maler mit seiner Werkstatt ausgeführt. Was dieses Bild aber ganz besonders macht, ist, dass in dem prächtigen Zug Mitglieder der Familie und zahlreiche ihrer Parteigänger sowie der Künstler selbst porträtiert sind. Die Darstellung nimmt auf die Prozessionen der Compagnia dei Magi, einer Laienbruderschaft, Bezug. Diese ‚Compagnia‘ wurde von der Familie immer unterstützt – so ist es sicher kein Wunder, dass dieses Thema für die Kapelle gewählt worden ist.

Es ist wirklich erstaunlich, als Mensch von heute in dieser Kapelle zu stehen. Man blickt gewissermaßen in eine ferne Zeit zurück und kann vielleicht erahnen, was die Menschen damals bewegt hat.

Welche berühmte Familie hat sich auf diesem Fresko porträtieren lassen? Welchen Namen hat der Palast heute? Und – da muss man vielleicht einfach mal bei Google oder einem anderen Suchdienst nachschauen – um welchen Maler handelt es sich?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich in eben dieser Stadt im Kreuzgang eines ehemaligen Klosters gemacht habe – dieses Kloster war das ‚Hauskloster‘ der im Rätsel gesuchten Familie und wurde sehr von ihr unterstützt.

Viel Spaß beim Rätseln und einen guten ‚Rutsch‘ wünscht
Dr. Rainer Grimm

Der Einsendeschluss ist leider vorbei.

Viel Glück 😊

Kunsträtsel 39

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal suche ich wieder nach einem Künstler, dessen Nachname bei Google für verschiedenes steht – so taucht der Maler erst weiter unten auf. Vor ihm findet man eine andere berühmte Persönlichkeit. Ob nun die Restaurants und ein Rezept, die bei Google genannt werden nach dem Künstler oder der anderen bedeutenden Person benannt sind, vermag ich nicht zu sagen. In jedem Fall aber verweist der Name auf unterschiedliches.
Unser Künstler war in seiner Zeit und seiner Heimatstadt sehr bedeutend.
Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder hat er eine große Werkstatt geführt, in der viele, später berühmte Künstler ihr Handwerk erlernt haben. Man kann aber durchaus sagen, dass er von den dreien der bedeutendste war. So hat ihn auch ein zeitgenössischer deutscher Künstler in einem Brief als den ‚besten Maler‘ bezeichnet.
Man sieht also, dass es sich lohnt, ihn etwas näher kennenzulernen. Er ist unehelich geboren, trotzdem hat ihn sein Vater schon früh in seine Werkstatt geholt.
Beeinflusst worden ist er u.a. durch seinen Schwager (nach diesem Künstler hatte ich schon einmal in einem Kunsträtsel gefragt). Durch ihn lernte er künstlerische Arbeiten aus anderen Regionen Italiens kennen, diese Einflüsse befähigten ihn, die Kunst seiner Heimatstadt zu erweitern. Zeitgemäß waren es natürlich fast stets Auftragsarbeiten, die er ausführte – Auftraggeber waren kirchliche Institutionen und der Staat. Seine Bedeutung wuchs im Laufe der Zeit und er erhielt viele Aufträge.
Das Bild, das dieses Mal gesucht wird, befindet sich in einer bedeutenden Kirche seiner Heimatstadt. Auch nicht so kunstinteressierte Besucher der Stadt haben den Namen der Kirche sicher schon oft gehört oder gelesen – nach ihr ist immerhin einer der wichtigsten Haltepunkte der öffentlichen Verkehrsmittel benannt.
Das gesuchte Bild ist also ein Altar – und es ist sicher für genau diesen Ort gemalt worden. Das kann man u.a. daran sehen, dass die originalen Pfeiler und der Rundbogen, die den Altar rahmen, von dem Maler innen wiederholt werden. So entsteht die Illusion, als ob man durch die Wand in eine halbrunde Apsis schaut. In diese scheinbare Apsis ist eine sogenannte ‚Sacra Conversazione‘ gemalt. Der Begriff ‚heiliges Gespräch – könnte vermuten, dass die Personen auf dem Altar miteinander reden, also zueinander in Beziehung sind, tatsächlich aber ist jeder nur auf sich selbst bezogen. In der Mitte thront Maria mit dem Jesuskind. Rechts und links von ihr stehen zwei weibliche Heilige. Davor befinden sich, die beiden Frauen teilweise etwas verdeckend zwei Männer – auf der linken Seite ist es Petrus, auf der rechten Hieronymus. Auf einer Stufe vor dem Thron sitzt ein Engel, der ein Saiteninstrument spielt.
Wer ist der ‚beste‘ Maler, von dem der deutsche Künstler schreibt? Welches Bild wird gesucht und wie heißt die ‚Haltestelle‘ und damit die Kirche?

Passend zum geigenden Engel gibt’s dieses Mal eine Zeichnung, die ich bei uns im Atelier gemacht habe, als Lenka und Johannes bei uns gespielt haben.

Viel Spaß beim Rätseln und einen guten November wünscht.

Kunsträtsel 38

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist sicher wesentlich bekannter als Segantini. Das werden Sie spätestens bei der Beschreibung des Bildes feststellen. Ich habe ihn dennoch gewählt, weil er in seiner Zeit ganz anders als andere Künstler gearbeitet hat, und weil er dadurch auch für weniger Kunstinteressierte bekannt geworden ist. Er ist in einer großen norditalienischen Stadt geboren. Sein Vater war auch Maler, und so arbeitete er mit ihm schon relativ früh im Dom der Stadt. Weil die Stadt damals zu einem anderen Herrschaftsbereich gehörte zog er bald danach an den Kaiserhof. Dort war er als sogenannter ‚Hauskonterfetter‘ tätig – das heißt wohl, dass er Portraits anfertigte. Dann wurde er zum ‚Hofmaler‘ ernannt – und schon in dieser Zeit malte er die ersten Bilder in der Manier, die ihn berühmt – und man kann sagen – einzigartig machten. So entstanden unter anderem Bilderfolgen, bei denen er seine neue Idee erstmals anwandte.

Wiki schreibt über ihn: „Sein Einfallsreichtum als Maler, aber auch bei der Ausrichtung von Umzügen, Krönungsfeiern, prunkvollen Hochzeiten und dergleichen wurde allgemein bewundert. Als Maler, Bühnenbildner, Architekt, Ingenieur und Organisator in einer Person inszenierte er glänzende, kostspielige Feste und höfische Maskeraden die dazu geeignet waren, die Macht des Kaisers deutlich zu machen, seinen Ruhm zu vergrößern und das Volk wenigstens für kurze Zeit von seinem alltäglichen Elend abzulenken.“ Dazu versuchte er noch Musik in Farben zu übersetzen – er war überzeugt, dass zwischen beiden Künsten dieselben Gesetze herrschen (ich hatte solche Bestrebungen erst im 20. Jahrhundert – etwa bei Kandinsky – vermutet)

Man sieht also, was für ein einfallsreicher Mensch er war – und ich muss gestehen, dass ich das bis zur Abfassung dieses Rätsels auch nicht gewusst habe. Ich kannte ihn nur als einen Maler, der nicht nur für damalige Augen etwas völlig Anderes und Neues gemacht hat.

Typisch für seine originelle Kunst ist das dieses Mal gesuchte Bild. Man sieht den frontal gemalten Kopf und Oberkörper eines Mannes. Dabei besteht etwa die Nase aus einer Birne, die Wangen sind als Äpfel gemalt. Die Augenbrauen sind als Ähren wiedergegeben, darunter sieht man Erbsenschoten als Oberlider, und die Pupille ist eine Kirsche. Auch alles andere an dem Mann besteht aus pflanzlichen Elementen.

Da hat ein Künstler also schon einmal die Collagetechnik des zwanzigsten Jahrhunderts vorweggenommen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund für die große Popularität des schon vor über vierhundert Jahren gestorbenen Künstlers.

Wer ist der phantastische Künstler und wen hat er so als was dargestellt? (Ich finde, das Bild ist nun wirklich nicht sehr schmeichelhaft für den Portraitierten – ich möchte jedenfalls nicht so dargestellt werden)

Zu gewinnen gab es dieses Mal eine Zeichnung, die ja auch ein wenig Ähnlichkeit mit dem Verfahren des dieses Mal gesuchten Künstlers hat….

Viel Spaß beim Rätseln und einen guten November wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 37

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Auch der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, stammt aus einer armen Familie, sie lebte in einem Ort, der heute zwar ein Teil Italiens ist, damals aber zu Österreich gehörte. Seine Mutter starb schon mit 36 Jahren, da der Vater schon Kinder aus einer früheren Ehe hatte, gab er den Kleinen an eine Tochter aus dieser Beziehung. Dieses Mädchen soll den Kleinen aber so gehasst haben, dass sie ihn bei der Polizei denunzierte.

Nach einer Quelle soll der siebenjährige Junge durch diese Denunziation schon die österreichische Staatsangehörigkeit verloren haben, nach einer anderen Quelle soll er sie aber erst eingebüßt haben, als er den Wehrdienst verweigerte.

Wie auch immer, der spätere Künstler war so sein Leben lang staatenlos. Das führte u.a. dazu, dass er die Frau seines Lebens, mit der er vier Kinder hatte, nicht heiraten konnte. Diese Frau hatte er in einer großen Stadt kennengelernt, als er dort an der Kunstakademie studierte, sie war die Schwester eines Freundes, der im Gegensatz zu ihm aus einer sehr wohlhebenden Familie stammte.

Unser Künstler hatte schon bald großen Erfolg mit seinen Bildern. Unter anderem gelang es ihm, Licht auf eine Art und Weise darzustellen, wie es vor ihm keiner in Italien gemacht hatte. Er selbst sagte später dazu, dass er die Farben nicht auf der Palette mischte, sondern sie rein nebeneinander setzte, so dass sie erst im Auge des Betrachters gemischt wurden. Ähnliche Techniken verwendeten in dieser Zeit zwar auch französische Künstler, das wusste er aber nicht. Er hat also parallel zu ihnen etwas ganz Neues in die Kunst eingebracht.

Die Bilder unseres Künstlers sind alle in der Natur entstanden; er liebte ganz offensichtlich die Berge und malte fast nur dort. Mit nur einundvierzig Jahren starb er an einer Bauchfellentzündung.

Das Bild, nach dem ich dieses Mal suche, zeigt sehr gut die besondere Technik, die der Maler verwendet hat. Man sieht in einer Berglandschaft im Vordergrund eine sich bückende Frau, die mit einem Rechen etwas vor sich zusammenschiebt. Hinter ihr sind, viel kleiner dargestellt weitere Menschen zu sehen, die ebenfalls arbeiten. Im Hintergrund sieht man ein Bergpanorama und einen leuchtenden Himmel, der oben schon drohende Wolken zeigt.

Wer ist der Künstler, um welches Bild handelt es sich?

…. Und …. Schauen Sie sich das Bild auf Ihrem Rechner einmal sehr stark vergrößert an, dann können Sie gut sehen, wie geschickt er die Farben nebeneinander setzt, dass sie sich erst im Auge mischen.

Zu gewinnen gibt es dieses Mal kein Bild mit Bergen….dafür aber diesen Blick auf die Ostsee mit Steinen, Grün und Fahne im Vordergrund und schöner Frühabendstimmung im Hintergrund…


Viel Spaß beim Rätseln und einen guten Oktober wünscht
Rainer Grimm

Kunsträtsel 36

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, hat gut hundertfünfzig Jahre vor Canaletto gelebt. Er stammt aus einer Handwerkerfamilie, als kleiner Junge soll er eine Zeit lang als Viehhirte gearbeitet haben. Man kann also sicher sagen, dass seine Familie eher arm war. Aber der Junge hatte Glück – schon mit zehn Jahren wurde sein Zeichentalent entdeckt, und er kam bei einem damals bekannten Maler in die Lehre.
So etwas, dass ein Hütejunge gezeichnet hatte und dabei entdeckt wurde, war damals aber auch ein typischer Topos – auch Giotto soll so entdeckt und gefördert worden sein. Der Junge lernte also zehn Jahre bei dem Meister, er durfte schon bald richtig mitarbeiten, aber dann soll es aus Eifersucht und Neid zum Bruch mit seinem Lehrmeister gekommen sein. Da hatte sich unser Künstler aber auch schon einen Namen gemacht, er erhielt eine Reihe von guten Aufträgen. Und schon bald gelangen ihm einige Neuerungen in der Malerei, die seinen Ruf immer mehr steigerten. Er wurde von einem Provinzfürsten in Oberitalien an den Hof geholt, dort schuf er beeindruckende Arbeiten, die dann natürlich auch den Ruhm des Fürsten steigerten. Unter anderem bemalte er in
einem Raum die Decke so, dass man von unten durch eine Art Rotonde in den Himmel schaut. Dazu hat er Engel, Vögel und Menschen gemalt, die teilweise auch die Betrachter- also uns – in den Blick nehmen.
Wikipedia schreibt über ihn, dass er als der „eigentliche Vollender des von der Florentiner Schule aufgestellten Kunstideals“ gilt. Damit ist gemeint, dass man als Künstler besonders die Körperhaftigkeit der Figuren herausarbeiten sollte. Im Vordergrund stand – anders als etwa in der venezianischen Malerei – die Zeichnung. Auch die Bindung an die Antike zeigt sich in der statuarischen Gelassenheit der Figuren.

Dieses Mal gesuchte Bild ist vielleicht das bekannteste, das der Künstler gemalt hat. Es ist aber auch wirklich außergewöhnlich!
Ein toter Mann liegt auf einem großen Steinquader. Ein Tuch bedeckt seinen Unterkörper und die Beine. Nur die Füße ragen heraus. Sein Kopf, der auf einer Art rotem Kissen ruht, ist leicht zur Seite geneigt. Vom Betrachter aus gesehen sieht man auf der linken Seite die angeschnittenen Köpfe von zwei Trauernden.

Was das Bild so außergewöhnlich macht, ist, dass man von dem Toten im Vordergrund die Füße, dann die Beine, den Körper und erst ganz hinten den Kopf sieht. Alles das ist in sehr starker Verkürzung wiedergegeben. Meines Wissens nach hat der Künstler hier eine Ansicht gewählt, die es nicht noch einmal gibt. Das macht denn auch die Bedeutung und die Berühmtheit dieser Arbeit aus.

Wer ist der Maler? Welche Szene hat er in dem gesuchten Bild dargestellt? Und – als Bonbon….. was ist das für ein Deckengemälde und wo befindet es sich?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal diese Zeichnung, die ich vor einigen Jahren im Landesmuseum Hannover von einem Chronos gemacht habe. Für die meisten wird es sicher überraschend sein, dass es hier in Hannover überhaupt einmal einen Barockbildhauer gegeben hat.
Der Bildhauer war Johann Friedrich Ziesenis und der Chronos war einmal Teil eines Epitaphs. Also… wer in der Nähe wohnt… durchaus einmal hingehen und anschauen.

Viel Spaß beim Rätseln und einen guten September wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 35

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist durchaus bekannter als Lorenzetti (war gesucht in Rätsel 34). Er ist mehrere Jahrhunderte später in einer anderen Stadt und einer ganz anderen Umgebung aufgewachsen. Sein Vater war schon als Theatermaler tätig, und so hatte der junge Mann gute Voraussetzungen, um als Künstler tätig werden zu können. Unter der Verkleinerungsform seines eigentlichen Namens ist er in der Kunstwelt heute geläufig.

Anders als früher war es zu seiner Zeit schon üblich, dass Künstler Bilder malten, die sie anschließend verkauften – es gab also schon so etwas wie einen Markt für Kunstwerke. Der von mir gesuchte Künstler hat von seiner Kunst offensichtlich gut leben können – sein Neffe nahm später seinen Künstlernamen an, ich nehme an, dass er dachte, damit besser verkaufen zu können.

Das, was seine Bilder auszeichnet, ist die große Genauigkeit, mit der er das, was er sah, wiedergeben konnte. Und tatsächlich – schaut man sich einzelne Bilder von ihm an, dann sieht das für uns Heutige so aus, als ob der Künstler quasi fotorealistisch gemalt hat.

Dafür hat der Maler auch Hilfsmittel wie etwa die Camera Obscura benutzt. Das Prinzip der Camera Obscura war schon in der Antike bekannt – fällt durch ein kleines Loch Licht in einen dunklen Raum, so wird auf der Rückwand das, was sich vor dem Gerät befindet, auf dem Kopf stehend vollständig abgebildet. Zur Zeit des Künstlers hatte es schon Verbesserungen gegeben, so war es nicht nur ein kleines Loch, durch das das Licht einfiel – man benutzte schon Linsen, dadurch konnte man eine hellere – und größere – Abbildung erreichen.

Der Künstler zeichnete dann also genau die Linien ab, die er so sehen konnte. Dennoch gehört eine große Meisterschaft dazu, aus diesen wenigen gegebenen Linien ein Bild zu schaffen, auf dem sich neben der Architektur auch spazierende Menschen und anderes befinden. Und – nicht zu vergessen – die Farbigkeit mit dem grandios gemalten Himmel hat eine eigene Qualität.

Vermutlich hat er nach der Vorzeichnung, die er vor Ort gemacht haben muss, dann die endgültige Fassung des Bildes erst in seinem Atelier gemalt. Dazu wird er auch noch Farbproben benutzt haben, die er vor Ort gemacht haben muss. Für die Menschen, die auf den Bildern präsent sind, wird er vielleicht Modelle benutzt haben, die in den entsprechenden Posen für ihn Modell gestanden haben.

Auf jeden Fall kann man sicher sagen, dass das endgültige Bild erst in seinem Atelier entstanden ist. Aus vielen einzelnen Skizzen und Studien ist es so zusammengesetzt worden, dass sich ein genauer Anblick der Situation vor Ort ergibt.

Das Bild, nach dem ich dieses Mal suche, zeigt einen großen Platz. Im Hintergrund befindet sich eine Kirche mit einem Campanile, links und rechts sind die Fassaden von Gebäuden zu erkennen. Die Kirche hat große Kuppeln auf dem Dach, sie sieht überhaupt sehr pittoresk aus.

Die Gebäude sind dreigeschossig und ganz regelmäßig gegliedert – die auf der linken Seite sind älter als die auf der rechten. Sie waren ursprünglich für die Verwaltung vorgesehen – vielleicht sollte durch die Einheitlichkeit deutlich gemacht werden, dass sich keiner vor den anderen hervortun sollte. Auf dem Platz stehen und gehen Leute – wenn man sich allerdings vorstellt, wie viele Menschen da heute zu sehen wären….

Wer ist der Künstler? Um welchen Platz handelt es sich? Und wenn Sie sich schon das Bild etwas genauer angeschaut haben… rechts neben dem Campanile ist noch ein Teil eines anderen Gebäudes zu sehen… um welches Gebäude handelt es sich?

Zu gewinnen gab es dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor einigen Jahren in Bologna gemacht habe. Es ist ein Blick in die ‚Via Clavature‘ – das ist die Straße, wo gern gut gegessen wird.

Viel Spaß beim Lesen, Denken, Suchen und Finden wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 34

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Maler, nach dem ich dieses Mal suche, stammt aus einer heute eher kleineren Stadt – im Mittelalter und der beginnende Neuzeit war sie aber sehr bedeutend. Erst im 16. Jahrhundert verlor sie durch ihre alte Rivalin die Macht. Aber in der Zeit, um die es hier geht, stand sie unangefochten auf dem Höhepunkt – neben der eigentlichen Stadt gehörten reiche Gebiete aus der näheren und weiteren Umgebung zu ihrem Herrschaftsbereich.

Unser Künstler ist in dieser Stadt geboren, seine erste Ausbildung erhielt er vermutlich bei seinem älteren Bruder, der auch als Künstler sehr erfolgreich war. Die beiden Brüder arbeiteten später auch gemeinsam bei einigen Aufträgen. Wie allgemein üblich in dieser Zeit war es so, dass die Künstler grundsätzlich nur im Auftrag von Institutionen arbeiteten. So war es natürlich auch bei diesem Meister.

Dennoch hat er in seiner Zeit herausragende Meisterwerke geschaffen – man kann sogar sagen, dass er in einigen seiner Bilderfindungen neue Maßstäbe gesetzt hat. Erst mehr als fünfzig Jahre nach seinem Tod wurden Ideen, die er in seine Bilder gebracht hatte, von anderen Künstlern aufgegriffen und weitergeführt. Trotz dieser großen Leistung ist der Künstler bei vielen Kunstfreunden doch nicht so bekannt geblieben – vielleicht hängt das tatsächlich auch damit zusammen, dass seine Heimatstadt nach der Übernahme durch die große Rivalin nicht mehr die Bedeutung hatte, die ihr eigentlich zustand. Die Geschichte wird halt auch immer von den Siegern geschrieben. Unter anderem hat er im Auftrag der Stadtregierung große Wandgemälde geschaffen, die heute noch im großen Saal des Palazzo Communale bewundert werden können.

Das Bild, nach dem ich heute suche, ist allerdings ein religiöses. Aber auch dabei hat er etwas in die Kunst eingeführt, das weit über das hinausweist, was es bis dahin gegeben hatte. Man schaut von außen erst einmal auf ein dreischiffiges Gebäude – in der Mitte sieht man sogar die Vierungskuppel.

Unten aber schaut man direkt in den Chor hinein. Man sieht drei Schiffe, die durch sehr dünne Säulen voneinander getrennt werden. Links und rechts stehen Menschen, einige davon haben einen Heiligenschein, in der Mitte ist ein bärtiger Priester mit einem spitzen Hut hinter einer Art Altar zu sehen. Links von ihm steht eine Frau, die ein Tuch in den Händen hält. Ihr gegenüber trägt ein Mann ein Baby.

Das, was diesen Altar aber ganz besonders aus allen in dieser Zeit gemalten Bildern heraushebt, ist der gekachelte Fußboden. Alle nach hinten führenden Linien treffen sich in einem Punkt – hier ist also schon so etwas wie eine konstruierte Perspektive zu sehen.

Schaut man sich die nach hinten führenden Linien dann oben bei den Kapitellen der Säulen an, dann treffen die sich zwar auch in einem Punkt – der liegt aber wesentlich höher als der der Kacheln unten. Die unterschiedlichen Fluchtpunkte liegen also alle auf einer gemeinsamen Senkrechten.

Der Künstler erreicht dadurch, dass sich der Betrachter mit in das Geschehen einbezogen fühlt. Damit verweist er schon auf eine viel spätere Zeit….. und damit auch auf eine andere Geisteshaltung.

Wer ist der Künstler? Um welche Wandgemälde handelt es sich? Und was ist auf dem gesuchten Bild dargestellt?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor etwa drei Jahren in der Nähe des Lago Massaciuccoli gemacht habe. Oberhalb des Sees gibt es die Überreste einer römischen Villa, und mich hat damals begeistert, wie das neue Leben aus den Ruinen erwächst.

Viel Spaß beim Lesen, Denken, Suchen und Finden wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 33

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist vor allem durch das nach ihm benannte Gericht überaus bekannt geworden. Tatsächlich ist es so, dass zuerst das Gericht aufgeführt wird, wenn man etwa den Namen des Künstlers bei Google eingibt. Erst danach, wenn man etwas weiter unten nachforscht, erscheint er. Das Gericht ist von einem bedeutenden Gastronomen in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden worden, und weil zur gleichen Zeit eine Sonderausstellung mit Bildern des Künstlers zu sehen war, nannte er das neuerfundene Gericht nach ihm. Dazu ist der Maler besonders für seine differenzierten Rottöne bekannt, auch das kann den Gastronomen dazu gebracht haben, sein Gericht nach ihm zu benennen. Vermutlich hat jede und jeder von uns schon einmal das leckere Gericht gekostet.

Der Künstler ist in einer der bedeutenden Kunststädte Italiens geboren. Über seine frühe Kindheit ist nicht allzu viel bekannt. In der Werkstatt der damals wichtigsten Künstler machte er schon recht früh eine Ausbildung. Dann erhielt er auch schon bald einen bedeutenden Auftrag von einer Laienvereinigung. Dass ausgerechnet er als sehr junger Künstler diesen Auftrag erhielt, kann auch damit zusammenhängen, dass sein Onkel eine wichtige Rolle in der Laienvereinigung spielte.

Diese Vereinigung war nach einer Märtyrerin benannt, und der junge Mann sollte für das Vereinsgebäudes eine Reihe von Bildern malen, die die Reise der jungen Frau mit ihren Begleiterinnen zeigt. An sich hatte die junge Frau einen Prinzen heiraten sollen, sie wollte jedoch zunächst eine Pilgerreise machen. Also brach sie mit zahlreichen Begleiterinnen auf, und sie kam auch tatsächlich am Pilgerort an. Erst auf der Rückreise von der Pilgerfahrt erlitten die jungen Frauen das Martyrium, als sie bei einer großen deutschen Stadt angekommen waren.

Unser Künstler schildert die Reise in neun Bildern – dabei ist es interessant, dass er als Hintergründe des jeweiligen Geschehens immer nur Ansichten der eigenen Umgebung zeigt. Offensichtlich war es ihm – und damit sicher auch seinen Auftraggebern – wichtig, das schon damals mythische Geschehen in die aktuelle Zeit zu übertragen. Vermutlich wollte man mit der Geschichte deutlich machen, dass sich so etwas wie ein Martyrium auch in der eigenen Stadt ereignen könne, wenn etwa die Nichtgläubigen siegen könnten. .

Die Vereinigung wurde später aufgelöst und danach kamen die Bilder in die bedeutendste Galerie der Stadt, wo man sie noch heute in einem großen Extrasaal sehen kann. Schaut man sich den Zyklus genauer an, kann man zumindest vermuten, in welcher Reihenfolge die Bilder gemalt worden sind – das von ihm als erstes gemalte Bild entspricht nicht dem ersten der Geschichte. Ich vermute, dass er zu Beginn seiner Arbeit technisch noch nicht so versiert war wie später.

Also…. Wer ist der Künstler, nach dem das berühmte Gericht benannt worden ist? Und um welchen Zyklus handelt es sich? Und – vielleicht schauen Sie sich die Bilder einmal im Netz an und denken darüber nach, welches Bild er vermutlich als erstes gemalt hat. Ihre Meinung dazu würde mich schon interessieren.

Zu gewinnen gab es dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor einigen Jahren in Rom beim Palazzo Caffarelli gemacht habe – dort war zeitweise die preußische und ab 1871 die deutsche Botschaft untergebracht, und einige der deutschen Künstler haben dort gewohnt, jetzt ist der Palazzo Teil der kapitolinischen Museen.

Kunsträtsel 32

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal suche ich wieder einmal nach einem Künstler, der viel früher gelebt hat als Carlo Carrà. In seiner Zeit war er sehr bekannt – allerdings vielleicht mehr für sein Leben (das er im Alter in einer Autobiographie ausführlich geschildert hat) als für seine Kunst. Tatsächlich gibt es nicht allzu viele bedeutende Kunstwerke von ihm. Aber die er geschaffen hat, die sind wirklich ausgesprochen bedeutend.

Aber erst einmal soll es hier um sein Leben gehen. Er ist in einer der Kunstmetropolen Italiens geboren, sein Vater wollte an sich, dass er Musiker wird. Aber der junge Mann widersetzte sich dem Wunsch und nahm mit vierzehn Jahren eine Lehre als Goldschmied an. Wegen einer Schlägerei musste er bald darauf die Stadt verlassen. Er muss also schon als junger Mann sehr jähzornig und wild gewesen sein.

Das setzte sich im Laufe seines Lebens fort – immer wieder musste er nach Schlägereien und noch schlimmeren Taten vor Verfolgung fliehen, den Schutz bedeutendere Herrscher nutzen, sich vor Gericht verantworten oder auch Strafen im Gefängnis absitzen. Er war also ein rechter Haudegen (den er auch immer bei sich trug)

In seiner Autobiographie schrieb er, dass er drei Morde begangen habe. Und das ist ganz unabhängig davon, dass er im Kriegsdienst nach eigener Aussage viele weitere Menschen umgebracht hat. Als eine große Stadt von Soldaten geplündert wurde, befand er sich mehr oder weniger zufällig auf einer Art ‚Burg‘ auf der anderen Seite des Flusses. Von dort schoss er mit Kanonen auf die Soldaten. Er beschreibt  teilweise sehr detailliert, wie er dabei vorgegangen ist. Und das ist teilweise schon richtig schwarzer Humor.

Die Bronzeplastik, nach der ich dieses Mal suche, zeigt einen nackten, jungen Mann, der in der erhobenen linken Hand den abgeschlagenen Kopf einer Frau hoch hält. Aus dem Hals des Kopfes dringt noch das Blut. In der rechten Hand hält er ein Schwert. Der Mann steht im Kontrapost auf dem verstümmelten Körper der Frau – der linke erhobene Arm korrespondiert dabei mit dem Standbein. Obwohl die Geste des fast demonstrativen Zeigens des Kopfes triumphierend erscheint, hält der junge Mann den Kopf gesenkt – es schaut fast so aus, als ob er sich dieser Tat schäme. Mit dem Marmorsockel, in den weitere Bronzefiguren eingearbeitet sind, ist die Plastikgruppe über fünf Meter hoch. Und sie gilt allgemein als eines der besten plastischen Kunstwerke überhaupt.

Der Künstler beschreibt ausführlich, wie er die Plastik gegossen hat. Dabei hat es eine Reihe von Problemen gegeben – zeitweise sah es so aus, als ob der Guss nie gelingen würde. Zunächst war das Feuer so stark, dass die Werkstatt in Mitleidenschaft gezogen wurde, Dann regnete es auch noch hinein. Schließlich schien die Gussmasse nicht ausreichend zu sein. In seiner Autobiographie schreibt er: „Darum ließ ich sofort alle meinen zinnernen Teller und Schüsseln, etwa 200 an der Zahl, herbeischaffen und warf ein Stück nach dem anderen vor die Kanäle; zum Teil ließ ich sie auch in den Ofen werfen. Als nun ein jeder sah, dass mein Erz aufs beste geschmolzen war, und dass meine Form sich füllte, da gehorchten und halfen mir alle mit fröhlicher Zuversicht, ich aber befahl und half bald hier, bald dort …“

Es klappte tatsächlich, und so kann man die großartige Plastik noch heute an dem Ort besichtigen, wo sie von Anfang an vorgesehen war.

Wer ist der Künstler? Um welche Plastik handelt es sich und wo ist sie aufgestellt?

Zu gewinnen gibt’s diese Zeichnung, die ich vor einigen Jahren im Bargello gemacht habe. Dabei kann man sich durchaus fragen, wer hier eigentlich wen anschaut….

Kunsträtsel 31

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal suche ich wieder nach einem Künstler, der der sogenannten  ‚klassischen Moderne‘ zugerechnet werden kann.

Der gesuchte Künstler wandte sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schon früh der damals modernsten Malweise zu. Dabei trat er nicht nur als Künstler hervor, er war auch bald einer der wichtigsten Theoretiker der neuen Kunstform. Unter anderem schrieb er einen Text, in dem er die Malerei der Töne, der Geräusche und der Gerüche propagierte. Wie er sich das vorstellte, zeigt folgender Textausschnitt, bei dem es um die Verwendung der roten Farbe geht:  I rossi, rooooosssssi roooooosssissssimi che griiiiiiidano., also  … die ‚roten, rooooootttttten, roooooooottttssstttten, die schreeeeeiiiiiien.

Die Gruppe propagierte auch den Krieg, und so trägt ein anderes Buch von ihm den Titel:  ‚Guerra pittura‘ also – ‚Krieg Malerei‘. Es war also schon sehr revolutionär, was er und seine Künstlerkollegen da wollten. Durch seine theoretischen Überlegungen und sicher auch durch seine Bilder und Texte war er schon bald einer der wichtigsten Künstler dieser Gruppe.

.Aber schon nach wenigen Jahren sagte er sich von der Bewegung los und ‚erfand‘ mit zwei anderen Künstlern einen völlig neuen Ansatz. Als Charakteristik dieser neuen Kunst kann gelten, dass das Übersinnliche, das nur in Denkakten zu Erkennende und das über die Sinnenwelt hinaus liegende Geistige, das Transzendente, zu einem bildnerischen System erhoben wurde. In jedem Fall sollte etwas geschaffen werden, was jenseits des sinnlich Erfahrbaren liegt. Auch in dieser Kunstrichtung war er sehr produktiv – sowohl theoretisch als auch praktisch.

Aber dann wandte er sich auch von dieser Kunstrichtung wieder ab. Offensichtlich war ihm das alles zu spektakulär, er wollte zurück zu einer Kunst der Einfachheit. So beschäftigte er sich intensiv mit Künstlern aus alten Zeiten. Vorbildlich war für ihn (laut Wikipedia) dabei die frühe florentinische Malerei – etwa die von Giotto oder von Masaccio. Diese dritte Schaffensphase behielt er bis zu seinem Tod bei.

Das Bild, nach dem ich dieses Mal suche, ist allerdings aus seiner ersten Phase.

In der Mitte des leicht hochrechteckigen Bildes sieht man gerundete Formen – über einer zylindrischen Schräge wird ein nacktes Gesäß angedeutet, darüber liegen drei fast parallel verlaufende Schwünge, die vielleicht drei verschiedene Positionen eines Rückens zeigen sollen.

Damit würde eine Bewegung gezeigt, was dem Anspruch der Gruppe entsprechen würde. Um diese Rundungen herum sieht man unterschiedliche geometrische Formen, die sich teilweise durchdringen. Einzelne Teile können dabei auch gegenständlich – etwa an Hausfassaden erinnernd – gesehen werden. Im unteren Bereich sind Fragmente einer Balkonbrüstung angedeutet.

Die einzelnen Elemente sind körperhaft durch Übergänge von fast weißlichem Ocker über helle Graugrüntöne bis zu einem tiefen Schwarz gemalt. Dadurch entsteht eine starke Plastizität der einzelnen Bildelemente. Diese sind so gleichzeitig miteinander verbunden als auch voneinander getrennt.

Wer ist der Künstler und welche Kunststile hat er mit geprägt? Welchen Titel hat das gesuchte Bild…. und vielleicht….was sehen Sie sonst noch darauf?

Zu gewinnen gibt’s dieses Mal die Zeichnung, die ich nach einer Bronzeplastik von Henri Laurent gezeichnet habe. Er ist ja nun zwar kein Italiener, aber ich denke, dass sie am besten zu dem Künstler passt, nach dem ich dieses Mal suche.

Viel Spaß beim Rätseln!

Auflösung Rätsel 40

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

hier ist die Lösung des letzten Rätsels mit der Reise der ‚heiligen drei Könige‘. Dieses Mal habe ich wieder viele richtige Lösungen erhalten – obwohl der Künstler, von dem die Fresken sind, sicher nicht vielen bekannt gewesen ist. Ich hatte ja geschrieben, dass er mir auch nicht so geläufig war. Aber die gesuchte Familie kannten natürlich viele, und so konnte der Maler dann ja auch gefunden werden.

Es waren die Medici, die Florenz im quattrocento, also im 15. Jahrhundert recht erfolgreich beherrschten. Hervorzuheben sind dabei vor allem zwei Familienmitglieder, das ist Cosimo ‚il vecchio‘ (also der alte), der von 1434 an herrschte und Lorenzo ‚ il magnifico‘ (also der Prächtige). Cosimo hat den Palast, in dem sich das gesuchte Fresko befindet, in Auftrag gegeben. Und Lorenzo (nicht sein Sohn, wie ich geschrieben hatte, sondern sein Enkel) hat die Künstler und Kunst besonders gefördert. Man kann sagen, dass durch das Zusammenspiel zwischen künstlerischer Kreativität und dem Mäzenatentum der Medici die Renaissance geprägt worden ist.

Der Palast trägt heute den Namen: Palazzo Medici Riccardi – die Familie Riccardi hat ihn von den Medici gekauft. Und in diesem Palast gibt es die Kapelle, die 1459 von Benozzo Gozzoli und seiner Werkstatt ausgemalt worden ist.

Besonders an diesem Fresko ist eben, dass die Medici und auch eine Reihe anderer Anhänger der Familie mit portraitiert worden sind.

Dazu hat sich der Künstler selbst mit in die großen Fresken eingefügt – und auf seine Kappe hat er stolz geschrieben ‚Opus Benozzo‘. Es war damals sicher schon etwas ganz Besonderes, dass sich ein Maler so in das heilige Geschehen und in die Parade seiner Auftraggeber einfügen durfte.

Wer mehr über diese Kapelle erfahren möchte, sei bei Google auf das ‚Finestre sull’arte‘ verwiesen – da gibt’s sehr gute Fotos der Fresken und informative Texte. Es lohnt sich wirklich sehr, den Palast und besonders die Kapelle beim nächsten Besuch von Florenz zu besuchen. Bis auf wenige bauliche Veränderungen ist die Kapelle so erhalten, wie sie vor weit mehr als fünfhundert Jahren gestaltet worden ist.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 18 und da steht Traugott Eckhardt – Lieber Herr Eckhardt bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen die Zeichnung schicken kann.

Auflösung Rätsel 39

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

dieses Rätsel war dann wohl doch etwas schwieriger zu lösen als das vorletzte – jedenfalls sind weniger richtige Lösungen bei mir eingegangen. Dabei war Giovanni Bellini (* um 1437 in Venedig; † 29. November 1516 ebenda[1] nicht nur in seiner Lebenszeit ein außergewöhnlich bedeutender Maler. Albrecht Dürer, der ihn bei seiner zweiten Italienreise in Venedig kennengelernt hatte, bezeichnete ihn in der Tat als ‚den besten Maler‘ Und tatsächlich hat sich Dürer bei seinem berühmten Bild ‚Die vier Apostel‘ an einem Bild des venezianischen Meisters orientiert.

Ich hatte ja auch geschrieben, dass ein Rezept den gleichen Namen trägt – es handelt sich in der Tat um einen Aperitif, der (wieder – wie schon beim Carpaccio) von Giuseppe Cipriani erfunden und benannt wurde. Cipriani hat sich so wirklich auch um die Bekanntheit der venezianischen Künstler verdient gemacht.

Bellini hatte bei seinem Vater das Handwerk gelernt, neben ihm und seinem Bruder waren auch sein Schwager Andrea Mantegna und der sizilianische Maler Antonello da Messina für die Entwicklung seiner Kunst bedeutsam. Man kann sagen, dass diese Künstler das besondere ‚venezianische‘ Portrait ‚erfunden‘ haben.

Das Bild, nach dem ich dieses Mal gesucht habe, befindet sich in der Kirche ‚San Zaccaria‘ – und diese Kirche befindet sich in der Nähe des Markusplatzes – und daher ist auch der Haltestelle der Vaporetti nach ihr benannt. Ich denke, dass jede und jeder, die / der einmal in Venedig ein Vaporetto benutzt hat, dort ein- oder ausgestiegen ist. Erstaunlicherweise ist die Kirche längst nicht so bekannt wie eben die Haltestelle.

Es lohnt sich aber wirklich, von der Haltestelle einige Schritte bis zur Kirche zu gehen und dieses Bild zu bewundern. Bellini hat es genau für diesen Platz gemalt – das kann man gut daran sehen, dass er die originalen Pfeiler auf seinem Bild wiederholt. Maria sitzt erhaben auf einem Thron, rechts und links von ihr stehen Heilige. Und ein wunderschöner Engel spielt die Musik dazu.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 12 – und da steht Johannes Heck – lieber Herr Heck, bitte schicken Sie mir Ihre Adresse, damit ich Ihnen das Bild zusenden kann.

Auflösung Rätsel 38

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde, beim letzten Mal habe ich nach einem Künstler gesucht, der vielen bekannt gewesen ist – jedenfalls habe ich sehr viele richtige (insgesamt 60!) Antworten erhalten. Es war Giuseppe Arcimboldo (1526 – 1593) Ich kann mir vorstellen, dass seine relativ große Bekanntheit mit seiner ungewöhnlichen Art zu malen zusammenhängt. Wenn man sich einmal mit der Collage beschäftigt hat, liegt es nahe, diesen Künstler gewissermaßen als einen Vorläufer zu betrachten. Er hat ja in gewisser Weise das Prinzip schon vor mehr als vierhundert Jahren verwandt.

Dabei hatte er ganz konventionell angefangen. Wie er dann auf die Idee zu seinen skurril aussehenden Bildern gekommen ist, kann ich nicht sagen. In jedem Fall hat er so etwas in die Kunstgeschichte eingebracht, was ihn von allen anderen Künstlern seiner Zeit unterscheidet (jedenfalls ist mir kein Künstler bekannt, der ähnlich gearbeitet hat. Dass er, wie ich ja in der Aufgabenstellung geschrieben habe, noch viele andere Tätigkeiten am Hof ausübte, war mir so auch nicht klar gewesen. Und ganz besonders finde ich, dass er versucht hat, zwischen Malerei und Musik Gesetzmäßigkeiten zu finden – das hätte ich bei ihm nun überhaupt nicht vermutet.

Gesucht hatte ich das Porträt des Kaisers Rudolf II. als Vertumnus, das Arcimboldo 1591 gemalt hat.


Vertumnus ist der römische Gott des Wandels, der Jahreszeiten, des Pflanzenwachstums und der Gärten. Nach Wiki ist er eine verwandlungsfähige Gottheit, die ihre Gestalt nach Belieben ändern kann, was sie mit dem Handel und Tauschhandel verband. Ich kann mir vorstellen, dass der Kaiser genau das mit diesem Portrait darstellen wollte. Ein wandlungsfähiger Mensch, der allem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist und dafür sorgt, dass das Land blüht und gedeiht. Jedenfalls war er ein bedeutender Förderer von Kunst und Wissenschaft.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 4 – und da steht Irmgard Bogenstahl….liebe Irmgard, du kannst das Bild bekommen, das vorgesehen war. Wenn du es möchtest, kannst du dir aber auch ein anderes bei mir im Atelier aussuchen. Meld dich…

Auflösung Rätsel 37

beim letzten Mal war der Maler Giovanni Segantini (* 1858 – 1899) zu erraten. Über die vielen Reaktionen gerade zu diesem Künstler habe ich mich sehr gefreut. Dabei waren Anmerkungen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. So hieß es u.a., dass ich  nun endlich mal diesen Künstler gewählt hätte, man hätte schon immer darauf gewartet. Andere schrieben, dass sie von ihm noch nie etwas gehört hätten, aber sehr froh seien, ihn auf diese Art und Weise kennengelernt zu haben. Und dann lernte ich durch eine an sich unrichtige Antwort einen Künstler kennen, von dem ich noch nie etwas gehört hatte – auch er war in einem Bereich Italiens geboren, der damals noch zu Österreich gehörte und auch er ist relativ jung gestorben. Ich verrate den Namen jetzt nicht – vielleicht kann ich ihn auch einmal für ein Rätsel verwenden.

Mit Giovanni Segantini  handelt sich in der Tat um einen Künstler, der etwas aus dem Rahmen fällt. Dazu kommt, dass er im 19. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat – und in dieser Zeit standen Künstler aus anderen Ländern mehr im Mittelpunkt. Wie schon in der Aufgabenstellung geschrieben, hat Segantini eine Erfindung in die Malerei gebracht, die man im Allgemeinen den französischen Künstlern zuordnet. Um Licht angemessen auf der Leinwand darzustellen, erfand er für sich die sogenannte ‚‘Partitive Mischung‘. Dabei setzte er kleine Elemente unterschiedlicher Farben eng aneinander, sodass sie sich im Auge des Betrachters mischen.

Das haben zur selben Zeit auch die französischen Pointilisten – etwa Seurat – (aber auch teilweise van Gogh!) gemacht. Von denen weiß man das im Allgemeinen – aber dass ein italienischer Künstler zeitgleich dasselbe Verfahren entwickelt hat, das war mir lange nicht bewusst gewesen.

Gesucht hatte ich das Bild ‚Die Heuernte‘. Segantini hat die längste Zeit seines Lebens in den Bergen verbracht. Für ihn stand die Verbindung von Natur und darin hart arbeitenden Menschen im Mittelpunt seines Schaffens. So ist das auch bei diesem Bild. Eine karge Landschaft, im Vordergrund eine Frau, die Heu zusammenkratzt, dahinter ebenfalls  schwer arbeitende Menschen, und im Hintergrund ein Bergmassiv. Das war die Welt von Segantini – letztlich ist er dann auch in den Bergen gestorben.

Auflösung Rätsel 36

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

beim letzten Mal habe ich nach einem Künstler gesucht, der in seiner Zeit überaus erfolgreich war (aber ich hatte natürlich einen Fehler gemacht, als ich schrieb, er habe ‚gut 150 Jahre‘ vor Canaletto gelebt. Tatsächlich waren es 250 Jahre, das haben auch einige bemerkt und mich korrigiert. Ich hoffe nur, dass diese falsche Zeitangabe nicht die eine oder den anderen an der Lösung gehindert hat)

Wie ich geschrieben habe, stammte er aus einer nicht sehr wohlhabenden Familie. Die Geschichte, dass er als kleiner Junge dann schon entdeckt und gefördert wurde, gibt es tatsächlich in vielen Fällen. Oft waren es Geistliche, die den Startschuss dann für eine große Karriere gelegt haben.

So kam er nach Arbeiten in Padua nach Mantua, wo er von den Markgrafen zum Hofmaler ernannt wurde. Unter anderem bemalte er in der ‚Camera degli sposi‘ (dem Hochzeitszimmer) die Decke so, dass sich ein Durchblick in den Himmel ergibt.

Das Bild, nach dem ich aber hauptsächlich gesucht habe, ist die ‚Beweinung Christi‘. Hier hat der Künstler etwas – nach meiner Kenntnis – einmaliges geschaffen.

Wenn man diesen Christus so liegen sieht, dann mag man denken, dass der Künstler hier mit der Perspektive gearbeitet habe – das stimmt so aber sicher nicht.

Wenn man etwa einen Menschen so fotografieren würde – und eine exakte perspektivische Darstellung würde ja einem Foto entsprechen – dann würden die Füße riesig groß erscheinen, und der Kopf wäre viel zu klein. Mantegna hat hier also genial ‚geschummelt‘ und erst das macht das Bild glaubwürdig.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 12 ….und das ist Ursula Strube-Harms. Bitte setzten Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen die Zeichnung schicken kann.

Auflösung Rätsel 35

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

das letzte Rätsel war dann doch wieder etwas einfacher – der Künstler, nach dem ich gesucht habe, ist Antonio Canal – heute ist er vor allem unter seinem Künstlernamen‚Canaletto‘ bekannt. Canaletto ist 1697 in Venedig geboren und dort auch 1768 gestorben. Er scheint so bekannt und erfolgreich gewesen zu sein, dass sein Neffe Bernardo Bell Otto auch diesen Namen annahm – vermutlich konnte er dadurch besser verkaufen.

Canaletto hat viele Jahre in Venedig verbracht, ein englischer Diplomat – Joseph Smith – förderte ihn. Unter anderem ließ er Stiche von seinen Bildern machen, die sich sehr gut verkauften und seinen Namen vor allem in England bekannt machten. In der Lebenszeit Canalettos war es üblich geworden, dass Künstler für einen freien Markt produzieren mussten, während sie in den Jahrhunderten vorher ja vor allem Aufträge von Kirchen, Klöstern, Adeligen und offiziellen Stellen ausführten. Von daher mussten die Künstler – ähnlich wie auch heute – schauen, dass sie Kunden für ihre Kunstwerke fanden. Venedig war ähnlich wie Rom gut für solche Verkäufe geeignet, weil sich dort immer wieder wohlhabende Reisende auf ihrer ‚Grand Tour‘ aufhielten. Viele der Reisenden kauften dann auch bei ihm.

Das Bild, nach dem ich letztes Mal gesucht habe, ist der Markusplatz in Venedig.

Im Hintergrund sieht man San Marco, rechts daneben steht der Campanile – und dann kann man neben ihm noch ein kleines Stück des Dogenpalastes sehen. Aber natürlich habe ich auch die Biblioteca Marciana oder die Prokuratien anerkannt.

Da Canaletto ja ganz offensichtlich eine Camera Obscura benutzt hat, muss er relativ weit oben gestanden haben. Die Horizontlinie verläuft etwa in Höhe des zweiten Geschosses – man kann das daran sehen, dass diese Linien fast waagerecht verlaufen. Dort, wo Canaletto seine ‚Camera Obscura‘ aufgebaut haben muss, war in seiner Lebenszeit noch die Kirche San Geminiano. Rechts und links neben der Fassade waren Gebäude. Da der Markusplatz leicht versetzt von rechts aus zu sehen ist, könnte ich mir vorstellen, dass Canaletto (von uns aus gesehen) links von der Fassade aus das Bild gemalt hat. Da ist ein großes Fenster, von dem er aus er etwa den Blick gehabt haben kann, den wir auf seinem Gemälde sehen.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 3 und da steht Wolf Lübbers. Herzlichen Glückwunsch!

Auflösung Rätsel 34

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

Das letzte Rätsel war wohl doch etwas schwerer zu lösen – trotz meines ernst gemeinten Hinweises, dass man doch ruhig Hilfsmittel wie etwa Google oder eine andere Suchmaschine nutzen könne, haben einige offensichtlich doch Hemmungen gehabt das zu tun. Sollte man aber ruhig machen – die Suchmaschinen verfügen einfach über mehr Informationen als wir. Wir Menschen haben dafür andere Qualitäten.

Der Künstler, nach dem ich letztes Mal gesucht habe, ist Ambrogio Lorenzetti. Er ist etwa 1290 in Siena geboren und 1348 bei der großen Pest gestorben. Siena war im Mittelalter in der Tat eine der wichtigsten Städte Italiens – und sie konnte sich gegen ihre große Widersacherin Florenz tatsächlich lange Zeit gut behaupten. Auch die Kunst blühte in Siena, und so hatten die Künstler eine gute Auftragslage.

Ambrogio hat seine erste Ausbildung vermutlich bei seinem Bruder Pietro erhalten, sie haben auch später noch zusammen gearbeitet, aber Ambrogio ist für mich in der Tat einer der ganz bedeutenden Künstler, der mit seiner Art zu malen – und damit in die Zukunft zu denken – weit über seine Zeitgenossen hinausragt. Das ist auch der Grund, warum ich ihn für die Kunsträtsel ausgewählt habe.

In der Beschreibung bin ich u.a. auf die Fresken eingegangen, die er für den Palazzo Pubblico (ich hatte versehentlich Palazzo Communale geschrieben…..Danke für den Hinweis Herr Lieb) von Siena gemalt hat. Er hat darin allegorisch die Folgen der ‚guten‘ bzw. der ‚schlechten‘ Regierung dargestellt, und wenn man sich anschaut, wie er etwa bei der ‚guten Regierung‘ die Landschaft gemalt hat, dann ist er in seiner Darstellungsweise tatsächlich seiner Zeit weit voraus. Es lohnt sich unbedingt, diese Fresken bei Wiki zu suchen und sich die Bilder in Ruhe anzuschauen.

Das von mir gesuchte Bild war allerdings ein anderes. Es handelt sich um eine ‚Darbringung im Tempel‘ – darin wird geschildert, wie Jesus von seinen Eltern in den Tempel gebracht wird. Das Bild hat er 1342 gemalt, es befindet sich heute in den Uffizien in Florenz.

Ambrogio Lorenzetti: ‚Darbringung im Tempel‘

Mich hat bei diesem Bild besonders die Raumdarstellung begeistert. Vergleicht man sie etwa mit Bildern von Giotto, dann ist es bei diesem so, dass man den Anschein hat, man schaue von außen – etwa wie bei einer Theateraufführung – auf das Geschehen.

Lorenzetti dagegen lässt die durch die Kacheln am Boden verlaufenden Linien in einem Punkt zusammenlaufen. Ähnlich ist das bei den sich durch die Kapitelle ergebenden Linien – der Schnittpunkt liegt aber wesentlich höher, aber immerhin auf einer gemeinsamen Senkrechten. Das ist für die damalige Zeit doch recht neu. So wird man als Betrachter gewissermaßen mit in die Handlung einbezogen. Man steht nicht mehr außen davor – man ist Teil des Geschehens. Das ist etwas, was sicher für die damaligen Gläubigen eine ganz neue Erfahrung war. Theologisch hängt das vielleicht mit dem Entstehen der Bettelorden zusammen, die auch eine stärkere Beteiligung der Gläubigen anstrebten.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 11 und das steht Karin Siemon. Liebe Frau Siemon bitte schicken Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen die Zeichnung schicken kann.

Auflösung Rätsel 33

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

der Künstler, nach dem ich letzten Mal gesucht habe, war tatsächlich recht vielen bekannt. Jedenfalls habe ich eine ganze Reihe von richtigen Lösungen zugeschickt bekommen. Viele waren überrascht, dass das ‚Carpaccio‘, was sie sehr gern aßen, nach einem Künstler benannt worden ist. Tatsächlich hat der Gastronom Cipriani (Harrys Bar und das sehr gute Restaurant Cipriani auf Torcello – einmal habe ich dort gegessen….war köstlich!) das ‚Carpaccio‘ erfunden, weil eine bedeutende Dame Rindfleisch nur roh verzehren wollte oder durfte. Und da in Venedig gleichzeitig eine Ausstellung mit Bildern von Carpaccio lief, benannte er sein neues Gericht nach diesem Maler – dazu soll ihn auch die reiche Scala von Rottönen, die in seinen Bildern vorherrschen, angeregt haben.

Vittore Carpaccio (um 1465 – 1525/26 Venedig) hat vermutlich in der Werkstatt von Gentile Bellini gelernt. Diese Werkstatt war für viele damalige Künstler der Einstieg in ihre künstlerische Arbeit. Tatsächlich gab es ja keine Akademien oder ähnliches – solche Institute wurden erst Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet. Bis dahin gab es eben die Werkstätten, in denen alle jungen Künstler ihre Ausbildung erhielten.

Der Bilderzyklus ist der ‚Ursula Zyklus‘ für die gleichnamige ‚Scuola‘ in Venedig. Der Zyklus besteht aus neun Bildern, er beginnt mit der Ankunft von englischen Botschaftern am Hof des Königs der Bretagne – sie sollen um die Königstochter werben. Die Tochter will zwar heiraten, aber sie will erst eine Pilgerfahrt nach Rom unternehmen. Das darf sie machen, auf der Rückfahrt erleidet sie dann das Martyrium in Köln.

Schaut man sich die Bilder an, dann kann man feststellen, dass sie nicht in dieser Reihenfolge gemalt sein können, tatsächlich ist die ‚Ankunft der Heiligen in Köln‘ schon aus dem Jahr 1490. Das ist also das am frühesten gemalte Bild. Vergleicht man dieses etwa mit der ‚Ankunft der Botschafter‘, das ja in der Geschichte das erste Bild ist, damit, dann sieht man doch einen starken Unterschied in der Darstellung. Die Figuren stehen viel steifer da, die Farbigkeit ist eine völlig andere – offensichtlich hatte der Maler noch Schwierigkeiten mit der Darstellung fertig zu werden.

Man sollte sich Bilder überhaupt etwas genauer anschauen. Wenn ich mich richtig erinnere hat Anselm Feuerbach auf die Frage, wie man ein Bild betrachten solle, in etwa gesagt: ‚Man besorge sich einen Stuhl‘.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 36 und das ist tatsächlich mein Freund Hans Jürgen Matz (und ich habe wirklich nicht geschummelt!)

Auflösung Rätsel 32

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

das letzte Rätsel war, wie ich mir schon dachte, in der Tat etwas einfacher als das vorhergehende. Gesucht hatte ich Benvenuto Cellini (1500 – 1571) der in der Tat ein sehr außergewöhnlicher Künstler und Mensch gewesen ist. So steht bei Wikipedia über ihn:

„Cellini gilt als einer der großen Bildhauer der Nachantike und als ein typischer „uomo universale“ der italienischen Renaissance. Seiner Autobiographie zufolge war er auch ein dreifacher Mörder. Nachdem sein Werk und seine Taten mehrere hundert Jahre nahezu vergessen gewesen waren, wurde er zu Beginn des 19. Jahrhunderts neu entdeckt.“

In seiner Autobiographie, die er in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben hat, beschreibt er sich und seine Zeit sehr anschaulich. Mir geht seine Art, sich selbst dabei herauszustellen und die eigenen Taten zu feiern, doch ganz schön auf die Nerven – aber es ist sicher ein großartiges und authentisches Dokument aus dem 16. Jahrhundert

Der Text ist übrigens erstmals von keinem geringeren als Goethe ins Deutsche übersetzt worden. Mittlerweile gibt es eine Neuübersetzung (ich besitze eine, die in der Büchergilde Gutenberg erschienen ist, darin sind sehr schöne Bilder von Michael Mathias Prechtl) Mit einem kurzen Auszug aus dem Buch möchte ich Ihnen zeigen, um was für einen Menschen es sich bei Cellini gehandelt hat. Er hatte sich über einen Pompeo sehr geärgert. Als er diesem zufällig auf der Straße begegnete, ereignete sich folgendes: „Als ich an der Ecke ankam, war er gerade aus dem Apothekerladen herausgetreten und seine Trabanten hatten schon ihren Kreis geöffnet und ihn in ihre Mitte genommen. Ich zog einen kleinen spitzen Dolch, durchbrach die Reihe seiner Leute und packte ihn so schnell und fest an der Brust, dass keiner ihm helfen konnte. Ich zielte nach seinem Gesicht und erschreckte ihn so sehr, dass er den Kopf abwandte, infolgedessen traf ich ihn gerade unter dem Ohr. Ich stieß nun zweimal zu, aber beim zweiten Stoß fiel er mir tot in den Arm. Dies war nun freilich niemals meine Absicht gewesen, aber, wie man zu sagen pflegt, das Messer kennt kein Maß.“

So ähnlich beschreibt er alle seine Taten

Aber er war eben auch ein großartiger Bildhauer, und das kann man gut an dem Perseus mit dem Haupt der Medusa sehen, den er für den Herzog Cosimo I geschaffen hat. Die Bronzeplastik steht heute noch an ihrem damaligen Bestimmungsort, in der Loggia die Lanzi beim Palazzo Vecchio in Florenz.

Bei der Aufgabenstellung hatte ich je schon geschrieben, wie kompliziert der Guss gewesen ist – und in der Tat ist allein schon die technische Durchführung so großartig, dass es kaum vergleichbare Plastiken gibt.

Also – wer noch nicht dort war…. unbedingt wieder einmal nach Florenz fahren und die Arbeit bewundern. Und für die Zeit bis dahin – sich die Autobiographie besorgen, und sich schon einmal auf ins 16. Jahrhundert machen.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 37 – und da steht Judith Meisner. Liebe Frau Meisner, bitte schicken Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen die Zeichnung schicken kann.

Auflösung Rätsel 31

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

dieses Mal war das Rätsel offensichtlich doch etwas schwieriger…. jedenfalls habe ich deutlich weniger Lösungen zugeschickt bekommen. Dabei ist es ja gerade der Sinn dieser Rätsel, dass man mit ihnen auch mal Künstlerinnen und Künstler kennenlernt, die man bisher nicht auf dem Schirm hatte.

Nun, der gesuchte Künstler, den man durchaus als einen bedeutenden Vertreter der ‚klassischen Moderne‘ sehen kann, ist Carlo Carrà. Carrà ist 1881 geboren und 1961 gestorben. Mit dem etwa gleich alten Umberto Boccioni hat er den Futurismus gegründet – in der Tat haben einige Rätselrater auch Boccioni als den gesuchten Künstler genannt. Aber Boccioni ist schon 1916 gestorben, und Carrà hat erst in  dieser Zeit mit Giorgio de Chirico  und dessen Bruder die ‚Pittura Metafisica‘ begründet. In dieser ‚metaphysischen‘ Malerei hat er ebenfalls sehr bemerkenswerte Bilder gemalt.

Erstaunlicherweise ging er nach diesen ja zu ihrer Zeit hochmodernen Kunststilen auf die ganz frühe Kunst zurück. Vielleicht spürte er, dass die alte Kunst über Qualitäten verfügte, die er auch erreichen wollte.

Wenn man sich diesen Wandel – den er auch immer mit theoretischen Erwägungen und Schriften unterstrich – anschaut, dann ist es schon erstaunlich, dass er im allgemeinen Bewusstsein nicht viel bekannter ist. In seinen bildnerischen Veränderungen kann man ihn vielleicht am ehesten mit Picasso vergleichen, der ja auch immer wieder neues ausprobierte.

Das Bild, nach dem ich gesucht habe, gehört in die Epoche des Futurismus. Es handelt sich um ‚Die Frau auf dem Balkon‘. Gemalt hat Carrà es im Jahr 1912. Es ist in der Tat typisch für diese Kunstrichtung, aber man kann auch gut daran sehen, dass es bei den italienischen Futuristen durchaus Parallelen etwa zum ‚Analytischen Kubismus‘ gibt. Aber  auch der ‚Akt eine Treppe hinabsteigend‘ von Duchamp  erinnert mich daran.

In jedem Fall soll hier sicher auch die Bewegung und der ‚Lärm der Großstadt…‘ dargestellt werden …‘ die Futuristen waren ja davon begeistert – in einem früheren Rätsel hatte ich ja schon nach Boccioni und sein Bild mit diesem Titel gesucht (das übrigens tatsächlich im Sprengel Museum Hannover hängt….wer’s nicht kennt….es ist unbedingt einen Besuch wert)

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 18 von 27, und da steht: Claudia Seiler

Kunsträtsel 30

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist wesentlich bekannter als Properzia de Rossi. Er ist etwa zweihundert Jahre nach ihr in einer der wichtigsten Städte Italiens geboren. Schon mit 18 Jahren machte er sich selbstständig,  mit 21 wurde er Meister. Er feierte schnell Erfolge, die ihn zu einem begehrten und weithin berühmten Maler machten.

Nicht nur in seiner Heimatstadt war er erfolgreich. Er erhielt bald viele Aufträge von wichtigen Leuten, und so arbeitete er in vielen anderen Städten und Ländern. Seine Art zu malen, entsprach dabei vollständig dem damaligen Zeitgeschmack.

Gegen Ende seines Lebens erhielt er vom Kaiser einen großen Auftrag für Deckengemälde in einem Palast. Als er das beendet hatte, folgten weitere Aufträge für Altarbilder in einer bedeutenden Kirche. Aber dann geriet er künstlerisch ins Abseits. Es hatte sich eine neue, vollständig andere Kunstrichtung durchgesetzt, und schließlich wurden sogar einige dieser Altarbilder gar  nicht mehr aufgehängt.

Da er zu schwach für eine Heimkehr nach Italien war, starb er schließlich mit 74 Jahren weit entfernt von seiner Heimat. Aber immerhin wurde 2003 ein Asteroid nach ihm benannt – und das ist doch nun wirklich eine sehr große Ehre.

Das Bild hat er auch nicht in seiner Heimatstadt gemalt. Tatsächlich liegt die Stadt, in der diese Arbeit zu sehen ist, gar nicht so weit von uns entfernt. Von einem sehr bedeutenden Fürstbischof erhielt er den Auftrag für ein Deckengemälde im Treppenhaus seines Palastes. Es handelt sich um das größte Deckenfresko der Welt – es bedeckt etwa 580 Quadratmeter! Natürlich hat der Künstler das nicht allein ausgemalt – zwei seiner Söhne und noch mehrere andere Helfer arbeiteten dabei mit.

Man schaut von unten in einen luftig gemalten Himmel hinein. Um das gesamte Bild verläuft ein Fries, der das Ganze zu den Wänden hin begrenzt. An einigen Stellen sind Plastiken nackter,  junger Männer  so angebracht, dass sie mit ihren Beinen in den Raum hineinragen und so Realität und malerische Illusion verbinden.

Dargestellt sind  die damals anerkannten vier Kontinente – Afrika, Amerika, Asien und Europa. Sie werden durch allegorische weibliche Figuren symbolisiert. Dazu wird jeder dieser Kontinente durch die dort heimischen Tiere dargestellt. Alle Erdteile verherrlichen den Hausherrn.

Dieser wird oberhalb von Europa in einem elliptischen Rahmen gezeigt, der von einem Engel getragen wird. Oberhalb des Rahmens befindet sich eine Krone, die mit Hermelin und Purpur verziert ist. Auf der linken Seite des Rahmens bläst ein großer weiblicher Engel in eine lange Trompete.

Auch die vier Künste werden durch damals bedeutende Männer dargestellt – dabei hat sich unser Künstler – als Sinnbild für die Malerei stehend – auch selbst verewigt. Schaut man sich diesen Ausschnitt an, dann kann man gut die illusionistische Verbindung plastischer und malerischer Mittel erkennen.

Sie sollten sich also unbedingt nicht nur das Gesamtbild sondern auch einzelne Details anschauen. Erst dann kann man die Qualität dieser Arbeit richtig würdigen.

Wer ist der Künstler? Wo hat er das Riesenbild gemalt und wer war der Auftraggeber?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal den Druck eines Aquarells auf Büttenpapier, das ich vor längerer Zeit von einem Apoll gemalt habe. Es passt so meiner Ansicht nach am besten von allen meinen Arbeiten zum Gemälde des gesuchten Künstlers.

Viel Vergnügen beim Rätseln wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 29

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal wird sicher kaum jemand sofort wissen, nach wem ich suche. Ich habe die Künstlerin (ja – dieses Mal handelt es sich wieder um eine Frau!) auch erst an dem Ort kennengelernt, an dem sie hauptsächlich gearbeitet hat.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass das Suchen bei Google oder auch bei ChatGPT oder wo auch immer nicht nur möglich ist sondern ausdrücklich gewünscht wird. Der Sinn dieser Rätsel soll ja gerade darin bestehen, das eigene Wissen zu erweitern und Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke kennenzulernen, von denen man bisher noch gar nichts oder nur wenig gehört hatte.

Also – genug der Vorrede: Dieses Mal suche ich nach einer Künstlerin, die auch ich bis vor einigen Jahren überhaupt nicht kannte. Sie hat im frühen 16. Jahrhundert in einer großen und bedeutenden Universitäts- und Handelsstadt gelebt. Um die Suche etwas einfacher zu machen – die Stadt liegt am südlichen Rand von Norditalien. Als ich eine Arbeit von ihr zum ersten Mal gesehen habe, war ich schon von der Tatsache verblüfft, dass es sich bei ihr um eine Bildhauerin gehandelt hat. In der Tat soll sie die erste Frau gewesen sein, die bildhauerisch tätig war. Sogar der große Vasari hat ihr in der ersten Auflage der ‚Vite‘ als einziger Frau einen eigenen Artikel gewidmet. Danach soll sie sehr begabt aber auch sehr streitlustig gewesen sein. So stand sie zweimal vor Gericht. Einmal wurde ihr vorgeworfen, sie habe den Garten eines Nachbarn verwüstet. Beim zweiten Prozess lautete der Vorwurf, sie habe einem anderen Künstler Farbe ins Gesicht gespritzt und ihn an den Augen gekratzt. Es gibt nur relativ wenig Arbeiten von ihr – das liegt sicher auch daran, dass sie nur etwa vierzig Jahre alt wurde.

Sie wurde zunächst durch ihre komplexen und kleinformatigen Skulpturen aus den Kernen von Steinobst, wie Aprikosen, Pfirsichen und Kirschen, bekannt. Dann begann sie in Marmor zu arbeiten, wobei man heute nicht weiß, bei wem sie das gelernt hat. Durch ihre ersten Marmorbüsten bekam sie dann den prestigeträchtigen Auftrag,  für die Westfassade der bedeutendsten Kirche der Stadt – es handelt sich dabei nicht um den Dom –  Reliefs zu fertigen.

Ihr berühmtestes Werk, es ist auch das, nach dem ich dieses Mal suche, ist denn auch ein Relief, das sie für diese Westfassade gemacht hat. Mittlerweile ist es, wie auch alle anderen Reliefs dort durch Kopien ersetzt. Es befindet sich jetzt im Museum der Kirche.

Auf diesem Relief sieht man auf der rechten Seite eine Frau auf einem Bett sitzend. Da sie  leicht nach links geneigt ist, sieht es aus, als ob sie sich gerade aufgerichtet hat. Ihr Kleid ist vorn geöffnet und etwas heruntergerutscht, sodass man ihre Brüste sehen kann.

Mit ihrer linken Hand stützt sie sich auf dem Bettrand ab, mit der rechten greift sie nach einem jungen Mann, der nach links fortläuft. Sie hält ihn dabei energisch an einem Umhang fest, der sich von dem jungen Mann schon ein wenig gelöst hat. Er versucht offensichtlich, diesen Umhang noch mit beiden Händen festzuhalten.

Beide Gesichter sind im reinen Profil wiedergegeben. Die Arme der Figuren sind muskulös und plastisch gut durchgearbeitet. Die Bewegungen werden noch durch die Faltenwürfe verstärkt, selbst die Haare unterstützen die Bewegungen, sodass es einen starken Drang nach links gibt, den die Frau ganz offensichtlich verhindern will.

Man sieht, hier ist eine hochdramatische Szene dargestellt.

Wer ist die Künstlerin? Für welche Kirche hat sie dieses Relief gemacht und welche Szene hat sie so großartig dargestellt?

Zu gewinnen gibt’s dieses Mal zwei Ansichten eins Bacchus, der gerade Trauben so verschiebt, dass er sie in einen Pokal pressen kann. Die Skulptur habe ich vor einigen Jahren in Rom – wenn ich mich richtig erinnere – in den Vatikanischen Museen gezeichnet – und die beiden Ansichten geben, ähnlich wie bei dem gesuchten Relief eine Bewegung wieder.

Viel Vergnügen beim Raten wünscht Rainer Grimm

Kunsträtsel 28

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist wieder nicht so bekannt wie Donatello – zumindest ich muss zugeben, dass mir der Name längst nicht so geläufig war. Aber, hat man sich erst einmal etwas mit ihm beschäftigt und sich dann auch Bilder von ihm angeschaut, dann ist man doch verblüfft, was für ein außergewöhnlicher Künstler er war. Geboren ist er etwas mehr als eine Generation nach Donatello – und er ist nur etwa 50 Jahre alt geworden. Da es in seiner Heimatstadt – nach dieser Stadt ist er auch in der Kunstgeschichte benannt – Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ein großes Erdbeben gab, sind viele Bilder und Dokumente zerstört.

Sehr bedeutend ist er dadurch geworden, dass er als erster die Ölmalerei nach Italien gebracht hat. Bis dahin benutzte man eine ‚Tempera‘, um die Farbpigmente auf dem Malgrund zu befestigen. Dazu nahm man etwa eine Mischung aus Eiklar und Wasser, oder aber man nahm eine Mischung aus Öl und Wasser – dazu musste man dann wieder ein Ei als Emulgator hinzufügen. In jedem Fall ist die Farbe bei dieser Technik dann relativ deckend.

Unser Künstler verwendete als Untermalung nun auch die Tempera – darüber legte er dann aber mehrere Lasuren, also durchscheinende Farbschichten in reiner Ölmalerei. Das hatte in der damaligen Zeit noch kein italienischer Künstler gemacht. Diese Technik soll er sich den flämischen Malern abgeschaut haben. So erwarb er sich schnell einen großen Ruf, durch die neue Technik besaßen seine Bilder eine große Lebendigkeit und auch ‚seelische‘ Tiefe. Er war so auch besonders erfolgreich als Portraitmaler.

Das Kunstwerk, nach dem ich dieses Mal suche, ist allerdings ein religiöses Bild. Es zeigt einen Moment im Leben einer jungen Frau, der für sie vermutlich eher schwierig war. In den Schriften wird dieses Geschehnis allerdings eher positiv dargestellt. Wenn man an das Fest denkt, das wir gerade hinter uns haben, müsste das etwa Ende März passiert sein. In fast allen Darstellungen dieses Ereignisses – und es gibt eine unüberschaubare Menge davon – ist neben der jungen Frau noch jemand anderes zu sehen.

Bei unserem Künstler sieht man aber nur sie. Die schöne junge Frau trägt einen blauen Schleier, der fast den ganzen Oberkörper bedeckt. Sie scheint gerade überrascht worden zu sein, von dem vor ihr stehenden Lesepult hat sie sich abgewandt und schaut – von uns aus gesehen – nach links. Es ist anzunehmen, dass sie vorher in dem Buch gelesen hat, das auf dem Pult liegt. Eine der Seiten ist aufgesprungen, vermutlich hatte sie sie vorher mit ihrer rechten Hand niedergedrückt. Diese Hand hat sie jetzt fast abwehrend leicht erhoben – sie in der Verkürzung so lebensecht zu malen – das allein ist schon ein großes Kunststück. Ihre linke Hand hält den Schleier über der Brust zusammen.

Wer ist der Künstler, der die Ölmalerei nach Italien gebracht hat? Um welches Kunstwerk handelt es sich? Und … sieht die junge Frau in sich hinein oder sieht sie tatsächlich etwas? Diese letzte Frage lässt sich natürlich nicht abschließend beantworten, mir kommt’s dabei auf Ihre Vermutung an.

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich in diesem Jahr (fast vorbei) in Venedig gemacht habe. An einem Ende der ‚Viale S. Domenico‘ ist ein kleiner Kanal und dort schaut man auf eine der wunderbaren Brücken, die immer wieder von vielen Menschen beschritten werden.

Viel Vergnügen beim Raten wünscht Rainer Grimm

Kunsträtsel 27

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist sicher viel bekannter als Veronese. Er hat es geschafft, mit seinen plastischen Arbeiten in völlig neue Bereiche vorzudringen. Ja, man kann sogar sagen, dass er mit seiner Kunst ein völlig neues Menschenbild erschaffen hat. Dabei schuf er sowohl großartige Marmorskulpturen als auch Bronzen. Berühmt geworden ist er u.a. durch den ersten  lebensgroßen männlichen Akt seit der Antike. Diese Bronze, die für den Innenhof des Palastes des inoffiziellen Herrschers der Stadt bestimmt war, steht heute im Skulpturenmuseum seiner Heimatstadt.

In einer anderen Stadt schuf er das erste lebensgroße Reiterstandbild seit der Antike.

Bereits seinen Zeitgenossen galt er so als ein besonders erfindungsreicher Künstler, der mit Materialien, Techniken und künstlerischen Effekten experimentierte. Dazu zeigen seine Arbeiten eine große Expressivität – man schaut ihnen gewissermaßen in die Seele. Man kann also mit Recht sagen, dass er einer der bedeutendsten Künstler aller Zeiten gewesen ist.

Die dieses Mal gesuchte Arbeit  ist keine Vollplastik sondern ein Relief. Auch in diesem Bereich hat der Künstler bahnbrechendes geleistet. Ein späterer Autor hat ihn dafür gerühmt, dass seine Reliefs trotz der geringen Plastizität eine große Raumtiefe zeigen. Er hat dieses Verfahren als „Rilievo Schiacciato“ (‚gepresstes Relief“) bezeichnet. Und es ist wirklich erstaunlich, wie genial der Künstler trotz der nur ganz geringen Tiefe eine solche Raumwirkung erzielen kann, Dazu hat er u.a. die zu seiner Zeit gerade für die Malerei erfundene Perspektive für das Relief verwandt. Der Fußboden hat ein Muster und alle nach hinten führenden Linien treffen in einem Punkt zusammen. Zusätzlich schafft er durch verschieden große Rundbögen eine Scheinarchitektur, wodurch die Illusion dreier hintereinander liegender Räume entsteht.

Im Vordergrund sieht man viele Menschen an einem Tisch versammelt. Auf der linken Seite kniet ein junger Mann, der einem älteren einen auf einer Platte liegenden Kopf präsentiert. Dieser ist ganz offensichtlich geschockt – er hat seine Hände wie abwehrend leicht erhoben. Eine hinter dem Tisch sitzende Frau weist mit ihrer rechten Hand auf den Kopf. Auf der rechten Seite drängt sich eine Gruppe von Menschen, sie sind deutlich erregt. Alle Figuren auf diesem ersten Grund sind mehr oder weniger plastisch durchgearbeitet.

Auf der zweiten Ebene sieht man durch eine Mauer teilweise verdeckt drei Männer, einer von ihnen spielt ein Saiteninstrument. Diese Figuren sind deutlich weniger plastisch gehalten. Danach folgt noch eine dritte Ebene – und was dort zu sehen ist, das sollten Sie sich unbedingt selbst anschauen. Der Künstler erzählt tatsächlich eine ganze Geschichte auf drei Ebenen.

Wer ist der Künstler? Was ist auf dem Relief dargestellt und wo kann man es bewundern?

…und zu gewinnen gibt’s dieses Mal eine Zeichnung, die ich 2021 im Bargello in Florenz gemacht habe. Wenn man die Skulptur von Michelangelo mit den Schaulustigen vergleicht, kann man mal sehen, wie klein wir normalen Menschen so sind….

 

Viel Vergnügen beim Raten wünscht Rainer Grimm

Kunsträtsel 26

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, stammt aus einer ganz anderen Region als Masaccio. Er hat auch mehr als hundert Jahre später gelebt – gehört aber im weitesten Sinne doch noch mit in die Endphase der Renaissance. Der Name, unter dem er heute allgemein bekannt ist, leitet sich von der Stadt her, in der geboren und aufgewachsen ist. Schon als relativ junger Mann ging er – sicher wegen der besseren Auftragslage – in eine andere Stadt. Dort bekam er bald gute Aufträge von der Regierung aber auch von verschiedenen Kirchen und Orden. Auch außerhalb seiner neuen Heimatstadt gelang es ihm, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen – er war einfach ein Künstler, der von vielen Auftraggebern sehr geschätzt wurde.

Er fiel vor allem wegen seiner Farbwahl auf – seine Bilder haben eine ganz besondere Leuchtkraft. Erst im Alter wurde seine Farbpalette dunkler. Aber seine wichtigsten Werke haben in der Tat eine ganz eigene Farbigkeit, die ihn von anderen Künstlern unterscheidet. Sie sehen alle sehr prachtvoll aus.

Das Bild, nach dem dieses Mal gesucht wird, war für ein Kloster bestimmt, mittlerweile hängt es aber in einem Museum.

Dargestellt ist ein Bankett, das in einer Art Loggia stattfindet. Nach vorn und hinten öffnet sie sich in drei von korinthischen Säulen getragenen Rundbögen. Über den Bögen befinden sich vergoldete und geflügelte weibliche Relief-Skulpturen. Vorne, zum Betrachter hin, sieht man eine Treppenanlage, mit zwei Läufen links und rechts, auf der einige Personen hinauf- oder hinuntergehen.

Das Bild ist mehr als 13 Meter breit und über fünf Meter hoch. Eine große Menschenmenge sitzt an einem parallel zum Betrachter befindlichen Tisch. Alle Figuren sind in Bewegung und in großer Natürlichkeit und Lebensechtheit dargestellt, sie kommunizieren deutlich miteinander. Durch den „Trick“ mit der illusionistisch gemalten Treppe im Vordergrund wird dem Betrachter  der Eindruck vermittelt, als ob er selber hinauf ins Bildgeschehen gehen könnte.

An sich war das Bild von einem Orden für einen ganz bestimmten Raum im Kloster in Auftrag gegeben worden. Drei Monate, nachdem  das Bild aufgehängt war, wurde der Künstler aber von der Regierung der Stadt vorgeladen. Man bemängelte, dass auf dem Bild unter anderem Männer abgebildet waren, die in fremdländische Uniformen gekleidet waren, dazu habe er Narren, Betrunkene, Deutsche, Zwerge, und ähnliche Scheußlichkeiten gemalt. Das alles passe nun überhaupt nicht zu dem Thema Bildes.

Es gab ein großes Hin und Her,  aber der Künstler scheint sich dabei gut verteidigt zu haben. Schließlich wurde das Bild doch akzeptiert. Aber der Künstler musste den Titel ändern – das tat er auch, und danach konnte das Bild so bleiben, wie er es gemalt hatte.

Wie heißt der Künstler – was war das ursprüngliche Thema des Bildes und welchen Titel hat er ihm nach der Befragung gegeben? Man kann ruhig bei Wiki nachforschen….. es lohnt sich….

Und zu gewinnen gibt’s dieses Mal (passend zur zu ratenden Tischgesellschaft) ein Aquarell, das ich über eine Zeichnung von einem ‚ottimo aperitivo‘ gelegt habe. Den Aperitif habe ich vor einigen Jahren in Bologna genossen – und wie man sieht, gab’s dazu kleine Leckereien.

Viel Vergnügen beim Raten wünscht Rainer Grimm

Kunsträtsel 25

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, gilt als einer der bedeutendsten Wegbereiter der Renaissance. Obwohl er nicht einmal 27 Jahre alt wurde, hat er in dieser kurzen Lebensspanne einen überragenden Einfluss auf seine Kollegen und die gesamte Kunstgeschichte gehabt. Bedeutend ist ein Freskenzyklus in der Kapelle einer Kirche, den er gemeinsam mit einem Kollegen geschaffen hat. Da die beiden Künstler denselben Vornamen hatten, hat man, um sie besser unterschieden zu können, diese jeweils etwas abgewandelt. Da der Kollege etwas kleiner und der dieses Mal gesuchte größer und wohl durchaus grober, vielleicht auch aufbrausender war, wurden die Namen der beiden entsprechend abgewandelt. Unter diesem abgewandelten Namen ist unser Künstler noch heute bekannt.

Das Hauptwerk unseres Künstlers – man kann ohne Übertreibung sagen, dass es ein Schlüsselwerk der Kunstgeschichte ist – befindet sich in einer Bettelordenskirche – kleiner Tipp – der Hauptbahnhof der Stadt ist nach dieser Kirche benannt.

Auf eine Wand des linken Seitenschiffs ist das große Fresko – es ist fast sieben Meter hoch – gemalt. Dargestellt sind Christus am Kreuz, über ihm schwebt – auf den ersten Bick kaum sichtbar – eine weiße Taube, und hinter ihm steht Gottvater, der mit seinen Händen den Kreuzbalken trägt. Zu beiden Seiten des Kreuzes stehen auf der  (vom Betrachter aus gesehen) linken Seite Maria und rechts Johannes.

Diese Szene spielt in einem Scheinraum. Zwei Säulen mit ionischen Kapitellen tragen einen Rundbogen, hinter dem sich ein Tonnengewölbe, das durch Kassetten gegliedert wird, befindet. Nach außen hin sieht man kannelierte Pilaster, die ein Gebälk zu tragen scheinen.

Alle architektonischen Elemente sind nur gemalt, aber durch sie entsteht wirklich die Illusion, als ob man in einen realen Raum schaut. Vor dieser Architektur knien links ein Mann und rechts eine Frau – das sind sicher die Stifter dieses Freskos.

Unter diesem eigentlichen Werk ist ein von Säulchen gestützter Altar zu sehen, unter dem sich ein Sarkophag mit einem liegenden Skelett befindet. Darüber steht übersetzt etwa: Ich war, was ihr seid, und was ich bin, werdet ihr sein.

Berühmt ist dieses Fresko durch die vollkommen durchgeführte Perspektive – der Fluchtpunkt befindet sich am Fuße des Kreuzes. Dort soll der Künstler einen Nagel in die Wand geschlagen haben, und dann mit einem Seil die Schrägen der Kassettendecke festgelegt haben. Dadurch, dass der Fluchtpunkt so tief liegt, kann man nichts von Boden sehen.

Ein früher Autor bewunderte die Perspektive mit den Worten: „Am schönsten aber ist, neben den Figuren, ein perspektivisch gemaltes Tonnengewölbe, das in rosettenverzierten Kassetten unterteilt ist, die in der Verkürzung so trefflich kleiner werden, dass jene Wand wie durchstoßen erscheint.“

Wer ist der Künstler, und welchen Titel hat das berühmte Fresko?

Und …. Wie immer …. Viel Spaß beim Rätseln….

Zu gewinnen gibt’s dieses Mal diese Straßenansicht, die ich vor zwei Jahren gezeichnet und anschließend koloriert habe.

Kunsträtsel 24

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist vermutlich nicht so bekannt wie andere, die bisher Thema waren. Aber es lohnt sich unbedingt, ihn näher kennenzulernen. In meinen Augen ist er einer der größten Künstler, die Italien hervorgebracht hat. Wenn man nicht gleich auf ihn kommt, sollte man unbedingt in Wikipedia oder auch in Büchern nach ihm suchen.

Um es etwas einfacher zu machen, suche ich dieses Mal  nicht nur nach dem Künstler sondern auch nach der Stadt, in der er gearbeitet hat  – und diese Stadt kennt nun sicher jede und jeder. Dazu geht es dann auch noch um eine Schlacht, die heute noch in der Stadt gefeiert wird.

Die Stadt ist für mich eine der schönsten in Italien – und Italien hat nun wirklich sehr viele ausgesprochen schöne Städte. Sie liegt in Mittelitalien und war Jahrhunderte lang die erbitterte Feindin einer nicht weit entfernt liegenden größeren Stadt. Immer wieder hatte es auch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Städten gegeben –seit langer Zeit hat  die größere aber die dieses Mal gesuchte unter ihre Herrschaft gebracht.

Um die Auseinandersetzungen zwischen den Städten etwas besser zu verstehen, muss man sich klar machen, dass es praktisch in jeder Stadt zwei größere Parteiungen gab. Das waren auf der einen Seite die ‚Ghibellinen‘ – das waren die Anhänger des Kaisers, benannt nach der Stadt ‚Waiblingen‘ – der Stadt, aus der die Stauffer gekommen waren. Auf der anderen Seite waren es die ‚Guelfen‘ – benannt nach den Welfen – die sich aus Opposition dem Papst angeschlossen hatten. Das ganze ging auf die Auseinandersetzung zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen zurück.

Unsere Stadt gehörte damals den Ghibellinen an, die andere Stadt war dagegen ‚guelfisch‘. Die Armee der größeren Stadt schien unsere kleinere schon fast besiegt zu haben, da drehte sich das Ganze. Bei einem kleinen Ort in der Nähe fand eine große Schlacht statt, bei der die Armee der anderen vernichtend geschlagen wurde. Dieser Sieg ist zwar mehr als 760 Jahre her – aber das Ereignis wird noch heute in unserer Stadt gefeiert.

Da die Obrigkeit vor der Schlacht im Dom vor dem wichtigsten Madonnenbild das Gelübde abgelegt hatte – im Falle eines Sieges solle die Madonna die eigentliche Stadtherrin sein – nahm man an, dass sie diesen Sieg ermöglichst habe. So stellte sich die Stadt auch fortan unter ihren Schutz. Zu ihren Ehren wurde ein neues Madonnenbild in Auftrag gegeben – es hängt noch heute in einer Kapelle im Dom.

Aber nur etwa vierzig Jahre später erschien den Stadtoberen dieses Bild zu klein angesichts des großen Sieges.  Also gab man dem damals bedeutendsten Künstler der Stadt den Auftrag für einen neuen, viel größeren Altar.  Er  sollte viel prächtiger und größer als der bis dahin verehrte sein. Und unser Künstler hat mit seiner Werkstatt wirklich einen überaus prachtvollen Altar geschaffen. Die in der Mitte thronende, übermenschlich große Madonna wird von Heiligen und Engeln umrahmt. In der Predella sieht man Geschichten aus dem Jesusleben. Auch die Rückseite ist vollständig bemalt. Als der Altar beendet war, wurde er im Triumph von der Werkstatt des Künstlers bis zum Dom getragen.

Aber vor der Vergabe an den Künstler hatte es auch Kritik gegeben – man bemängelte, dass die alte ‚Maestà‘ ja das Votivbild für den großen Sieg gewesen war, und dass ein neues diese Funktion nicht einfach übernehmen könne. Also musste sich unser Künstler an der alten Madonna orientieren. Und in der Tat kann man bei etwas genauerer Betrachtung feststellen, dass sie ‚altmodischer‘ gemalt ist als die Figuren etwa in der Predella.

Ich kann nur empfehlen, einmal  nach …. zu fahren und sich den Altar anzuschauen. Er befindet sich jetzt im Dommuseum.

Wie heißt die Stadt, um welche Schlacht handelt es sich und wer ist der Künstler?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal die nachstehende Zeichnung, die ich vor einigen Jahren in Sant Andrea, der Hauptkirche von Pistoia gemacht habe. Zu sehen ist ein ‚Atlant‘, der die Säule einer Kanzel trägt. Der Künstler von dem die Kanzel geschaffen wurde, ist Giovanni Pisano, das war einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit.

Die Zeichnung passt insofern gut zum Rätsel, weil Pisano und der dieses Mal gesuchte Künstler etwa zur selben Zeit gelebt haben.

Viel Spaß beim Raten wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 23

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal wird wieder ein Künstler gesucht, der wie Tintoretto ebenfalls in Venedig gearbeitet hat. Er ist allerdings – wie viele andere bekannte und große Künstler nicht in dieser Stadt geboren, aber da es dort immer gute Aufträge gab, zogen ambitionierte Künstler eben gern dort hin.

Wer ein wenig des Italienischen kundig ist, der wird bei der Namensnennung dieses Künstlers schon merken, dass es sich bei ihm vermutlich um einen recht großen Mann gehandelt haben muss. Er kam aus seiner Heimatstadt in die Serenissima und arbeitete zunächst bei einem der angesagten Künstler. Zusammen mit einem Kollegen bekam er dann einen Auftrag für Fresken an einem (gerade für uns Deutsche) bedeutenden Gebäude – diese Fresken sind heute so gut wie nicht mehr vorhanden, das kritische Klima in der Stadt hat sie im Laufe der Jahrhunderte zerstört.

Dann eröffnete er seine eigene Werkstatt und schuf einige großartige Gemälde, die sich auch gut verkaufen ließen. Mit nur etwa zweiunddreißig Jahren starb er vermutlich an einer Pestinfektion. Obwohl er also relativ jung gestorben ist, war sein Einfluss auf andere Künstler außerordentlich groß. Das Besondere an seiner Malweise ist dabei der weitgehende Verzicht auf Umrisslinien – entscheidender für den Künstler war offensichtlich das Herausarbeiten farblicher Übergänge. Das war in seiner Zeit so revolutionär, dass andere Künstler das übernahmen. So wurde sein Name nach seinem Tod tatsächlich als Stilrichtung verwandt.

Das Bild, nach dem ich dieses Mal suche, ist nicht besonders groß und ist in einem leichten Hochformat gemalt. Es gilt als eines der ungelösten Rätsel der europäischen Kunstgeschichte und ist auf unterschiedliche Weise interpretiert worden, wobei sich letztlich keine Deutung durchgesetzt hat. Die Rätselhaftigkeit des Bildes könnte eine Ursache der Faszination sein, die es auf viele Menschen ausübt.

In einer Landschaft mit unterschiedlichen Gebäuden im Hintergrund steht auf der (vom Betrachter aus gesehen) linken Bildseite ein elegant gekleideter junger Mann mit einer Art langem Stab in der Hand. Er schaut nach rechts in Richtung einer, bis auf ein weißes Tuch vollständig nackten, sitzenden jungen Frau, die ein Kind stillt. Im Gegensatz zu dem jungen Mann schaut die Frau aus dem Bild heraus.

Zwischen den beiden Menschen befindet sich ein kleiner Fluss oder Bach, der nach hinten/oben hin breiter wird. Dort führt auch eine Brücke über ihn hinweg. Der Himmel ist sehr bewegt, ein Blitz ist zackenartig in ihn hineingemalt.

Wer ist der Künstler und um welches Bild handelt es sich? ….und – welche Deutung halten Sie für einleuchtend?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal natürlich ein Bild aus der Serenissima. Ich habe diese Zeichnung ausgesucht – sie zeigt die Insel La Certosa, die ich von San Pietro aus gezeichnet habe. Wer allerdings lieber eine andere haben möchte, die oder der kann sich dann gern bei mir im Atelier etwas anderes aussuchen.

Viel Spaß beim Raten wünscht

Rainer Grimm

Kunsträtsel 22

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Liebe Kunst-; Italien – und Rätselfreundinnen und –freunde…….

…. Dieses Mal ist vieles anders als bei allen bisher verschickten Rätseln, es ist dieses Mal ein Kreuzworträtsel, das ich mir ausgedacht habe. Riccardo Nanini von der DIK Hannover hat es netterweise ins Italienische übersetzt – und so können Sie sich dabei auch noch ein wenig mit der italienischen Sprache  vergnügen.

Das Lösungswort ergibt sich, wenn man die Buchstaben in den gelben Feldern glücklich sinnerhellend zusammenfügt, und zu gewinnen gibt’s diese Zeichnung, die ich vor einiger Zeit in Bologna unmittelbar neben San Domenico gemacht habe.

Viel Spaß beim Rätseln…..

KREUZWORTRÄTSEL – CRUCIVERBA

Das ultimative Rätsel für Italien- und Kunstfreundinnen und -freunde

Die Buchstaben in den gelben Feldern ergeben – in der richtigen Reihenfolge – den Namen eines großen Künstlers.

Dalle lettere nelle caselle risulta il nome di un grande artista

Sie können das Rätsel als PDF öffnen und zum Ausfüllen drucken.
Klicken Sie dazu bitte auf diesen roten Text!

Viel Spaß beim Knobeln!

Rainer Grimm                                                                                               Riccardo Nanini

Waagerecht

5 Erzengel in menschlicher Gestalt als Großkünstler 13 Zinsen werden meist so berechnet 14 Vogelschiss zur Freude von Pflanzen 15 Hier isst – wie in der ganzen Region – sehr gut 16 wird beim Ristorante gern vor den Namen gestellt 17 das ist schon ernsthaft ohne ‚o‘  18 gekürztes ‚das ist’19 Frisch gemalt und sehr lange haltbar 21 mit Akzent auf dem Vokal ein ganzes Haus 22 etwas lästerlicher Beiname eines großen Renaissancemalers 26 deutscher Zug in Kurzform 27 poetischer Name für die Luft 29 wenn man eine Viertelstunde später kommen kann 30 so trinkt man in Italien 31 erste Frau, der wir unser Wissen über Gut und Böse zu verdanken haben 32 in Italien eine gehobene Form, um von einem zu sprechen 35 nach ihr benanntes Opernhaus 36 südliche Region in heimischer Schreibweise 38 mit Bedeutung aufgeladenes Bild auf Italienisch 41 Biblischer Name 42 dahin führen alle Wege 43 eine italienische Festung 44 ganz schön groß 46 mit Akzent zu trinken ohne für dich 47 TIC … TOC 48 kurz, wenn man etwas (noch) nicht weiß  49 mehrzahliger italienischer Gebrauch 51 kurze Regionalstraße 52 das sagt der Italiener, wenn er etwas nicht will 53 Bezeichnung für feurige Musik 54 Kurzform für heiligen Ort oder Person 55 ‚und andere‘ 56 Extra Originelles Theater  57 großer Schnellmaler in Venedig 61 Die Vorangehenden  heute vor allem in der Kunst 63 da kann man nur ‚ja‘ sagen.

 

Senkrecht

1 ziemlich dunkel 2 barocker Maler mit bologneser Hintergrund 3 leider nicht alt gewordener Renaissancemaler 4 kleines Fischlein – italienisch lecker 5 großer Maler der Frührenaissance 6 Umsatzsteuer – oder im Ganzen einig 7 du hast oder auch Fisch 8 Artikel vor S mit Konsonant 9 Nein 10 ziemlich weibliche Griechin 11 deutsche Name und italienischer Fluss 12 beim Wein zwischen Color und Sapor 20 da möcht man italienisch liegen 22 nun aber schnell! 23 göttliche Römerin 24 florentiner Bildhauer und Maler des Trecento 25 sagt man von sich, wenn man sich lateinisch selbst beschuldigt 28 deutsches uovo 30 Für italienische Fußballer die Abwehrparade 32 auch der Italiener kann sich irren 33 großer Maler, der um 1300 der Kunst einen neue Richtung gab 34 da kann man mal so richtig jammern 37 da geht’s runter 39 Cantatrice mit süßem Hintergrund 40 deutsches genervt sein 45 Spanisches Gebirge 47 Anfang von etwas Süßem, was einen hochziehen kann 50 Die Philosophenschule, die zur Gelassenheit rät 58 ‚und‘ vor Vokal 59 manche haben einen …61 Come ..? .. bene!

 

Orizzontali

5  Arcangelo sotto forma di grande artista 13 Gli interessi di solito si calcolano così 14 Escrementi di uccelli per la gioia delle piante 15 Qui – come in tutta la regione – si mangia molto bene 16 È spesso anteposto al nome al ristorante 17 Non scherzano già senza la „o“ 18 „cioè“ in sigla 19 Appena dipinto e a lunga conservazione 21 con l’accento un‘abitazione intera 22 epiteto severo di un grande pittore rinascimentale 26 treno tedesco in sigla 27 nome poetico di ciò che si respira 29 quando si può arrivare un quarto d’ora dopo 30 Trinken in italiano 31 la prima donna a cui dobbiamo la conoscenza del bene e del male 32 Pronome maschile formale 35 nome del grande teatro d’opera 36 regione meridionale 38 immagine pregna di significato 41 nome biblico 42 dove portano tutte le strade 43 fortezza 44 piuttosto grande 46 con l’accento… da bere, senza… pronome 47 TIC … TOC 48 sigla di ignoto 49 utilizzi 51 strada regionale 52 negazione 53 musica focosa 54 sigla di santo 55 ‚e altri‘ 56  Ente  Occulti Tecnocrati  57  grande e rapido pittore veneziano 60 precursori, specialmente nell’arte  62 affermazione

 

Verticali

1 piuttosto buio 2 pittore barocco di formazione bolognese 3 pittore rinascimentale, purtroppo non invecchiato 4 pesciolino delizioso 5 grande pittore del primo Rinascimento 6 imposta o „im Ganzen einig“ 7 voce del verbo avere o pescecane in tedesco 8 articolo prima di S e consonante 9 risposta negativa 10 femmina della Grecia 11 nome tedesco e fiume italiano 12 nel vino tra color e sapor 20 bello distendersi lì 22 rapido e disgiunto 23 romana divina 24 scultore e pittore fiorentino del Trecento 25 … maxima culpa 28 uovo in tedesco 30 il portiere l’ha presa 32 sbaglio 33 grande e rivoluzionario pittore del Trecento 34 gemente e sconsolato 37 pianura 39 Gianna molto nota in Germania 40 frustrazione in tedesco 45 montagne spagnole 47 inizio di qualcosa di dolce che ti risolleva 50 la scuola filosofica della calma spassionata 58 congiunzione prima di vocale 59  alcuni hanno un …61 Come ..? .. bene!

Kunsträtsel 21

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal frage, ist vermutlich den meisten Kunst- und Rätselfreundinnen und –freunden doch bekannter als Brunelleschi. Er war ein großartiger Maler, der schon sehr jung als ausgesprochen talentiert galt. Tatsächlich soll der sehr etablierte Künstler, in dessen Werkstatt der junge Mann zunächst lernen wollte, ihn schon nach zehn Tagen wegen Eifersucht wieder rausgeschmissen haben. Auch später soll er immer wieder versucht haben, ihn in seiner Entwicklung zu behindern. Das alles nutzte aber nichts, der dieses Mal gesuchte Künstler machte eine große Karriere in seiner Stadt – die er im Laufe seines Lebens auch kaum verlassen hat. Der Künstler ist heute vor allem unter einem Namen bekannt, der sich auf den Beruf seines Vaters bezieht.

Er  galt als großer ‚Schnellmaler‘ – tatsächlich wurde ihm das immer wieder von verschiedenen Leuten vorgeworfen. Ein schlagendes Beispiel dafür ist seine Bewerbung um einen lukrativen Auftrag. Eine an sich karitative Vereinigung, eine Laienbruderschaft – es gab viele davon in dieser wie auch in anderen italienischen Städten – wollte ein Bild des Schutzheiligen für die Decke des Versammlungsraums bestellen.

Verschiedene Künstler wurden eingeladen, sich um den Auftrag zu bewerben. Während die anderen Künstler gerade einmal Entwürfe dafür zeigen konnten, hatte der dieses Mal Gesuchte bereits das ganze Bild gemalt. Zudem offerierte er es– es handelt sich um ein sehr großes Deckengemälde – dann auch noch kostenlos.

Obwohl es zunächst heftigen Widerstand gab, musste die Bruderschaft das Geschenk annehmen, der Künstler wurde anschließend in sie aufgenommen und stieg später sogar in die Führungsriege auf. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte malte er alle Bilder für die verschiedenen Säle der Bruderschaft. Auch dabei ging er ausgesprochen geschickt vor. Statt dass die Bruderschaft jedes Mal eine größere Summe für ein Bild bezahlen musste, begnügte sich der Maler mit einer jährlichen Leibrente.

Im Unterschied zu anderen zeitgenössischen Malern zeigte unser Maler in seinen Bildern häufig einfache Leute und teilweise recht baufällig aussehende Architekturen. So ist das auch bei dem dieses Mal gesuchten Bild. Auf der linken Bildseite stehen und liegen Bretter und andere Teile aus Holz neben und übereinander. Es sieht alles sehr unordentlich aus. Aus dieser Richtung (also von links!) fliegt ein Engel geradezu stürmisch in einen etwas schäbig ausgestatteten Raum. Viele Putten begleiten ihn. Er schaut auf eine fast auf dem Boden sitzende (wie ich finde, nicht besonders schöne) junge Frau, weist dabei aber mit seinem rechten Arm auf eine herabfliegende, Taube. Das einzig elegantere Möbelstück ist im Hintergrund ein großes rotes Himmelbett.

Was für eine Szene hat der Künstler dargestellt? Wo befindet sich das Bild (zusammen mit den oben angegebenen Bildern in dem Gebäude der Bruderschaft)….und natürlich…. wer ist er überhaupt?

Und hier habe ich die Zeichnung eingefügt, die dieses Mal gewonnen werden kann:

 

Auflösung Kunsträtsel 30

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde,

wieder ein Monat ist vergangen, und da ist es wieder Zeit für ein neues Rätsel. Zunächst gibt’s aber natürlich die Auflösung des letzten. Dieses Mal habe ich relativ viele Lösungen zugeschickt bekommen….der Künstler war doch durchaus leichter zu erraten als Properzia de Rossi, die ja beim vorletzten Mal gesucht worden war.

Es war GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO (1696-1770) – und das war wirklich ein großartiger Maler, der in seinem Leben lange Zeit die Kunstszene dominierte und am Ende durch den beginnenden Klassizismus verdrängt wurde. Tatsächlich wurden die  Altarbilder, die er für eine Kirche in Aranjuez gemalt hatte, schon gar nicht mehr aufgestellt. Der von ihm so bravurös vertretene Stil des Rokoko war mit einem Mal ‚unmodern‘ geworden – der Klassizismus hatte ihn verdrängt.

Der Künstler starb in Madrid, wohin ihn der spanische König (nicht Kaiser, wie ich fälschlicherweise geschrieben hatte – Danke Wolfgang!) gerufen hatte. Am Ende seines Lebens war er so schwach geworden, dass er nicht in seine Heimatstadt zurückkehren konnte.

Geboren ist er in Venedig, und dort erhielt er seine erste Ausbildung. Aber er wurde schon bald auch an andere Orte gerufen, wo er für die vornehmen Leute umfangreiche Aufträge ausführte.

So holte ihn auch der Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenclau nach Würzburg, wo er das Treppenhaus der Residenz ausmalte. Dieses riesige Fresko ist einfach zu groß, um hier eine noch einigermaßen sinnvolle Abbildung einzufügen. Daher zeige ich hier nur einen Ausschnitt. Sie sollten sich aber unbedingt das Gesamtbild – und vielleicht auch noch andere Ausschnitte bei Wikipedia aufrufen. Das hier gezeigte Foto hat mir netterweise Henning zur Verfügung gestellt – Danke – das ist sehr viel besser als die Abbildungen, die ich im Netz gefunden habe.

Über der linken Ecke – zwischen den beiden nackten jungen Männern hat sich der Künstler selbst dargestellt, wie er über eine Brüstung hinwegschaut. Etwa in der Mitte sieht man den Fürstbischof im Rahmen. Und weiter rechts unten ist dann der Architekt Baltasar Neumann zu sehen, er sitzt auf einer Kanone. Neben seiner Tätigkeit als Architekt war er nämlich auch Offizier der Artillerie.

Gewonnen hat dieses Mal …die Nummer 21 – und das steht Irma Karner. Liebe Irma – lass uns einen Termin vereinbaren, damit ich dir das Bild geben kann.

Auflösung Kunsträtsel 29

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

Zunächst geht es erst einmal um die Auflösung des letzten Rätsels. Ich hatte nach einer Künstlerin gesucht, die für die damalige Zeit schon sehr besonders gewesen ist. Nicht nur, dass sie überhaupt bildnerisch tätig und auch sehr erfolgreich war, sie war auch noch eine Bildhauerin. Sie arbeitete in Marmor, und damit wäre sie auch heute noch eine sehr große Ausnahme. Es handelt sich um Properzia de Rossi (1490 – 1530) Sie ist in Bologna geboren und auch dort mit nicht einmal 40 Jahren gestorben.

Auch ich hatte von ihr noch nie etwas gehört oder gelesen, bis ich eine Arbeit von ihr (das ist auch die, nach der ich letztes Mal gesucht habe) in San Petronio in Bologna gesehen habe.

Ich hatte ja geschrieben, dass es sich bei der gesuchten Kirche nicht um den Dom handelt – das ist etwas, was es auch in anderen Städten gibt. Auch in Padua ist die wichtigste Kirche (das ist der ‚Santo‘ – gemeint ist San Antonio) nicht der Dom. Da der Dom der Bischofssitz ist, der ja den direkten Draht zum Papst hat, fanden offensichtlich einige Stadtoberen, dass man den nicht so wichtig nehmen solle.

Aber zurück zu Properzia de Rossi. Sie soll Schülerin des Bologneser Kupferstechers Marcantonio Raimondi gewesen sein. Wo sie aber die Bildhauerei gelernt hat, das ist nicht überliefert. Tatsächlich hat der große Vasari ihr in der ersten Ausgabe seiner ‚Vite‘ ein eigenes Kapitel gewidmet. Sie war tatsächlich die einzige Frau, die er so würdigte, obwohl er meinte, dass Bildhauerei eine Aufgabe für die kräftigeren Männer sei.

Die Arbeit, nach der ich gesucht habe,  ist ‚Josef und die Frau des Potiphar. Die Künstlerin hat das Relief um 1526 geschaffen – d.h. sie war da etwa 36 Jahre alt. Das Relief war für die Westfassade von San Petronio gedacht.

Die Geschichte wird im ‚Alten Testament‘ erzählt. Josef ist als Sklave nach Ägypten gekommen, er arbeitet im Haus des Potiphar. Die Frau des Hauses verliebt sich in ihn, sie will ihn verführen, er flieht, sie entreißt ihm den Mantel und gibt dann gegenüber ihrem Mann an, dass Josef sie verführen wollte.

Properzia de Rossi hat das Geschehen sehr dramatisch dargestellt. Josef eilt nach links, er will offensichtlich einfach nur weglaufen. Die schon leicht entkleidete Frau greift kräftig zu, sie bleibt dabei aber auf dem Bett sitzen. Damit wird schon auf den Fortgang der Geschichte hingedeutet – sie will ja schließlich Josef beschuldigen, dass er sie vergewaltigen wolle.

Sehr positiv überrascht war ich, dass ich insgesamt 36 Mails bekommen habe – mein Hinweis, doch ruhig Wikipedia zu nutzen, hat offensichtlich dazu beigetragen, die Lösung zu finden.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 12 – und das ist Heidi Wiese. Bitte mailen Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen die Zeichnung zuschicken kann

Auflösung Kunsträtsel 28

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

… schon wieder ist ein Monat vergangen, und der von vielen (auch von mir) ersehnte Frühling ist damit wieder ein kleines Stück näher gekommen.

Offensichtlich war der Künstler, den ich beim letzten Mal gesucht habe, doch viel bekannter als ich gedacht hatte. Dieses Mal habe ich eine ganze Reihe von richtigen Antworten erhalten. Es war und ist Antonello da Messina, wie der Name, unter dem er bekannt ist, schon zeigt, ist er in Messina geboren. Viele Jahre seines Lebens hat er allerdings in Venedig verbracht, und man kann sagen, dass er die venezianische Malerei sehr beeinflusst hat.

Das Bild, das ich gesucht habe, ist die ‚Verkündigung an Maria‘. Es gibt zwei Fassungen dieses Motivs – ich habe die gesucht, die in der Galerie in Palermo hängt.

Es ist in der Tat eine der bemerkenswertesten Verkündigungsdarstellungen überhaupt. Meines Wissens ist es die einzige, auf der nur Maria zu sehen ist. (Wenn Sie noch eine andere kennen, teilen Sie mir das bitte mit)

Ich hatte ja die Frage gestellt, was ihr Blick bedeuten kann. Und da habe ich viele sehr differenzierte Antworten erhalten.

Bei Wikipedia steht, dass Maria auf den Erzengel Gabriel schaut, der links von uns Betrachtern zu denken sei. Das scheint mir nun nicht zuzutreffen. Wie mir viele geschrieben haben, und wie auch ich es empfinde, schaut sie aber mehr in sich hinein. Eine Teilnehmerin meint dazu noch, dass sie vielleicht etwas sieht, was nur sie, aber kein anderer sehen kann.

Und dann haben mich zwei Rätselfreunde wieder einmal auf Michael Baxandell und sein Buch: ‚Die Wirklichkeit der Bilder‘ (sehr empfehlenswert!) gebracht. Baxandell schreibt, dass es im Italien des 15. Jahrhunderts klare Vorstellungen für Verkündigungsdarstellungen gegeben habe. Damals wurde unterschieden zwischen fünf verschiedenen Phasen der Verkündigung. Das beginnt mit 1. Aufregung, dann kommt  2. Überlegung, dann 3. Nachfragen 4. Unterwerfung und schließlich 5. Verdienst. Welcher dieser fünf Punkte ist hier dargestellt? Eckard Lieb meinte, es seien hier vielleicht alle fünf Phasen wiedergegeben – und dabei sei vor allem der letzte Punkt die ‚Meritatio‘ also das ‚Verdienst‘ gemeint. Dagegen schrieb Jürgen Erdelkamp, es sei die ‚Interrogatio‘, also das Nachfragen – Maria habe schließlich die Hand erhoben, als ob sie fragen wolle.

Wie auch immer – bilden Sie sich selbst ein Urteil.

In jedem Fall wird dieses Bild sein Geheimnis wohl für immer behalten – und sicher ist das sowieso das wunderbare an großen Kunstwerken, dass sie nicht auf einfache Botschaften reduziert werden können.

Dieses Mal habe ich 51 richtige Antworten erhalten….gewonnen hat die Nummer 25, und das ist Bara Lehmann-Schulz. Liebe Bara, bitte mail mir deine Postadresse, damit ich dir die Zeichnung zuschicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 27

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

Der Monat ist um, und das neue Rätsel um einen italienischen Künstler und eines seiner bedeutendsten Werke ist fällig. Aber erst einmal geht’s wieder um die Auflösung des letzten. Das war nun in der Tat nicht so schwierig – Donatello (um 1386 – 1466), nach dem gesucht wurde, war sicher einer der bedeutendsten Künstler, die es überhaupt je gegeben hat.

Mit seinem Bronzedavid (ursprünglich für Lorenzo di Medici geschaffen, heute im Bargello) schuf er die erste Aktstatue und mit dem Gattamelata in Padua das erste lebensgroße Reiterstandbild nach der Antike. Er ist ein Künstler, der am Beginn der Neuzeit – also am Beginn des ‚modernen Menschen‘ – steht und so unsere Vorstellung von dem, was uns ausmacht wesentlich mit beeinflusst hat.

Gesucht habe ich aber nicht nach einer Vollplastik, sondern nach einem Relief. Und auch in diesem Bereich hat der Künstler großartiges geleistet. Das ‚Rilievo Schiacciato‘ (etwa: Gequetschtes Relief) geht in der Tat auf ihn zurück, und das gesuchte Relief zeigt das exemplarisch. Wie man schon an der Abbildung sehen kann, ist es an sich ganz flach, dennoch scheint es sehr tief zu sein.

Es handelt sich um das ‚Gastmahl des Herodes‘, es befindet sich im Baptisterium in Siena. Einige Rätselrater haben geschrieben, dass es sich im Victoria und Albert Museum in London befände – ich habe das gelten lassen.

Ich kann eine Abbildung hier ja nur relativ klein einfügen, es lohnt sich in jedem Fall sich das Relief bei Wikipedia größer anzuschauen.

Im Vordergrund überreicht ein junger Mann (ist es der Henker?) Herodes den Kopf des Johannes. Der Legende nach soll Salome, die Tochter von Herodias, der Frau von Herodes, nach einer Art Striptease den Kopf von Johannes gefordert haben. Bis auf die Frau hinter dem Tisch (vielleicht Salome oder Herodias?) die auf den Kopf weist, sind die anderen Menschen in diesem ersten Raum deutlich entsetzt.

In der zweiten Ebene geht nach rechts ein Mann mit einem Musikinstrument, dahinter (vielleicht) Johannes und ein anderer Mann. Großartig finde ich, wie bei diesem der Kopf im verlorenen Profil wiedergegeben ist.

Erstaunlicherweise ist in der dritten Ebene der abgeschlagene Kopf noch einmal zu sehen. Dort wird er den zwei Frauen – vermutlich Herodias und Salome gezeigt.

Donatello zeigt also nicht den Tanz der Salome. Bei seiner Darstellung ist das schon gewesen – es wird vorausgesetzt, dass die Betrachter die Geschichte kennen. Sei’s wie es wolle, es handelt sich in jedem Fall um ein ganz erstaunliches Kunstwerk.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 27 und das war Bernd Enders….lieber Bernd, schick mir doch bitte deine Postadresse, dann sende ich dir die Zeichnung zu.

Auflösung Kunsträtsel 26

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

… auch zum letzten Rätsel habe ich wieder einige sehr nette Mails erhalten – ganz  herzlichen Dank dafür. Aber das Rätsel war wohl doch etwas schwieriger – der Künstler Paolo Veronese (an sich Paolo Cagliari)  (1528 – 1588) ist tatsächlich in Verona geboren, und daher erhielt er den Namen ‚Veronese‘, unter dem er heute in der Kunstgeschichte bekannt ist.

Wie man an seinen Lebensdaten gut sehen kann, gehört er deutlich in die späte Hochrenaissance – an sich spricht man bei Künstlern dieser Zeit schon von ‚Manierismus‘, aber stilistisch gehört er doch eher noch zur Hochrenaissance.

Die meisten Bilder, die er gemalt hat, sehen prachtvoll aus – im Unterschied etwa zum zehn Jahre älteren Tintoretto, der auch einfache Leute gemalt hat (erinnern Sie sich an Rätsel 21? Da wurde seine ‚Verkündigung‘ gesucht) schwelgt Veronese in prachtvollen Farben, und zumindest die wichtigen Personen auf seinen Bildern sind elegant gekleidet und sehen sehr schön aus. Man kann sich gut vorstellen, dass die Eliten die Bilder dieses Malers gern gekauft haben.

Das dieses Mal gesuchte Bild war für das Refektorium der Dominikaner in Venedig bestimmt. Und natürlich sollte es – das Refektorium ist schließlich der Speisesaal der Mönche – an sich das ‚letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern‘ darstellen.

Schaut man sich das Bild – es ist mehr als 13 Meter breit – an, dann kann man schon verstehen, dass die Stadtoberen von Venedig damit Schwierigkeiten hatten. Vor allem ‚Narren, Betrunkene, Deutsche, Zwerge und ähnliche Scheußlichkeiten‘ habe er gemalt. Das passe nicht zum heiligen Abendmahl. Und so änderte Veronese den Titel, jetzt ist es das ‚Gastmahl im Hause des Levi‘. Nachdem Napoleon viele Klöster aufgelöst hatte, kam es in die ‚Accademia‘ in Venedig, wo man es heute bewundern kann.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 14 – und das ist Ralf von Aschwege – herzlichen Glückwunsch. Bitte schicke Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen das Aquarell zuschicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 25

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

… zum letzten Rätsel habe ich einige sehr nette Mails erhalten – ganz  herzlichen Dank dafür. Es scheint dies Mal leichter gewesen zu sein als bei dem Rätsel davor. Aber ich denke, diese Rätsel sollten ja mit dazu beitragen, dass auch etwas unbekanntere Künstler – wie es etwa bei Duccio gewesen ist – vorgestellt werden.

Also – der Künstler, der beim letzten Mal gesucht wurde, hieß mit vollem Namen Tommaso di ser Giovanni di Mone di Andreuccio… allgemein ist er heute unter dem Namen ‚Masaccio‘ bekannt. Die Endung seines Namens ‚accio‘ deutet darauf hin, dass er groß und vermutlich grob oder einfach auch ein schwieriger Zeitgenosse war. Um ihn nicht mit einem kleineren Kollegen, der auch Tommaso hieß, zu verwechseln, wurde dieser dann ‚Masolino genannt.

Masaccio ist 1401 geboren und schon 1428 gestorben. Die Todesursache ist nicht bekannt. Obwohl er so jung gestorben ist, gilt er zusammen mit Ghiberti, Brunelleschi und Donatello als einer der ganz großen Erneuerer der Kunst.

Das Fresko, nach dem gesucht wurde, ist die ‚Trinità‘ – oder ‚Dreifaltigkeit‘ in der Kirche Santa Maria Novella in Florenz.

Im Rätsel hatte ich ja schon darauf hingewiesen, dass die perspektivische Konstruktion dieses Freskos als ganz besonders herausgestellt wird. Es gibt die Vermutung, dass Brunelleschi ihm dabei geholfen haben soll. Die Kassetten im Gewölbe verjüngen sich wirklich überzeugend nach hinten – und das ist in der damaligen Zeit etwas ganz neues gewesen.

Aber für die ‚Wiedergeburt‘ der Antike ist natürlich auch der klassische Rahmen, in dem das Geschehen spielt, wichtig. Rechts und links sieht man kannelierte Pilaster, die einen Architrav zu tragen scheinen. Nach innen folgen dann Säulen, die für das Gewölbe zuständig sind. Damit verweist Masaccio auf die klassische Architektur der Römer. Erstmals hat es so etwas an den römischen Theatern – etwa am Kolosseum in Rom gegeben.   Das christliche Motiv der Trinità wird von Masaccio auf diese Weise mit der Antike verbunden. Damit verweist er auf das, wofür die ‚Renaissance‘ – italienisch: die ‚Rinascita‘ – also die Wiedergeburt der Antike steht.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 25…. und das ist Birgit ben Rabah. Liebe Frau ben Rabah, bitte mailen Sie mir Ihre Adresse, dann schicke ich Ihnen das Bild zu.

Auflösung Kunsträtsel 24

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

… beim letzten Rätsel hatte ich nach einem Maler, nach einer Stadt und dann noch nach einer Schlacht gefragt. Das war sicher nicht leicht – dabei hatte ich mir gedacht, dass die Stadt relativ einfach zu raten war – es handelte sich um Siena – und das ist in der Tat für mich eine der schönsten italienischen Städte. Ich dachte, dass die Rivalität zwischen Florenz und Siena (die bis heute besteht) ausreicht, um die Stadt herauszukriegen.

Ja, und dann war das die ‚Schlacht bei Montaperti‘, nach der ich gefragt hatte – da mussten und konnten die meisten dann bei Wikipedia nachschauen, aber das ist ja völlig in Ordnung. Die Schlacht war am 4. September 1260 – sie hat also in der Tat vor mehr als 760 Jahren stattgefunden. Die Florentiner und ihre Verbündeten hatten schon vor einer der Stadttoren gestanden und drohten die Stadt einzunehmen. Daraufhin stellte die Stadt sich unter den Schutz der Jungfrau Maria.

Auf der linken Seite ist die ‚Madonna con gli occhi grossi‘ – (also die Madonna mit den großen Augen) abgebildet. Vor dieses Altarbild hatte man die Stadtschlüssel gelegt und die Stadt somit unter die Herrschaft der Madonna gestellt. Und die Senesen gewannen tatsächlich! Dieser Sieg wird in der Tat noch heute begangen. ‚Jedes Jahr am 4. September erinnert das Comitato Monteaperti Passato e Presente mit einem Fackelzug an Montaperti. Dabei zieht man von der Stadt zum Schlachtfeld, auf dem sich eine Pyramide befindet, die an die Schlacht erinnern soll.[11] In der Woche davor findet eine Feier statt, die Festa Monteaperti Passato e Presente.

Das ist in der Tat doch für uns heute ausgesprochen ungewöhnlich – ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas hier bei uns in Deutschland möglich wäre.

Der Sieg der Senesen führte nun dazu, dass ein neuer Marienaltar in Auftrag gegeben wurde. Der Künstler war vermutlich ein Dietisalvi di Speme, 1267 wurde der Altar im Dom aufgestellt. Dieses Madonnenbild, die ‚Madonna del Voto‘ wurde verehrt, weil es ja anlässlich des Gelübdes entstanden war.

Im Laufe der Zeit erschien aber auch dieser Altar den Herrschern nicht prächtig genug. Und darum wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts beim damals bedeutendsten Künstler der Stadt Duccio di Buoninsegna in Auftrag gegeben.

Es ist in der Tat ein ausgesprochen prächtiger Altar – er war ursprünglich 5 Meter breit und 4,70 Meter hoch. Vorder- und Rückseite sind vollständig bemalt

Als er 1308 beendet war, wurde er im Triumphzug von der Werkstatt des Künstlers zum Dom getragen.

Bitte schauen Sie sich das alles einmal bei Wikipedia an – es lohnt sich. Und beim nächsten Besuch in Siena – unbedingt ins Dommuseum gehen und den Altar dort anschauen. Hier ist noch einmal ein Blick auf die Vorderansicht.

Wie man an der Haltung von Maria sehen kann, hat sich der Künstler aus Rücksicht auf die ältere Madonna an ihr orientiert. Die anderen Figuren – besonders die Szenen in der Predella sind wesentlich ‚moderner‘ gemalt. Duccio ist seltsamerweise nicht so bekannt wie Giotto, der derselben Generation angehört. Aber es lohnt sich, diesen Künstler genauer zu betrachten.

Dieses Mal habe ich insgesamt 30 richtige Lösungen erhalten. Gewonnen hat Suse Windorf aus Oldenburg. Bitte schicken Sie mir doch noch einmal Ihre Postadresse, damit ich die Zeichnung versenden kann.

Und damit sind wir nun wieder bei der neuen Aufgabe.

Auflösung Kunsträtsel 23

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

… der Künstler, den ich bei letzten Mal gesucht habe, ist heute wohl doch nicht mehr so bekannt, wie ich angenommen hatte. Jedenfalls hatte ich doch mit mehr richtigen Lösungen gerechnet. Der Gesuchte war Giorgio di Castelfranco – bekannt unter dem Namen ‚Giorgione‘ (1477 – 1510). Die Endung ‚one‘ bei seinem Namen deutet darauf hin, dass er vermutlich ein großer Mann gewesen sein muss. Und wie man an den Daten sieht – er ist wirklich nicht alt geworden. Dennoch hat er in seiner relativ kurzen Lebenszeit herausragende Arbeiten geschaffen.

Als er nach Venedig kam, trat er zunächst in die Werkstatt von Giovanni Bellini ein– dort war zur selben Zeit der junge Tizian. Beide arbeiteten offensichtlich gut zusammen und so kam es dazu, dass sie gemeinsam den Auftrag für Fresken an der ‚Fondaco dei Tedeschi‘, also am Handelssitz der Deutschen erhielten. Wegen der problematischen Witterung sind diese Fresken allerdings bis auf wenige Fragmente heute zerstört – wer Reste davon sehen will, kann sie in der ‚Ca d’Oro‘ besichtigen.

Gesucht habe ich das Bild, das in der Kunstgeschichte in der Tat immer wieder unterschiedlich interpretiert wurde und wird. Es handelt sich um ‚Das Gewitter‘ – italienisch: ‚La Tempesta‘. In meiner Ausgabenstellung hatte ich um eigene Deutungsversuche gebeten.

Die Deutung, die bei Wikipedia erwähnt wird – dass es sich dabei um den Gründungsmythos der Familie Carrara aus Padua handeln soll, wurde mehrfach erwähnt.

Schön finde ich aber auch, dass es die vier Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft – sein sollen, die hier gemeint seien.

Dann hat Herr Lieb aus Hildesheim einen ganz anderen Ansatz mit hineingebracht. Er schrieb u.a.

Plausibel ist Rapps (1998) Deutung. Paris verlässt Oinone. Padua = Troja im Hintergrund. Sieh den sehr schönen Aufsatz von Matthias Steinhart (2015: https://www.zobodat.at/pdf/Sitz-Ber-Akad-Muenchen-phil-hist-Kl_2015_0001-0088.pdf), der Giorgione im ideellen Wettstreit mit Apelles sieht. Ovids Heroides (V. Brief) waren um 1500 sehr beliebt und wurden auch weitergedichtet (Antwortbriefe der Männer).

Plinius Berichte über Apelles waren bekannt. Apelles war natürlich auch bekannt (siehe Albertis Aufforderung, der z. B. Botticelli mit der Verleumdung des Apelles so genial nachgekommen ist. Steinhart gibt auch Tizians Version von dem Bild seines Freundes Giorgione wieder. Hübsche Parallele.

Ein Freund hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass das Bild in dem Roman ‚Die Rote‘ von Alfred Andersch eine wichtige Rolle spielt. So hat Fabio, eine der Hauptfiguren des Romans in seinem Zimmer eine Reproduktion des Gemäldes hängen.

Wie man schon an diesen Aussagen sehen kann, wurde und wird das Bild ganz unterschiedlich gesehen und interpretiert. Wer nächstes Mal wieder einmal in Venedig ist, sollte unbedingt in die Accademia gehen und sich das Original anschauen – es lohnt sich!

Gewonnen hat dieses Mal Klaus Kölpin – bitte schicken Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen die Zeichnung zuschicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 22

Das Rätsel, das es zu lösen galt, war das Kreuzworträtsel. Das war offensichtlich doch ziemlich schwierig, es tut mir leid, wenn ich da im Überschwang zu viel wollte… mea culpa … ich habe daher  auch nicht sehr viele Lösungen zugeschickt bekommen. Also… das wird nicht wieder vorkommen.

Nun hier ist die Lösung.

Waagerecht:

5 Michelangelo (Engel Michael) 13 PA (pro anno) 14 Guano (Exkremente von Vögeln) 15 FORLI (Stadt in der wegen der ausgezeichneten Küche berühmten Emilia Romagna) 16 DA /da Pino) 17 SERI (an sich serio) 18 IE (id est) 19 FRESCO 21 CA (an sich ‚casa‘ – so etwa in Venedig) 22 SODOMA 26 ic 27 AERE 29 CT 30 BERE 31 EVA 32 EGLI (umgangssprachlich ‚lui‘) 35 SCALA (an sich ‚Treppe‘ in Mailand die Oper) 36 CALABRIA 38 ICONA 41 LEA 42 ROMA 43 ROCCA 44 GROSSO 46 TE (mit Akzent ist es der ‚Tee‘ ohne Personalpronomen) 47 TAC 48 NN 49 USI 51 SR 8strada regionale) 52 NO 53 GITANA 54 ST 55 EA ( e altri… und andere) 56 EOT 57 TINTORETTO (noch einmal der Malere, der im Juni gesucht wurde) 61 AVANGUARDIA 63 SI

Senkrecht

1 SCURO 2 RENI 3 RAFFAELLO 4 ALICE 5 MASACCIO 6 IGE (‘italienische Umsatzsteuer’) 7 HAI (ital. ‘du hast’) 8 LO 9 NO 10 GRECA 11 ELSA 12 ODOR 20 RIVA 22 STACCATO 23 DEA 24 ORCAGNA 25 MEA 28 EI 30 BLOCCATA 32 ERRORE 33 GIOTTO 34 LAMENTO 37 BASSA 39 NANNINI (Gianna … aus einer Konditorenfamilie stammend) 40 FRUST 45 SIERRA 47 TIRA (‘Tira mi su’ – ‘zieh mich hinauf’) 50 STOA 58 ED 59TIC 61 VA

Das gesuchte Lösungswort ergab sich, wenn man die Buchstaben in den gelben Feldern sinnvoll zusammenfügte. Es war LEONARDO, der gesucht wurde.

Und die piazza bei San Domenico hat Elisabeth Böckers gewonnen.  Bitte setzten Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen die Zeichnung schicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 21

Liebe Kunst-, Rätsel- und Italienfreundinnen und –freunde…

Es wurde der große venezianische Maler Jacopo Tintoretto (1518 – 1594) gesucht. Sein Vater war ‚Färber‘ – also  ‚tintore‘ – und danach wurde er genannt. Als junger Mann hat er zunächst bei Tizian in der Werkstatt gearbeitet, und es gibt tatsächlich die Geschichte, dass dieser ihn rausgeschmissen haben soll, weil er einfach zu gut war. Ob das so stimmt, ist nicht gewiss, aber immerhin erzählt das etwas darüber, wie umkämpft auch damals die attraktiven Aufträge waren.

Die Geschichte, wie er sich bei der ‚Scuola di San Rocco‘ die lukrativen Aufträge sicherte, stimmt tatsächlich. (Die ‚scuole‘ waren in Venedig keine Schulen sondern so etwas wie Nachbarschaftsorganisationen, die sich unter anderem um Krankenpflege kümmerten)

Das gesuchte Bild – es handelt sich um eine ‚Verkündigungsscene‘ befindet sich auch in dieser ‚scuola‘.  Wer die ‚scuola‘ einmal besuchen will (sie befindet sich ganz in der Nähe der ‚Frari Kirche) sollte sich diese Verkündigung unbedingt anschauen und sie mit der von Tizian, die sich im selben Raum befindet, vergleichen.  Man kann dabei wunderbar sehen, wie unterschiedlich diese beiden Künstler das Thema behandelt haben. Bei Tizian sieht man eine schöne, elegant gekleidete junge Frau,  die vor einem Pult kniet und liest, der Engel kommt ruhig angeflogen

Tintoretto lässt dagegen Maria fast in Panik erschrecken. Sie ist eine einfache Frau aus dem Volk, die die Botschaft erhält, dass sie ein Kind gebären wird. Der Engel stürmt geradezu auf sie los. Die Umgebung, in der sie sich befindet, sieht  ausgesprochen wüst aus. Auf der linken Seite kann man noch Josef als Zimmermann sehen, wie er in dem ganzen Durcheinander etwas sägt.

Gewonnen hat bei diesem ersten Rätsel Andrea Boesken aus Kassel

Kunsträtsel 20

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, hat sehr viel früher als Marini gelebt. Aber immerhin war er unter anderem auch Bildhauer, wenngleich er heute auch wesentlich bekannter durch seine andere Arbeiten ist.

Er war der Sohn eines angesehenen Notars und erhielt so eine umfassende vorakademische Ausbildung. Erst als Einundzwanzigjähriger beantragte er bei der Seidenmacherzunft seine Aufnahme als Goldschmied, er beendete seine Lehrzeit dann auch als ordentlicher Meister. Zunächst arbeitete er  als Bildhauer – ein großes Kruzifix ist heute noch in einer Kirche seiner Heimatstadt zu sehen. Dann aber scheint er seine eigentliche Berufung als Architekt gefunden zu haben. Vermutlich war er auch  längere Zeit in Rom, um dort die antiken Bauwerke zu studieren, aber auch in seiner Heimatstadt schaute er sich Bauwerke an, die im Bewusstsein seiner Zeitgenossen schon einer viel früheren Zeit zugehörig zu sein schienen.

Dann erhielt er in der Tat den Auftrag für Gebäude, bei denen er seine völlig  neuen Ideen verwirklichen konnte. Auch heute noch werden diese Bauwerke für die damals revolutionäre Architektur bewundert. Als erster Baumeister seiner Zeit legte er großen Wert darauf, dass alle Bauteile in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen sollten. Das wurde sicher von seinen Zeitgenossen anerkannt, dennoch wurden offensichtlich seine technischen Leistungen als Festungsbaumeister und Erfinder von Maschinen noch mehr gewürdigt.

Dann erhielt er noch einen Auftrag für ein Projekt, für das er bis heute gerühmt wird. Die Stadt hatte schon Jahrzehnte vorher ein Gebäude geplant und schon weitgehend gebaut, bei dem das wichtigste Element zwar vorgesehen war – bei dem aber nicht klar war, ob es je verwirklicht werden konnte. Der Meister fand eine geniale Lösung, die später auch bei anderen Bauwerken angewandt wurde.

Nebenbei konnte er dann noch in einem ganz anderen Feld brillieren – er erfand ein Gerät, mit dem man etwas so darstellen konnte, dass ein Betrachter von einem ganz bestimmten Gesichtspunkt aus nicht zwischen Abbildung und Wirklichkeit unterscheiden konnte.

Trotz dieser Großtaten hat er aber einmal bei einem Wettbewerb verloren. Das Portal eines großen, sehr repräsentativen  Gebäudes sollte mit figürlichen Darstellungen verziert werden. Dafür schrieb man einen Wettbewerb aus, zu dem die damals bedeutendsten Bildhauer der Stadt eingeladen waren. Eine  vorgegebene, annähernd quadratische Platte sollte mit einem Relief gestaltet werden.  Die Künstler hatten dafür ein Jahr Zeit, nach einer ersten Durchsicht blieben zwei Reliefs übrig, eines davon ist von unserem Meister – die Juroren entschieden sich für die Arbeit, die nicht vom dieses Mal Gesuchten gefertigt war. Vielleicht war dieser ‚Misserfolg‘ aber gerade gut, denn so konnte er sich anders verwirklichen. Beide ‚Konkurrenzreliefs‘ kann man heute noch nebeneinander hängend bewundern.

Wer war das Universalgenie, welches Thema war für die Reliefs gestellt worden, und in welchem Museum kann man sie heute sehen?  Und – welches der beiden Reliefs hätten Sie gewählt? Und warum?

Als Preis gibt’s dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor einigen Jahren in der Accademia in Florenz gemacht habe…. Vorn links ist einer der ‚Sklaven‘ , darunter eine Sammlung von Köpfen, im Hintergrund der berühmte David….und dazwischen viele Betrachter …

Kunsträtsel 19

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Kunsträtsel 19

Nachdem in den letzten Rätseln immer nach Künstlerinnen und Künstlern aus vergangenen Jahrhunderten gefragt wurde, ist dieses Mal wieder ein Künstler an der Reihe, der der sogenannten ‚Klassischen Moderne‘ angehört. Zu ihnen werden alle gezählt,  die im späten neunzehnten und  frühen zwanzigstem Jahrhundert geboren sind. Mir erscheint es immer als etwas seltsam, dass das, was im allgemeinen unter ‚moderner Kunst‘ verstanden wird, mittlerweile doch schon ziemlich ‚alt‘ ist.

Nun, der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, gehört eindeutig mit dazu. Er gilt als der bedeutendste italienische Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts. Neben den teilweise sehr großen Plastiken – ich kenne von ihm nur Bronzearbeiten und keine Skulpturen aus Stein – hat er auch – wie es bei Wikipedia steht – viele starkfarbige Lithographien geschaffen, die sich sicher gut verkaufen ließen.

Nach einem Studium in Malerei und Bildhauerei in seinem Heimatland ging er dorthin, wo damals die wichtigsten Künstler arbeiteten – nach Frankreich. Und natürlich lernte er dort alle bedeutenden Künstlerkollegen kennen. Überhaupt kann man sagen, dass er im Laufe seines Lebens international sehr vernetzt war. Und so hat er auch eine große Reihe an bedeutenden Auszeichnungen erhalten, um nur ein Detail herauszuheben – er hat insgesamt drei Mal an der Documenta teilgenommen. Er war also sicher ein sehr erfolgreicher Künstler, der gut von seiner Arbeit leben konnte.

Sein wichtigstes Thema war die Verbindung von Pferd und Mensch. Wohl kein Künstler hat dieses Thema so intensiv bearbeitet. Dabei orientierte er sich unter anderem an archaischer Bildsprache, die er in eine zeitgenössische Form überführte.  Auch die Mythen etwa über Zentauren spielen in seinen Bilderfindungen sicher eine große Rolle. Aber natürlich war er vor allem ein Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts, seine Bildsprache ist durchaus mit der anderer Zeitgenossen zu vergleichen.

Die Bronzeplastik, die dieses Mal gesucht wird, zeigt auch einen Mann auf einem Pferd. Beide Figuren, sowohl der Mann als auch das Pferd  sind sehr stark stilisiert wiedergegeben. Das Pferd hat senkrecht stehende Beine, der Körper ist gedrungen und der Kopf ragt als Fortsetzung des Halses fast pfeilgerade nach vorn. Der Mann sitzt mit gespreizten Beinen kerzengerade auf dem Pferd, er hat den Kopf leicht nach oben gebogen, seine Arme ragen links und rechts vom Körper ab. Das, was vermutlich den meisten sofort auffällt und was zum Zeitpunkt der Aufstellung vor einer Galerie – das war vermutlich Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts – den größten Skandal hervorgerufen hat, ist der erigierte Penis des Mannes. Es gibt die Geschichte, dass er jeweils abgeschraubt wurde, wenn hohe Persönlichkeiten oder eine Prozession vorbeziehen sollten.

Wer ist die Künstler, welchen Titel hat die Plastik und wo kann man sie bewundern?

Und da es dieses Mal um einen Bildhauer und eine Plastik bzw. Skulptur aus der klassischen Moderne geht, gibt es dieses Mal eine Zeichnung zu gewinnen, die ich vor einigen Jahren nach einer Arbeit von Georg Kolbe gemacht habe. Kolbe ist zwar mehr als dreißig Jahre vor dem gesuchten Künstler geboren und stilistisch hat er anders gearbeitet, dennoch gibt es Ähnlichkeiten  – etwa darin, dass beide im weitesten Sinne gegenständlich gearbeitet haben.

Wie sehr häufig bei bildhauerischen Arbeiten habe ich auch hierbei verschiedene Ansichten ausgesucht und gezeichnet.

Viel Spaß beim Rätseln!

Kunsträtsel 18

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Auch dieses Mal ist es wieder eine Künstlerin, die geraten werden soll. Sie ist etwa achtzig Jahre später geboren als Artemisia Gentileschi und gehört somit einer anderen Epoche der Kunstgeschichte an. Das Talent der jungen Frau wurde schon früh entdeckt, sie studierte an der Accademia di Sant Luca in Rom und danach bei einem Maler in ihrer Heimatstadt.

Allein die Tatsache, dass sie an der Accademia di San Luca studieren durfte, zeigt schon, über was für ein großes Talent sie verfügte. Nachdem sie eine Zeit lang in Öl gemalt hatte, riet ihr ein befreundeter Künstler eine ganz neue Technik auszuprobieren. Sie tat das und hatte schon nach kurzer Zeit großen Erfolg. Sie malte hauptsächlich Halbfiguren, Christusköpfe, Marien sowie mythologische und allegorische Gestalten. Gefeiert und bewundert bereiste sie Europa und war ein gern gesehener Gast an vielen Höfen. Sie war also eine ausgesprochen erfolgreiche Künstlerin.

Im Alter ging sie  in ihre Heimatstadt zurück, sie musste sich mehreren schmerzhaften Augenoperationen unterziehen, die letztlich fehlschlugen, sodass sie vollständig erblindet und in ‚dunkelster schwärzester Nacht‘ starb.

Das Bild, das ich dieses Mal suche, zeigt eine junge Frau vom Kopf bis etwa zur Taille. Sie posiert vor einem auf der linken Seite dunkelbraunen Hintergrund, nach der rechten Seite hin wird er heller.

Das Gesicht ist im Halbprofil wiedergegeben. Sie schaut leicht von oben auf den Betrachter. Sie hat sehr lange gelockte braune Haare. In die Haare sind kunstvoll Perlen und Blätter eingearbeitet. Die junge Frau trägt ein kostbar aussehendes, sehr tief ausgeschnittenes hellblaues Kleid mit kleinen rosa Einsprengseln. Unter dem Kleid befindet sich noch ein Hauch von einem durchsichtigen Stoff, der ihren Busen mehr entblößt als verhüllt. Eine lange Perlenkette – zwei Mal um den Hals geschlungen – umfängt ihre rechte Brust und endet an einem rosa Bouquet.

Sie hat ihre linke Hand graziös leicht erhoben, auf Zeige- und Mittelfinger sitzt ein ebenfalls hellblau gemalter Papagei, der mit dem Schnabel ein Stück vom Schleier wegzuziehen versucht.

Wie man schon an dieser Beschreibung erkennen kann, handelt es sich um ein ausgesprochen arrangiertes Bild – wie bei sehr vielen Bildern der Künstlerin ist es auch hier sicher eine der zahlreichen Auftragsarbeiten, bei denen der oder die Dargestellte möglichst attraktiv wiedergegeben werden sollte.

Wer ist die Künstlerin und in welcher Technik hat sie hauptsächlich gearbeitet? Und welchen Titel hat das beschriebene Bild?

Die Antworten können wie immer bis zum Ende des Monats geschickt werden – ich freue mich schon jetzt auf die Post.

Zu gewinnen gibt es dieses Mal – weil die gesuchte Künstlerin ja vor allem als Malerin bekannt geworden ist – diese ‚Feuerblumen‘, die ich vor einigen Jahren gemalt habe.

Kunsträtsel 17

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Bei diesem Rätsel gehe ich endlich auf den Vorschlag einer Rätselraterin ein und lasse nach einer italienischen Künstlerin suchen. Vermutlich wird es nicht leicht sein – aber mit Hilfe von Google oder anderen Suchmaschinen kann man sie auf jeden Fall herausfinden. (Tatsächlich nannte eine Frau mir sofort ihren Namen, als ich darüber sprach, dass es dieses Mal um eine Künstlerin gehen solle – sie sei schließlich eine alte Feministin.) Sich mit dieser Künstlerin zu beschäftigen, lohnt sich wirklich – ihre Bilder stehen denen ihrer männlichen Kollegen überhaupt nicht nach.

Die Gesuchte bekam ihre erste Ausbildung bei ihrem Vater, der auch Künstler war. Schon bald konnte sie bei ihm mitarbeiten, bei einigen Bildern ist die Fachwelt der Meinung, dass man dabei schon ihre Handschrift erkennen kann.

Mit siebzehn Jahren sollte ihr ein anderer Künstler dann Unterricht in Perspektive geben – aber dieser Mann vergewaltigte sie. Das war in der damaligen Zeit für die junge Frau auch deswegen furchtbar, weil sie dadurch ‚entehrt‘ war und ihre Jungfräulichkeit verloren hatte.  Er versprach ihr die Ehe – da er aber schon verheiratet war, ging das natürlich nicht. Daraufhin strengte der Vater einen Prozess gegen den Mann an, in dessen Verlauf die junge Frau zur Überprüfung ihrer Aussage mit Daumenschrauben gefoltert und zudem (wie Wikipedia schreibt) einer entwürdigenden gynäkologischen Untersuchung unterzogen wurde. Schließlich wurde der Mann verurteilt – er durfte aber zwischen fünf Jahren auf einer Galeere und Verbannung aus Rom wählen. Natürlich wählte er die Verbannung.

Das alles ist aus heutiger Sicht ungeheuerlich, aber damals war so etwas offensichtlich möglich. Bei einigen Bildern, die die gesuchte Künstlerin  schon als junge Frau gemalt hat, nehmen einige Kommentatoren an, dass sie dabei die fürchterliche Erfahrung mit dem Mann verarbeitet hat – aber das ist umstritten. Gewiss ist, dass sie eine hervorragende Künstlerin war, die viele Aufträge erhielt und in keiner Weise ihren männlichen Kollegen nachstand.

Das Bild, das ich dieses Mal ausgesucht habe, könnte in der Tat als eine Form der Verarbeitung des schrecklichen Erlebnisses in ihrer Jugend angesehen werden. Auf dem hochrechteckigen Bild sieht man vor einem dunklen Hintergrund zwei Frauen. Links steht eine elegant, in ein gelbes Gewand gekleidete Frau. Sie fühlt sich offenbar durch ein helles Licht geblendet –sie hält ihre linke Hand so, dass ein Teil des Gesichts abgeschirmt ist. In der rechten Hand hält sie vor ihren Körper ein Schwert, mit dem sie offensichtlich gerade einen Mann enthauptet hat. Neben dieser Frau kniet eine andere, die den abgeschlagenen Kopf in ein Tuch hüllt. Ein rotere Vorhang wölbt sich über der Szenerie. Dargestellt ist dabei ein Thema aus dem Alten Testament.

Es handelt sich um ein ausgesprochen effektvoll gemaltes Bild. Die starken Hell-Dunkelkontraste verstärken die Dramatik – die Künstlerin hat sich in ihrer Malweise ganz offensichtlich an Caravaggio orientiert.

Wer ist die Künstlerin? Welches biblische Thema hat sie auf dem Bild bearbeitet?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich im letzten Jahr in Ferrara  gemacht habe. Es handelt sich dabei um ein für mich ganz außergewöhnliches Relief aus der ersten Hälfte des  13. Jahrhundert. Wer der Künstler damals war, weiß man nicht. Es gibt nur einen Notnamen – er wird als der ‚Meister der Monatsbilder‘ genannt. Für ein Portal des Doms hat er zwölf Monatsbildern gestaltet. Hier hat er den September mit der Weinlese dargestellt.

Kunsträtsel 16

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal wird ein Künstler gesucht, der nun wirklich sehr, sehr bekannt war und ist. Obwohl er derselben Generation wie Ghirlandaio angehört, zählt er kunstgeschichtlich eindeutig zur ‚Hochrenaissance‘ Er war nicht nur ein herausragender Künstler – er war ein Multitalent, Das sah er selbst offensichtlich genauso. So schrieb er in einem Bewerbungsschreiben an einen damals bedeutenden Herrscher, dass er über vielfältige Fähigkeiten und Erfindungen in der Militärtechnik verfüge. Weiter betonte er sein Können als Bauingenieur und Architekt. Erst ganz am Schluss des Briefes wies er darauf hin, dass er auch Maler und Bildhauer sei. Er wurde auch tatsächlich von dem wichtigen Herrscher engagiert. Er sollte ein großes Reiterstandbild in Bronze für den Gründer der Herrscherfamilie schaffen.

Tatsächlich begann er auch bald mit der Arbeit,  aber da ihn andere Vorhaben mehr interessierten und dann schließlich auch noch die dafür benötigte Bronze für Kanonen benötigt wurde, wurde das Reiterstandbild nie fertig. Das war aber auch typisch für viele Arbeiten, die er begonnen hatte. Der Künstler, der ja gleichzeitig Wissenschaftler in den verschiedensten Bereichen und auch noch häufig ausführender Ingenieur war, beendete vieles einfach nicht. Er war offensichtlich so voll mit Ideen und Plänen, dass die Zeit zur Vollendung häufig fehlte.

So war es auch mit dem Bild, nach dem heute gesucht wird. Noch in seiner Heimatstadt hatte er den Auftrag für ein großes Gemälde erhalten. Auch diese Arbeite wurde nicht beendet. Heute kann man es dennoch in einer bedeutenden Galerie bewundern. Erhalten ist eine nahezu monochrome Ölzeichnung und –malerei  im Format 246,7 × 246,5 cm, mit teilweise detailliert ausgeführten, teilweise nur grob skizzierten Figuren, architektonischen Elementen und einer angedeuteten Landschaft. Im Vordergrund befindet sich in der Mitte eine junge Frau mit einem kleinen Kind auf dem Sch0ß. Das Kind streckt die linke Hand nach einem Gefäß mit einem Deckel aus, das ihm ein kniender alter Mann reicht. Mit seiner rechten Hand segnet es ihn. Links von der Frau kniet ein anderer Mann mit gesenktem Kopf, dahinter schwenkt ein anderer ein Gefäß.  Um diese zentrale Szene herum sind sehr viele Menschen – aber auch Pferde – in  den unterschiedlichsten Posen angeordnet. Der Mimik und Gestik nach zu urteilen, muss etwas ganz Besonderes geschehen sein.

Im Hintergrund sieht man auf der linken Bildseite Pfeiler und die Treppenanlage eines  riesigen Gebäudes. Auf der rechten Bildseite sind  Landschaftsfragmente zu erkennen.

Wer war das Universalgenie  und um welches Bild (es passt dieses Mal auch wieder genau in unsere Zeit) handelt es sich?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor längerer Zeit in Rom  angefertigt habe.

Diese netten Musiker habe ich am Campo dei Fiori – einem der schönsten Plätze in Rom – gezeichnet. Sie stehen unter dem Denkmal für Giordano Bruno – hier an dieser Stelle soll er verbrannt worden sein.  Ja, und dort fröhliche Musik zu machen – das hat doch schon was.

Kunsträtsel 15

Dr. Rainer Grimm, Hannover 

Der Künstler, nach dem ich dieses Mal suche, ist heute längst nicht so bekannt wie Caravaggio – dennoch war er zu seiner Zeit nicht nur in seiner Heimatstadt sehr bedeutend und berühmt. Er ist mehr als 120 Jahre vor Caravaggio geboren, gehört stilistisch also zur sogenannten Frührenaissance. Der Künstler unterhielt eine große Werkstatt, in der sogar der junge   Michelangelo das Handwerk der Freskomalerei erlernte. Seine dort erworbenen Kenntnisse konnte er dann später bei seiner Arbeit in der Sixtinischen Kapelle anwenden.

Der Maler war berühmt dafür, dass er etwa biblische Themen in die damalige Gegenwart hineinholte. So erhielt er u.a. den Auftrag, den Hauptchor einer bedeutenden Kirche zu auszumalen. Auf die eine Seite sollten Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und auf die andere Seite Szenen aus dem Leben Marias gemalt werden. Dazu porträtierte er die Mitglieder der Familie, die ihn beauftragt hatte und stellte sie gewissermaßen als Teil der Geschichte dar. Und dann gab er auch genaue Einblicke in die Wohnverhältnisse der reichen Leute damals. Betrachtet man also die Fresken heute, dann bekommt man eine Vorstellung des Lebens der Upperclass im späten 15. Jahrhundert.

Für diejenigen, die den Maler noch nicht identifiziert haben – hier eine kleine Hilfe.

Die Fresken befinden sich in der Kirche, nach der viel später der nahe bei liegende Hauptbahnhof der Stadt benannt wurde. Nun, das müsste reichen, um Stadt, Kirche und Maler bei Google zu finden. Und da der Maler ja nicht so bekannt ist, aber durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient hat, lohnt es sich, ihn aufzurufen und so ein wenig besser kennenzulernen.

Das Bild, das ich dieses Mal für das Rätsel ausgewählt habe, befindet sich allerdings in einer anderen Kirche. Passend zur Jahreszeit ist es ein Weihnachtsbild. Im Vordergrund sieht man Maria, Josef und Jesus, auf der rechten Seite befinden sich drei Hirten – der vordere deutet mit dem Zeigefinger auf das Kind und wendet sich dabei seinen Kollegen zu. Wie ich gelesen habe, vermutet man, dass es sich dabei um ein Selbstportrait unseres Künstlers handelt. Hinter einem Marmorsarkophag drängen sich ein Ochse und ein Esel. Auf der linken Bildseite sind viele, teilweise prächtig gekleidete Reisende dabei, durch ein Tor in eine Stadt zu ziehen.

Wer ist der Künstler und um welches Bild handelt es sich? Und – da muss man schon genauer hinschauen – wer könnte mit den ankommenden Reisenden auf der linken Bildseite gemeint sein?

Viel Vergnügen beim Rätselraten…. eine gute Weihnachtszeit und einen wunderbaren Neuanfang am 1. Januar.

Beim nächsten Mal gibt es dann das folgende Blatt zu gewinnen:

Dabei kann die Gewinnerin oder der Gewinner sich aussuchen, ob es schwarz –weiß bleiben oder farbig ausgestaltet werden soll.

Kunsträtsel 14

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal wird wieder nach einem Künstler gesucht, der etwa 300 Jahre vor Modigliani geboren ist. Auch er ist sehr jung gestorben. Trotz dieser kurzen Lebensspanne hat er nicht nur ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen – er war mit seiner Malerei auch so bedeutsam und für die nach ihm kommenden Künstler so wichtig, dass ein ganzer Stil durch ihn beeinflusst wurde – ja, es gab sogar eine Reihe von Künstlern, die direkt nach ihm benannt wurden.

Geboren ist er an sich in einer großen norditalienischen Stadt, da seine Eltern aber aus einer kleineren Stadt in der Nähe kamen, ist er in der Kunstgeschichte unter diesem Namen bekannt geworden. Er wird also nicht nach seinem Vor- und Nachnamen sondern nach dieser kleinen Stadt genannt.

Schon als relativ junger Mann ging er in die damals wichtigste Stadt, um dort zu arbeiten. Zunächst wohnte er im Haushalt eines der damals bedeutenden Männer. Er muss also schon als ganz junger Mann als Künstler außerordentlich begabt gewesen sein. Neben seiner Könnerschaft galt er aber schon bald als äußerst jähzornig. Wegen eines Todschlags wurde er aus der Stadt verbannt und ging auf eine kleine Insel. Aber dann musste er auch von dort wieder wegen einer tätlichen Auseinandersetzung fliehen. Als seine Verbannung endlich aufgehoben wurde, wollte er zurückkehren. Aber dann starb er mit nur 38 Jahren in einer Hafenstadt.

Das Bild, das mich mit am meisten von allen seinen Bildern begeistert, befindet sich in der Seitenkapelle einer Kirche. Man sieht auf dem Bild in einen Raum mit einem fast blinden Fenster. Auf der rechten Seite stehen zwei Männer. Der hintere zeigt mit der Hand ganz demonstrativ nach links. Dort sitzen fünf Männer an einem Tisch. Drei von ihnen sind ganz offensichtlich überrascht – einer älterer weist mit der Hand auf sich – oder nach einer anderen Lesart – auf einen anderen Mann, der auf dem Tisch liegendes Geld zählt. Er zeigt ganz offensichtlich, dass er von der Geste des stehenden Mannes überrascht ist.

Von rechts fällt ein intensives Licht auf die Szene. Dazu gehört dann natürlich, dass große Teile des Bildes sehr dunkel gehalten sind. Man spricht dabei vom ‚Chiaroscuro‘ – und unser Künstler gilt als der erste, der so gearbeitet hat. Unser Künstler war der erste, der so intensiv mit dem Licht gearbeitet hat. Schon zu seinen Lebzeiten wurde das bewundert und von anderen Kollegen übernommen.

Trotz seiner großen künstlerischen Qualitäten ist er im allgemeinen Bewusstsein heute vor allem wegen seines schwierigen Charakters bekannt und berüchtigt.

Wer war der Künstler und nach welchem Bild habe ich dieses Mal gesucht?

Für das neue Rätsel habe ich mir eine Zeichnung ausgesucht, die ich schon vor längerer Zeit gemacht habe – ich habe sie genommen, weil ich da durch unterschiedliche Schraffuren eine starke Körperhaftigkeit ausdrücken konnte. Da sieht man, dass auch ich mir vom dieses Mal gesuchten Künstler etwas abgeschaut habe.

Die Skulptur selbst ist von Henri Laurant – der Titel ist: L’adieu und steht im Sprengel Museum Hannover.

Viel Vergnügen beim Rätseln wünscht Rainer Grimm

Kunsträtsel 13

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, gehört einer viel späteren Epoche an. Er ist im späten 19. Jahrhundert geboren und recht jung gestorben. Er stammt aus einer aufgeklärten jüdischen Familie und war als Kind häufig sehr krank. Bei einer dieser Krankheiten hatte er nach Darstellung seiner Mutter einen Fiebertraum, in dem er seine künstlerische Bestimmung erkannte. Vielleicht auch deswegen erhielt er von seinen Eltern die Erlaubnis, die Schule abzubrechen und ein Kunststudium zu beginnen. Zunächst studierte er in seiner Heimatstadt, dann ging er nach Florenz, wo er an der ‚scuola libera dei nudi‘ – also der ‚freien Schule für Aktzeichnen‘ studierte. Das Aktzeichnen nahm auch später in seiner Arbeit eine sehr wichtige Rolle ein. Daneben malte er auch Landschaften und viele Portraits – aber heute ist er vor allem für seine Akte bekannt und berühmt.

Von Florenz aus ging er nach Venedig und im Anschluss daran nach Paris, das damals – es war der Beginn des 20. Jahrhunderts – die wichtigsten Künstler anzog. Neben seiner künstlerischen Ausbildung studierte er intensiv die Kunstgeschichte, und die Verbindung zwischen selbstständiger künstlerischer Arbeit und sehr guten Kenntnissen der Kunstgeschichte ermöglichte es ihm, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. So kann man sagen, dass er in keine der modernen Kunstrichtungen hineinpasst.

Einige Jahre arbeitete er auch als Bildhauer – aber so richtig berühmt wurde er doch durch seine Malerei und dabei vor allem durch seine sehr erotischen Aktdarstellungen. Dabei kam es zu einmal einem Skandal. Bei einer Ausstellung gab es vor der Galerie zu einem so großen Menschenauflauf, dass die Polizei einschritt.

Gut zwei Jahre vor seinem Tod lernte er eine erst 19 jährige Künstlerin kennen, die beiden verliebten sich ineinander und bekamen eine Tochter. Als die junge Frau erneut schwanger wurde, verlobten sie sich – aber kurz darauf starb er. Zwei Tage nach seinem Tod stürzte sich die junge Frau aus dem Fenster.

Das Bild, das ich dieses Mal suche, zeigt seine (vermutlich schwangere) Frau. Es handelt sich um ein hochrechteckiges Bild. Vor einem überwiegend braungrau modulierten Grund sieht man sie sitzen. Sie hat den Kopf, der auf einem langen und schmalen Hals ruht, zur Seite geneigt und schaut uns eigentlich direkt an. Da ihre Augen aber fast einfarbig hell wiedergegeben sind, entsteht da ein Widerspruch. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Pupille und hellgelbe Iris. Es gibt also gewissermaßen einen ‚blicklosen Blick‘.

Die junge Frau hat die Arme im Schoß liegen. Sie trägt ein überwiegend braunes Kleid mit einem runden Ausschnitt. Darüber liegt eine Art Stola. Alles an dem Bild ist lang und schmal – das beginnt schon bei dem Format, aber auch das Gesicht, die Arme, die Gestalt – alles ist extrem gelängt. Das ist etwas, was für viele Bilder des Künstlers zutrifft. Die Frau wirkt nachdenklich, nach innen gekehrt.

Wer war der Künstler und wer war seine so jung gestorbene Frau?

Als Preis gibt’s dieses Mal diese drei Ansichten einer Plastik von Georg Kolbe. Ich habe sie gewählt, weil Kolbe derselben Generation wie der gesuchte Künstler angehört.

Kunsträtsel 12

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem heute gesucht wird, gehört wieder einer vergangenen Epoche an. Er hat in einer für die italienische Kunst sehr wichtigen Zeit gelebt, und er hat mir seinen Arbeiten auch viel für den Ruhm dieses Landes beigetragen. Geboren ist er in einem kleinen Ort, aber schon mit neun Jahren kam er in eine sehr bedeutende Stadt. Dort erhielt er Unterricht bei den damals wichtigsten Malern.

Schon in jungen Jahren eröffnete er eine eigene Werkstatt und er wurde schnell berühmt, Eines meiner absoluten Lieblingsbilder malte er, da war er noch keine dreißig Jahre alt – es ist fast sieben Meter hoch und über drei Meter breit! Allein ein Bild in diesem Format zu malen, das ist schon eine große Herausforderung. Wenn man es sich anschaut, kann man sich kaum vorstellen, wie ein so junger Mann allein das Format bewältigen konnte. Er war also sicher ein Überflieger.

Im Laufe seines sehr langen Lebens hat er seine Art zu malen immer wieder stark verändert – hatte er in den ersten Jahren so gemalt, wie es damals ‚modern‘ war, so weist er mit seinen späten Werken schon auf die Kunst späterer Generationen hin.

Dazu war er auch noch sehr geschäftstüchtig. Er schloss einen Vertrag mit der Herrschaft der Stadt, die ihn zeitlebens mit einer bestimmten Summe alimentierte. Er arbeitete sowohl für weltliche als auch religiöse Herrscher und ließ sich das sehr gut bezahlen. Auch die Breite seines Oeuvres ist bemerkenswert. Er malte sowohl Porträts als auch Landschaften, mythologische und religiöse Themen. Alles in allem kann man sagen, dass er der erfolgreichste Künstler seiner Stadt gewesen ist.

Das Bild, das ich mir für dieses Rätsel ausgesucht habe, ist in einem sehr starken Querformat gemalt. Vor einem querrechteckigen Brunnen – oder einem steinernen Wassertrog – sieht man zwei Frauen, die auf der linken Bildseite trägt ein sehr elegantes weißes Kleid. Mit ihrer linken Hand stützt sie sich auf eine fast schwarze Schale. Die Frau auf der rechten Bildseite ist dagegen bis auf ein Tuch, das ihre Scham bedeckt nackt.

Sie hat ihren linken Arm leicht erhoben, in der Hand hält sie ein kleines Gefäß. Sie schaut zu der anderen Frau hin, diese aber blickt aus dem Bild heraus – und so vielleicht uns an. Hinter dem Brunnen beugt sich ein Putto über den Rand, mit seiner rechten Hand taucht er in das Wasser. Unmittelbar dahinter befindet sich ein dunkler Baum. Nach links steigt ein Berg an, auf dem sich eine Burg befindet. Auf der rechten Bildseite sieht man dagegen auf einen kleinen Teich mit einem Dorf dahinter.

Jacob Burkhardt hat dazu geschrieben: Werke wie dieses „üben jenen traumhaften Zauber aus, den man nur in Gleichnissen schildern und durch Worte vielleicht überhaupt nur entweihen könnte“ Das Bild trägt heute einen beziehungsreichen Titel – aber wie es ursprünglich hieß, für wen und aus welchem Anlass der Künstler es gemalt hat, das ist alles nicht bekannt.

Wer ist der Künstler und um welches Bild geht es hier? Vielleicht auch noch: In welcher wunderbaren Galerie kann man es heute besichtigen?

Als Gewinn gibt es dieses Mal eine Zeichnung mit zwei Ansichten einer Skulptur von René Sintenis – sie trägt den schönen Titel: ‚Daphne‘. Die Sintenis ist nun zwar eine deutsche Künstlerin, aber die ‚Daphne‘ ist ja durchaus ein Thema, das auch italienische Künstler immer wieder beschäftigt hat (in Kunsträtsel 7 wurde ja Bernini mit seiner Gruppe ‚Apoll und Daphne gesucht)

Und dann wollte ich in Anlehnung an das gesuchte Bild dieses Mal eine weibliche Figur nehmen. Hier also die Zeichnung:

Kunsträtsel 11

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, gehört der sogenannten ‚Klassischen Moderne‘ an – so wird ja gern das bezeichnet, was noch nicht Gegenwartskunst ist, aber auch nicht mehr den unterschiedlichen Richtungen des 19.  Jahrhunderts angehört.

Dieses Mal ist das Rätsel schon etwas anspruchsvoller. Wie der untenstehende Pensioroso (Grübler) deutlich zeigt, wird es sicher bei einigen etwas zu grübeln geben. Aber im Zweifelsfall kann Google ja dabei mitspielen. Und das ist durchaus auch in Ordnung. Der Sinn dieser Rätsel besteht ja gerade darin, dass man sich etwas intensiver als sonst mit einem Künstler beschäftigt. Und dieser Künstler ist es wert!

Ich habe ihn gerade auch deswegen gewählt, weil er zwar etwas im Schatten berühmterer Kollegen steht, aber aus meiner Sicht durchaus einen größeren Nachruhm verdient hat.

Er ist 1890 geboren und 1964 gestorben – gehört also genau der Generation an, die das hervorgebracht haben, was heute im Allgemeinen als moderne Kunst angesehen wird. Wie bei Wikipedia zu lesen ist, war er in seinen Anfängen besonders von Arbeiten von Cezanne angetan. Und wie dieser war für ihn die Grundlage seines Schaffens die Zeichnung.

Aber er hat sich auch für Arbeiten anderer zeitgenössischer Künstler interessiert – eine Zeitlang gehörte er sogar mit zur ‚Pittura Metafisica‘. Dennoch hat er dann ein ganz eigenes Werk geschaffen, das wirklich in der Moderne unvergleichlich ist. In seinem späteren Leben war er als Künstler sehr anerkannt, so wurden seine Arbeiten unter anderem auf vielen Biennalen in Venedig gezeigt.

Die NZZ hat in einem Bericht über eine Ausstellung seiner Arbeiten in London geschrieben:

‚Worin das anhaltende Faszinosum seiner Kunst liegt, ist schwer zu definieren, und wahrscheinlich ist es gerade das, was sie so anziehend macht. ‘ Der Künstler hat immer gegenständlich gemalt – meist Stillleben, es gibt aber auch einige wenige Landschaften – er hat das aber so reduziert gemacht, dass es von der Gegenständlichkeit bis zur Abstraktion vor allem im Spätwerk nur ein kleiner Schritt ist. Sind da auf einem Bild noch eine Vase, eine Schale und eine Flasche oder sind das nur unterschiedliche Hell- Dunkelwerte oder sorgsam gesetzte Farben? «Nichts ist surrealer und nichts abstrakter als die Wirklichkeit», soll der Künstler einmal festgestellt haben.

Er hat nie geheiratet, hat fast sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt (als kleine Hilfe noch – es ist eine große Stadt am nördlichen Rande des Apennin) und in einem kleinen Ort in der Nähe mit seinen Schwestern gelebt. Man kann die Wohnung, in der er gelebt und gearbeitet hat, heute besichtigen. Dort sind auch die Gegenstände ausgestellt, die er gemalt hat. Als ich zum ersten Mal dort war, war ich erstaunt, dass er all diese Gegenstände mit pastoser Farbe bemalt hatte – das hat er vermutlich deswegen gemacht, um die Reflexe zu vermeiden, die ja sonst bei der Wiedergabe von Glas automatisch entstehen.

Wer ist der Maler und in welcher Stadt (die übrigens auch sehr sehenswert ist) hat er gelebt?

Zu gewinnen gibt’s dieses Mal (passend zu den Arbeiten des gesuchten Künstlers – bei mir allerdings mit Reflexen) dieses Stillleben – o meglio: questa natura morta…

Wie immer kann die Gewinnerin oder der Gewinner entscheiden, ob sie oder er die Originalzeichnung schwarz-weiß (so wie hier abgebildet) oder farbig frei gestaltet haben möchte.

Den Gewinner des letzten Preisrätsels gebe ich aus Gründen  des  Datenschutzes dieses Mal hier nicht an. Bei den nächsten Rätseln möchte ich aber doch wieder den Namen der Gewinnerin oder des Gewinners nennen – damit alle sehen, dass es dabei korrekt zugeht – wenn  sie oder er das nicht vorher abgelehnt haben.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihre Post und bin sehr neugierig, wie viele richtige Zuschriften ich dieses Mal bekommen werde.

Cordiali saluti Rainer Grimm

P.S.: Übrigens das Stillleben – auf Bütten gedruckt – kann auch für  20€  gekauft werden.

Auflösung Kunsträtsel 20

Nun, dieses Mal war das Rätsel doch offensichtlich etwas schwieriger zu lösen. Jedenfalls haben dieses Mal weniger Rätselfreundinnen und –freunde mit ihre Lösung zu geschickt. Der von mir gesuchte Zeichner, Maler, Bildhauer  – und vor allem Baumeister ist Filippo Brunelleschi (1377 – 1446) Weltweit berühmt geworden ist er durch seine Architektur. Dabei gelang es ihm ein Problem zu lösen, das die Florentiner über 100 Jahre vor sich her geschoben hatten. 1296 war mit den Bauarbeiten für den größten Dom Italiens begonnen worden – aber niemand wusste, wie man die riesige Vierung mit einem Gewölbe schließen konnte.

Normalerweise wird dafür ein sogenanntes ‚Lehrgerüst‘ verwendet. Dabei wird die Form aus Holz vorgebildet. Auf dieses ‚Lehrgerüst‘  werden die Steine dann direkt gemauert. Anschließend wird das ‚Lehrgerüst‘ einfach weggenommen. Bei dem riesigen Durchmesser des Doms war es aber praktisch unmöglich so ein ‚Lehrgerüst‘, noch dazu in einer Höhe von  in 55 Meter zu bauen. Dafür gab es einfach nicht genug Holz. Brunelleschi gelang es aber ohne ein solches Gerüst die Kuppel zu schließen. Wikipedia schreibt dazu: „Von Anfang an trug die aus zwei Schalen bestehende Konstruktion sich selbst und wurde ohne Lehrgerüst errichtet. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wird sie noch heute als Höhepunkt der Renaissance gesehen.“

Allein diese Tat hat Brunelleschi einen Platz im Architektenhimmel verschafft (naja….) Aber es ist schon faszinierend, was dieser Mann alles Neues in die Welt gebracht hat. Nebenbei hat er noch an der Darstellung von Perspektive mitgearbeitet – aber darauf kann ich aus Platzmangel hier nicht näher eingehen.

Lorenzo Ghibert


Filippo Brunelleschi

Bei dem Wettbewerb, bei dem er seinem Konkurrenten Lorenzo Ghiberti unterlegen war, handelt es sich um ein Relief für eine Tür des Baptisteriums. Das Thema war die ‚Opferung Isaaks‘.

Ich hatte ja gefragt, welches der beiden Reliefs Sie gewählt hätten – und es hat sich in der Tat fast eine gleiche Anzahl für Ghiberti bzw. für Brunelleschi entschieden. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass der geringere Materialverbrauch Ghibertis dazu geführt hat, dass man ihn wählte. Beim nächsten Besuch von Florenz sollten Sie unbedingt in den Bargello gehen, wo die beiden Reliefs ausgestellt sind.

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 27  … und das ist Karin Kotucha – liebe Karin, setz dich mit mir in Verbindung, damit ich euch das Bild schicken kann – oder ihr kommt zu mir ins Atelier und sucht euch etwas aus…

Es folgen noch einige Kommentare zur letzten Aufgabe: Herzlichen Dank dafür,  das waren  auch für mich sehr interessante Hinweise… vielleicht sollten wir das so fortsetzen – und jetzt schon mal auf das dieses Mal gesuchte Bild eingehen und es ggf. mit anderen zum gleichen Thema vergleichen…

Ich hätte das Relief von Brunelleschi gewählt. Mir gefällt die Spannung zwischen Fläche (flacher Hintergrund) und den plastischen Figuren. Zwischen der Ruhe des Hintergrundes und der Lebendigkeit der Figuren. Die Aufteilung der Figuren insgesamt.

Ich wähle das Relief von Ghiberti. 1. Weil ich über Ghiberti meine Dissertation geschrieben habe 😉  und 2. weil es homogener ist, während Brunelleschi noch eher additiv gearbeitet hat.

-Mir gefällt das Relief von Brunelleschi besser, da es klarer, authentischer und dramatischer gestaltet ist.

– Mir persönlich erscheint das Relief Brunelleschis dynamischer und stimmiger in seiner Anordnung: eine „Kreisdynamik“, die durch den Faltenwurf der Gewänder und die runde Anordnung der Figuren hervorgerufen wird. Dagegen erscheint mir das Relief Ghibertis doch recht statisch – auch die Messerhaltung der beiden Abrahams unterscheidet sich sehr:

Während Ghiberti ihn quasi zustechen läßt (was im Grunde dem Opferritus widerspricht), läßt Brunelleschi ihn das Messer zum Kehlenschnitt ansetzen, dessen Ausführung durch den Engel gerade noch verhindert wird, was diesem Relief zusätzliche Dramatik verleiht. Ich persönlich hätte daher Brunelleschi den Preis zugestanden.

– Welche Tafel hätte ich gewählt? Leicht ist die Entscheidung nicht. Beide Kompositionen sind stimmig: Vier Menschen, zwei Tiere, ein Engel. Man könnte Ghiberti fragen: Sind die Menschen am Esel Vater und Sohn? Wie sollte es anders sein? Sollte sich der Sohn des Herrn mit einem der beiden Knechte auf Augenhöhe unterhalten, bevor ihm der Vater an die Gurgel geht? Kaum vorstellbar. Dann sind es Abraham und Isaak. Aber beide Männer am Esel sind bartlos, während Abraham in actu einen Vollbart trägt. Wir stellen diese gewichtige, aber unwägbare Frage zurück und stellen das Relief selbst auf eine Waage: Sieben Kilo leichter als der Konkurrenzentwurf. Hier kann doch jeder mitreden: Auf die Tür gerechnet 900 Kilogramm weniger Material. Ich würde aus materiellen Gründen Ghiberti wählen.

– Brunelleschis Variante gefällt mir vom Ausdruck her besser, auch wenn die einzelnen Elemente nicht so richtig miteinander verwoben zu sein scheinen. Wie die Hand des Vaters an die „Gurgel“ des Sohnes greift, das Messer schon am Hals angesetzt ist und in letzter Millisekunde der Engel dazwischen geht, das ist großes Kino, Respekt. Trotzdem verloren, tja, so isses manchmal.

– Angeblich soll ja das Gewicht seines Reliefs bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Rein aus ästhetischen Gründen würde ich mich aber auch für den Entwurf Ghibertis entscheiden, weil die Struktur auf mich als Betrachter ausgewogener wirkt. Der Entwurf Brunelleschis wirkt auf mich überladen; die Szenen auf der unteren Hälfte lenken vom schrecklichen Geschehen ab

– quale delle due versioni sceglierei? Quella di Lorenzo Ghiberti: è più armoniosa e drammatica…

– Ich hätte mich eher für Brunelleschis Werk entschieden, da es durch die Darstellung des direkten Eingriffs des Engels zur Verhinderung des Mordopfers sehr viel mehr Dynamik besitzt.

Auflösung Kunsträtsel 19

Das letzte Kunsträtsel haben dieses Mal doch recht viele Kunstliebhaber gelöst – die meisten, die einmal Venedig besucht haben, waren sicher auch schon einmal in der Peggy Guggenheim Collection. Und wenn sie dort waren, haben sie sicher auch den ‚Angelo della città‘ von Marino Marini gesehen. Oder sie haben ihn sogar vom Canale Grande aus gesehen – er steht direkt vor dem Palazzo Venier. Dass er so prominent dort steht, ist sicher auch der Grund dafür, dass nach der Aufstellung Ende der vierziger Jahre der Penis des Reiters bei Prozessionen o.ä. abgeschraubt wurde – so gibt es jedenfalls Peggy Guggenheim in ihrer Autobiographie: ‚Ich habe alles gelebt‘ an. Sie schreibt, dass sie eigentlich nur Arbeiten für eine Ausstellung aussuchen wollte, als sie Marini besuchte, und dann….

 „Aber dann hatte ich die einzig verfügbare Statue gekauft, ein Ross mit einem Reiter darauf, der verzückt die Arme ausbreitet. Um die Ekstase zu betonen, hatte Marini die Gestalt mit einem erigierten Penis versehen. Als er die Skulptur für mich in Bronze gießen ließ, wurde der Penis separat angefertigt, damit man ihn nach Belieben an- und abschreiben konnte. Marini stellte das Standbild in meinem Garten gegenüber der Präfektur auf und nannte es ‚Stadtengel‘. (…) Wenn an bestimmten Feiertagen Nonnen in einem Motorboot an meinem Palazzo vorbeifuhren, um sich vom Patriarchen, segnen zu lassen, schraubte ich den Penis des Reiters einfach ab und versteckte ihn in einer Schublade. Das tat ich auch, wenn ich spießige Leute erwartete.“

Mittlerweile soll er aber festgeschweißt sein – daran kann man gut sehen, wie sich die Gesellschaft in den letzten siebzig Jahren doch verändert hat.

Ein Foto des Reiters füge ich hier nicht ein – obwohl es im Internet viele zu finden gibt. Aber der Künstler ist noch keine siebzig Jahre tot, und da ist es besser, wenn Sie selbst im Internet nachschauen, oder Sie fotografieren ihn bei Ihrem nächsten Besuch in der Serenissima selbst.

Hier habe ich also vorsichtshalber eine Zeichnung mit zwei Ansichten des ‚Engels‘ eingefügt… immer in der Hoffnung, dass das keine Probleme bereitet….

Dieses Mal habe ich 61 richtige Lösungen erhalten…. Und gewonnen hat die Nummer 44 und das war Beate Nagel.

Liebe Beate die Zeichnung mit dem ‚Kolbe‘ sende ich dir in den nächsten Tagen zu.

Auflösung Kunsträtsel 18

Die Künstlerin, nach der ich beim letzten Mal gesucht habe, ist Rosalba Carriera (1675 – 1757). Sie ist in Venedig geboren, hat dort ihre erste Ausbildung gehabt, und hatte dann die Möglichkeit in Rom an der Accademia di San Luca zu studieren. San Luca – also der Apostel Lukas – gilt als der Schutzpatron der Kunstmaler. Der Legende nach soll er ein Bild von Maria gemalt haben.

Rosalba Carriera bekam tatsächlich von einem Kollegen den Tipp, statt mit Ölfarben mit Pastellkreiden zu malen oder aber auch zu zeichnen – denn die Arbeit mit Pastellkreiden liegt ja tatsächlich zwischen diesen beiden Techniken; die Farbpigmente werden direkt auf den Malgrund aufgetragen und können dort mit Hilfe eines Wischers oder auch mit den Fingern vermischt werden. Mit dieser Technik hatte die Künstlerin sehr großen Erfolg an vielen Fürstenhören in Europa; sicher auch deswegen, weil es um die Wende vom 17. Zum 18. Jahrhundert einen großen Bedarf an eleganten Portraits gab. Wie mir von Rätselfreundinnen und –freunden geschrieben wurde, hat es eine große Ausstellung mit ihren Arbeiten in Dresden gegeben – und dort sollen auch überhaupt sehr viele Arbeiten von ihr sein.

Nach dem Tod ihrer Schwester Giovanna († 1737) war Carriera so verzweifelt, dass sie nicht mehr arbeiten konnte und erst mühsam überredet werden musste, wieder Aufträge anzunehmen. Ein Augenleiden machte sich zudem immer mehr bemerkbar; das Malen wurde immer beschwerlicher. Sie musste sich dann mehrerer Augenoperationen unterziehen – trotzdem erblindete sie. Als sie 1757 starb, muss sie sehr unglücklich gewesen sein.

Das von mir gesuchte Bild ‚Mädchen mit Papagei‘, etwa um 1730 gemalt, zeigt in perfekter Manier wie die Künstlerin arbeitet. Die junge Dame zeigt sich sicherlich so, wie sie gern gesehen werden wollte. Die kostbare Kleidung, der Schmuck, der tiefe Ausschnitt und sicher nicht zuletzt der Papagei, der den Schleier über der Brust wegzuziehen versucht – das alles deutet darauf hin, dass damit für die junge Dame geworben werden sollte.

Dieses Mal haben sich etwas weniger Rätsellöserinnen und –löser beteiligt. Gewonnen hat die Nummer 28 – und das ist Klaus Washausen. Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen das Aquarell schicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 17

Die Künstlerin, nach der ich beim letzten Mal gesucht habe, ist von vielen Kunst- und Rätselfreundinnen und –freunden erraten worden. Und ich habe wieder sehr nette Bemerkungen dazu erhalten. Es war Artemisia Gentileschi (1593 – 1654) Diese Künstlerin war in der Tat außerordentlich bekannt in ihrer Zeit, und ganz offensichtlich konnte sie auch gut von ihrer Kunst leben.

Ich hatte ja geschrieben, dass sie mit 17 Jahren vergewaltigt und dass sie zur Überprüfung dieser Tat auch noch gefoltert wurde – unvorstellbar für heutige Verhältnisse. Da können wir doch froh sein, dass wir in einer Zeit leben, wo (zumindest bei uns) so etwas undenkbar wäre. Nach dieser Tat heiratete sie den Bruder des Notars, der ihr bei dem Prozess beigestanden hatte und zog mit ihm nach Florenz. Dort wurde sie schon bald in den Künstlerkreisen anerkannt. Es gibt die Theorie, dass sie einige Bilder – darunter auch das, was ich als Suchaufgabe gewählt hatte – malte, um das Trauma der Vergewaltigung zu verarbeiten. Das ist aber durchaus umstritten.

Das von mir ausgewählte Bild zeigt Judith und ihre Magd mit dem Haupt des Holofernes. Dargestellt ist eine Szene aus dem Alten Testament. Judith geht ins Feldlager des Holofernes, der das Volk Israel bedroht. Weil sie so schön ist, schläft er mit ihr, als er eingeschlafen ist, enthauptet sie ihn.

Artemisia Gentileschi ist in der Art zu malen, eindeutig von Caravaggio beeinflusst. Vor einem dunklen Hintergrund werden die beiden Figuren leuchtend wiedergegeben. Das, was mich an dem Bild fasziniert, ist der Schlagschatten im Gesicht der Judith. Und da bin ich schon geneigt, das psychologisch zu deuten. Aber das muss jede oder jeder für sich deuten.

Dieses Mal habe ich 59 richtige Lösungen erhalten. Bei einigen Gelegenheiten habe ich ja schon erzählt, wie die Gewinnerin oder der Gewinner ermittelt wird. Ich schreibe alle Namen untereinander, nummeriere sie  und bitte dann meine Frau, mir eine Zahl zwischen 1 und …. Zu nennen. Dieses Mal hat sie die 48 gewählt, und da  steht der Name: Matthias Gums aus Nienstädt.

Lieber Herr Gums, bitte schreiben Sie mir, ob Sie die Zeichnung schwarz-weiß oder farbig überarbeitet haben wollen. Ich schicke Ihnen die Arbeit dann zu.

Auflösung Kunsträtsel 16

Der Künstler, nach dem ich beim letzten Rätsel gefragt habe, war nun in der Tat sehr bekannt – das wird sicher jede oder jeder, die oder der sich das Rätsel durchgelesen hat, sofort erkannt haben. Es war Leonardo, der in der kleinen Stadt Vinci in der Nähe von Florenz geboren ist. Sein Vater, ein Notar aus Florenz hatte ein Verhältnis mit einer jungen Frau – und Leonardo war die Frucht ihrer Liebe. Der Junge wurde vom Vater als sein Sohn anerkannt, schon mit fünf Jahren wohnte er daher bei ihm in Florenz. Recht früh – vermutlich mit etwa 16 Jahren – kam er in die Werkstatt von Verrocchio, einem der bedeutendsten Künstler in Florenz. Dieser entdeckte schon sehr bald die Begabung des Jungen und förderte ihn. Leonardo war auch an einigen Bildern von Verrocchio beteiligt. Und schon 1472 – also mit nur zwanzig Jahren – wurde er in die ‚Compagnia di San Luca‘, die Malergilde von Florenz aufgenommen. 1482 ging er dann nach Mailand – in seinem Bewerbungsschreiben wies er u.a. auf seine Fähigkeiten als Ingenieur hin. Das geplante Reiterstandbild wurde aber nie vollendet. Auch bei vielen anderen Arbeiten kam es nie zu einem richtigen Abschluss, unter anderem lag es sicher daran, dass Leonardo immer wieder andere Projekte anfing.

So war es auch mit der Anbetung der Könige, dem Bild, das beim letzten Rätsel gesucht wurde. Er hatte es, bevor er nach Mailand ging,  noch in Florenz begonnen, und so ist es unvollendet geblieben. Die Abbildung ist sehr, sehr dunkel. Ich habe sie von Wikipedia übernommen. Im Netz kann man aber die Fassung nach einer gründlichen Restauration und Reinigung finden – das ist wirklich ein sehr großer Unterschied. U.a. hat die FAZ darüber berichtet.

Insgesamt haben mir 39 Rätselfreundinnen und –freunde die richtige Lösung geschickt. Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 16,  und das war Andreas Heinrichs aus Dormagen. Lieber Herr Heinrichs, bitte setzten Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen eine Arbeit schicken kann.

Auflösung Kunsträtsel 15

Der Künstler, der beim letzten Mal gesucht wurde, ist Domenico Ghirlandaio. An sich war sein Name ‚Bigordi‘ – warum er den Beinamen ‚Ghirlandaio‘ – frei übersetzt also ‚Girlandenmacher‘- erhielt, habe ich nicht herausbekommen, vielleicht fanden seine Zeitgenossen, dass seine Malerei daran erinnerte. Ghirlandaio ist 1449 in Florenz geboren, 1494 ist er auch dort gestorben. Bis auf zwei Reisen nach Rom, wo er unter anderem auch in der Sixtinischen Kapelle arbeitete, hat er seine Heimatstadt kaum verlassen.

In der Kirche Santa Maria Novella (nach der der Bahnhof von Florenz benannt wurde) hat er mit seiner Werkstatt im Auftrag der Familie Tornabuoni die großartigen Fresken im Chor gemalt. Und man kann dort in der Tat in die Zeit des 15. Jahrhunderts zurückblicken – so haben die wichtigen Leute in Florenz damals gelebt – vielleicht besser, so wollten sie zeigen, wie sie gelebt haben.

Das beim letzten Rätsel gesuchte Bild war aber – der Weihnachtszeit angemessen – die Anbetung der Hirten. Es befindet sich in der Kirche Santa Trinità in Florenz. Bei dem Hirten, der mit der linken Hand auf das Kind zeigt, wird es sich wohl in der Tat um ein Selbstportrait des Künstlers handeln. Dr. Eckard Lieb aus Hildesheim hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass über dem Kapitell des linken Pfeilers die Jahreszahl 1485 angegeben ist. Der Künstler zeigt damit an, dass er das Bild in diesem Jahr vollendet hat, und dann weist er mit der rechten Hand auch auf sich und mit der linken auf das Kind.

Die Inschriften auf dem Triumphbogen und dem Sarkophag sollen vermutlich auf den Sieg des Christentums über das heidnische Rom hinweisen.

Auf der linken Bildseite sieht man den Zug der heiligen drei Könige – sie sind noch weiter entfernt, werden dann ja auch erst am 6. Januar eintreffen – das ist von dem Maler doch geschickt gelöst, dass er die zeitliche Entfernung durch eine räumliche darstellt.

Erhalten habe ich 39 richtige Lösungen, und gewonnen hat dieses Mal die Nummer 32 – und da steht auf der Liste Sigrid Sielaff. Liebe Sigrid, setz dich mit mir in Verbindung, damit wir das mit der Übergabe des Bildes regeln können.

Auflösung Kunsträtsel 14

Der Künstler, der beim letzten Mal gesucht wurde, war Caravaggio – an sich war sein Name Michelangelo Merisi – er ist zwar in Mailand geboren, aber seine Eltern kamen aus Caravaggio. Vermutlich, um ihn vom großen Michelangelo zu unterscheiden, hat er so den Namen erhalten.

Dieses Mal haben sehr viele – insgesamt 65 – beim Rätselraten mitgemacht – ganz herzlichen Dank dafür. Und ich habe auch wieder etwas gelernt dabei – ich wusste zum Beispiel nicht, dass er seinen Geburtsnamen Michelangelo erhalten hat, weil er am 29. September Geburtstag hat – das ist der Namenstag des Erzengels Michael. Eine Teilnehmerin hat mich darüber aufgeklärt.

Danke

Nach all dem, was ich über Caravaggio gelesen habe, scheint er in der Tat ausgesprochen schwierig gewesen zu sein. Allerdings betonen andere Wissenschaftler, dass sein aggressives Verhalten in der damaligen Zeit nicht ungewöhnlich gewesen sei. Wie auch immer – auf jeden Fall war er ein herausragender Künstler, der Generationen von anderen Künstlern beeinflusst hat.

Das Bild, nach dem ich gesucht habe, ist die Berufung des Matthäus, es befindet sich in einer Kapelle von S. Luigi die Francesi. Matthäus war ja ein Zöllner, also sicher so etwas wie ein Geldeintreiber für das damalige Staatoberhaupt. Als solcher war er vermutlich nicht sonderlich beliebt bei seinen Mitmenschen. Und da sucht Jesus ausgerechnet ihn aus.

Caravaggio stellt dieses ‚Berufung‘ ungeheuer dramatisch dar. Von Jesus selbst sieht man nur den Kopf und seinen rechten Arm, mit dem er gebieterisch nach links weist.  Er wird fast vollständig von dem vor ihm stehenden Petrus verdeckt. Das Licht, das von rechts die Szenerie erleuchtet, unterstützt die Dramatik.

Auf wen Jesus so gebieterisch weist, ist umstritten. Ist es der bärtige Mann? Er hält seinen linken Arm so, dass er auf sich selbst oder auf den jungen, Geld zählenden Mann am Kopfende des Tisches weisen könnte. Oder meint er sogar den stehenden Mann, der sich über sie beugt?

In jedem Fall ist es ein phantastisches Werk, das – wie die meiste große Kunst – nie ganz erschlüsselt werden kann.

Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich beim letzten Mal 66 Antworten auf meine Rätselfrage erhalten habe – gewonnen hat Tabea Fischle …. Bitte ruf mich an oder schreib mir eine Mail, damit wir einen Termin für die Übergabe ausmachen können…..

Auflösung Kunsträtsel 13

Der Künstler, der beim letzten Mal gesucht wurde, war Amadeo Modigliani (1884 – 1920). Er ist in Livorno geboren und erhielt dort auch seinen ersten künstlerischen Unterricht. Da seine Mutter aus Marseille stammte, lernte er schon früh neben italienisch auch Französisch, was ihm später in Paris half. Er litt schon als kleiner Junge unter schweren Krankheiten. Nach Aussagen seiner Mutter hatte er während einer schweren Krankheit einen Fiebertraum, „in dem er über die künstlerischen Meisterwerke in Italien phantasiert und der ihm damit seine künstlerische Bestimmung aufgezeigt habe.“ (Wikipedia) So durfte er schon früh ein Kunststudium beginnen. Nach Stationen in Florenz und Venedig ging er nach Paris, wo er bis zu seinem Tod lebte. Neben der praktischen künstlerischen Ausbildung studierte er auch intensiv Kunstgeschichte.  In Paris begann er neben der Malerei auch plastisch zu arbeiten. Dann aber – vielleicht auch auf Grund seiner angeschlagenen Gesundheit – wandte er sich wieder ganz der Malerei zu. Mit seinen für die damalige Zeit als äußerst anstößig empfundenen Akten gelang ihm dann der Durchbruch. Tatsächlich schritt bei einer Ausstellung die Polizei ein und verfügte, dass die Bilder abgehängt wurden.

1917 lernte er die erst neunzehn Jahre alte Jeanne Hébuterne kennen, die an der Académie Colarossi studierte. 1918 brachte sie ein Kind zur Welt. Modigliani erkannte die Vaterschaft an. Als sie 1919 erneut schwanger wurde, verlobte er sich mit ihr.

Am 24. Januar 1920 verstarb Modigliani in der Charité in Paris. Am übernächsten Tag starb seine Verlobte durch Suizid. Modigliani wurde unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Nachdem sich die Familie von Jeanne zunächst geweigert hatte, wurde auch sie später neben ihm beigesetzt.

Modigliani hat sicher kein leichtes Leben gehabt – richtig erfolgreich wurde er erst nach seinem Tod. Aber mit seinen Werken lebt er weiter.  

Beim letzten Rätsel habe ich insgesamt 42 richtige Antworten erhalten – herzlichen Dank für die netten Kommentare, die ich von vielen bekommen habe.

Dieses Mal wurde die laufende Nummer 39 gezogen – und damit hat Christel Hesse gewonnen. Liebe Frau Hesse – bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, damit ich Ihnen die Zeichnung nach der Skulptur von Kolbe zukommen lassen kann. Sie können sie schwarz – weiß oder auch farbig bekommen.

Auflösung Kunsträtsel 12

Der Künstler, der beim letzten Mal gesucht wurde, war Tizian – eigentlich Tiziano Vecellio – sein  genaues Geburtsdatum ist unbekannt, es schwankt zwischen 1473 und 1490 – das ist in dieser Zeit schon merkwürdig, da bei anderen aus wohlhabenden und angesehenen Familien stammenden Söhnen das Geburtsdatum durchaus bekannt war.

Die Irritationen sind vor allem entstanden, weil einerseits im Sterberegister von San Casciano (in diesem Gemeindebezirk hatte Tizian in Venedig gewohnt) steht, dass er 1576 im Alter von 103 Jahren verschieden sei, andererseits hat Tizian auch selbst dafür gesorgt. Er schreibt 1571 an Philipp II  von Spanien, dass er schon 95 Jahre alt sei – vermutlich macht er das aber deswegen, weil es sich um einen Bettelbrief handelt und das hohe Alter die Forderung unterstützen soll. Vasari, der ihn 1566 in Venedig besucht hat, schreibt dagegen, dass er zu diesem Zeitpunkt 76 Jahre alt sei. Danach muss er 1490 geboren sein. Man sieht schon daran, dass er doch eine etwas schillernde Gestalt gewesen ist. Aber er war und ist eben auch der bedeutendste Künstler, den Venedig hervorgebracht hat.

Das große Altarbild,  das er schon als junger Mann gemalt hat und das eines meiner absoluten Lieblingsbilder ist, ist die Assunta (die Himmelfahrt Mariens) in der Frari Kirche. Beim nächsten Besuch von Venedig – unbedingt hingehen!

Das gesuchte Bild ist aber ein anderes – das ist die sogenannte  ‚irdische und himmlische Liebe‘, es befindet sich in der Galleria Borghese in Rom.

Ich erinnere mich an viele Besuche dort – und bei den ersten Malen überlegte ich in der Tat auch mit anderen Besuchern, welche der beiden Frauen denn nun die ‚irdische‘ und welche die ‚himmlische Liebe‘ darstellen solle. Dann erfuhr ich, dass dieser Titel dem Bild erst  später gegeben wurde. Was das Bild also nun eigentlich darstellen sollte, das weiß man nicht Aber – es ist doch in der Tat ein großartiges Werk!

Gewonnen hat dieses Mal die Nummer 29 – und das war Frau Huberta von Stumpfeld. Bitte setzten Sie sich mit mir in Verbindung, damit wir das mit der Übergabe der Zeichnung regeln können.

Auflösung Kunsträtsel 11

Beim letzten Rätsel haben dieses Mal über vierzig Leute mitgemacht – und ich hatte gedacht, dass der gesuchte Künstler gar nicht so gut bekannt sei. Aber da habe ich mich doch geirrt.

Giorgio Morandi ist in der Tat ein sehr bemerkenswerter Künstler gewesen – und in seiner Heimatstadt Bologna kann man die kleine Wohnung in der er gelebt und gearbeitet hat heute noch besuchen. Und sich einmal Bologna etwas genauer anzuschauen – das lohnt sich auf jeden Fall auch ganz unabhängig von diesem großen Maler.

Eines seiner Kunstwerke darf ich hier nun nicht abdrucken – aber da in seiner ehemaligen Wohnung viele von ihm gemalte Dinge und Gegenstände wie bei einem Stillleben aufgebaut sind, habe ich sie dort fotografiert.

Man kann gut daran sehen, wie er den Glanz und die Reflexe durch das Bemalen etwa der Glasflaschen vermieden hat. Für ihn standen ganz offensichtlich die Gestalt der einzelnen Dinge und ihre Zusammenstellung im Vordergrund – das ist ja ganz anders als etwa bei den Impressionisten. Im Netz findet man eine reiche Anzahl von Abbildungen sowohl der Stillleben als auch von Landschaften.

Und das Los hat dieses Mal Susanne Naumann von der DIK Hannover getroffen – sie bekommt das Stillleben (la natura morte), das dieses Mal als Preis ausgesetzt war. Cara Suse – a causa che siamo nello stesso circolo letterario – riceverai la natura morte la prossima volta al 12 di settembre.

Kunsträtsel 10

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Beim letzten Rätsel war ein Künstler des ‚Klassizismus‘ Thema – die Auflösung gibt’s heute und in Zukunft aber erst am Schluss und nicht wie bisher am Anfang.

Der Künstler und das Fresco, nach dem dieses Mal gesucht wird, gehören in die ganz große Zeit der italienischen Kunst, also in die Zeit der Renaissance. Unten können Sie schon einmal einen kleinen Ausschnitt des Bildes sehen.

Diese Vignette des denkenden, grübelnden Menschen werde ich auch bei den folgenden Rätseln immer wieder am Anfang verwenden –Florian Kutz aus dem Vorstand unserer DIK Hannover meinte, dass es gut sei, wenn am Anfang eines (ja doch recht textlastigen) Rätsels ein Bild stehe. Und dieses Mal gehört es schon zu dem eigentlichen Rätselbild.

Ich habe ja schon am Anfang geschrieben, dass es sich bei dem dieses Mal gesuchten Bildes um ein Fresco handelt – es ist also direkt in den frischen Putz auf die Wand gemalt worden. Tatsächlich soll es sich dabei um das erste Fresco gehandelt haben, dass der Künstler (natürlich mit der Hilfe einiger Mitarbeiter) gemalt hat. Das Werk ist sehr groß (unten ist es 7.20 m- breit, oben ist es abgerundet) Es bedeckt so eine ganze Wand in dem etwa quadratischen Raum. Auch die anderen drei Wände hat der Künstler bemalt. Alle vier Bilder sind inhaltlich aufeinander bezogen.

Als er dieses erste Werk beendet hatte, soll der Auftraggeber so begeistert gewesen sein, dass er den Künstler beauftragte, die Wände auch in den anderen Räumen des Palastes zu bemalen.

Auf dem Bild schaut man in drei perfekt perspektivisch konstruierte, hintereinander liegende  Räume. Der letzte ist nach hinten und oben offen, sodass man den Himmel sehen kann. Genau in der Mitte gehen zwei miteinander diskutierende Männer auf uns als Betrachterinnen und Betrachter zu. Der von uns aus gesehen linke Mann hat einen weißen Bart, er ist eindeutig älter als der andere. Er weist mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand nach oben, während der jüngere seine Hand waagerecht vor sich hält. Beide tragen in der je anderen Hand ein Buch. Über ihnen befindet sich ein Tonnengewölbe mit Kassetten.

Links und rechts von ihnen bilden andere Männer ein Spalier, sodass eindeutig erkennbar ist, wie wichtig die beiden sind. Neben diesen um die offensichtlichen Hauptpersonen gruppierten Männern gibt es noch mehrere andere Gruppen. Dabei scheinen die meisten intensiv miteinander im Gespräch zu sein. Ausnahmen sind etwa der oben abgebildete grübelnde Mann und rechts neben ihm ein auf Treppenstufen liegender anderer.

Kunstwissenschaftler haben für eine ganze Reihe der abgebildeten Personen Vermutungen angestellt, wer dort jeweils abgebildet ist – und dabei gibt’s sogar meist zwei Zuschreibungen. Auf der einen Seite soll es immer  eine historische  Figur sein – und auf der anderen Seite soll der Künstler Zeitgenossen abgebildet haben, die praktisch für die eigentlich gemeinten stehen.

Wer war der Künstler, wie heißt dieses großartige Bild – und … wen stellt nach Meinung der meisten Experten der bei der Vignette oben abgebildet Mann dar, und welchen Zeitgenossen (und Kollegen) soll der Künstler dabei dargestellt haben?

Als Gewinn gibt es wieder ein Bild aus Bologna. Ich habe es vor einigen Jahren, an einem Tisch sitzend und mit einem netten Getränk vor mir gezeichnet. Man schaut dabei auf die via Zamboni – das ist mitten im Studentenviertel. Ich denke, dass sich die entspannte Stimmung, die der Ort ausstrahlte und die natürlich auf mich abfärbte, auf die Zeichnung übertragen hat.

Wie bei jedem Mal kann die Zeichnung entweder schwarz-weiß oder auch farbig frei überarbeitet gewählt werden. Viel Spaß beim Rätseln!

Rainer Grimm

Kunsträtsel 9

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Nachdem letztes Mal also ein Künstler der (klassischen) Moderne Thema war, ist- es dieses Mal einer, der tatsächlich dem ‚Klassizismus‘ – (italienisch: Neoclassicismo) zugerechnet wird. Er galt zu seiner Zeit als der größte und bedeutendste  italienische Künstler. So gelang es ihm, Skulpturen für alle wichtigsten Leute zu schaffen. Dabei soll er auch noch ausgesprochen nett zu bedürftigen Kollegen gewesen sein. So wie alle Bildhauer in dieser Zeit hat er im Allgemeinen nur die Vorlagen – bis hin zu Gipsen in Originalgröße – selbst gearbeitet. In vielen Fällen wurden die Marmorarbeiten anschließend von Mitarbeitern seiner Werkstatt ausgeführt.

Der Künstler war also hochberühmt, aber im zwanzigsten Jahrhundert brach sein Ruhm fast vollständig zusammen. Ein Kunstkritiker beschrieb seine Arbeiten sogar als ‚Friedhofsplunder‘  – und auch ich muss gestehen, dass ich ihn früher kaum geschätzt habe. Das änderte sich erst, als ich von ihm einige Bozetti – also kleine Tonarbeiten, die als Vorlagen für seine großen Skulpturen dienten – gesehen habe.

In diesem Rätsel geht es um eine Marmorskulptur, die er von einer jungen Frau geschaffen hat, den Auftrag dazu soll ihr Mann gegeben haben. Die junge Frau liegt fast nackt auf einer Récamiere – ein mehrfach gefaltetes Tuch bedeckt nur die Beine und die Scham. Mit ihrem Oberkörper lehnt sie an der Seitenlehne, ihr rechter Arm ruht dabei auf einem Kissen und stützt ihren Kopf ab. So ist ihr Oberkörper fast aufgerichtet, während ihr Unterkörper auf der Récamiere liegend wiedergegeben ist. Ihr linker Arm liegt auf dem leicht angewinkelten Bein – in ihrer Hand hält sie einen Apfel. Dieser Apfel ist insofern sehr bedeutsam, weil die junge Frau damit mythologisch ‚aufgeladen‘ wird.

Es gibt eine ‚beste‘ Ansicht – dabei ist die junge Frau fast vollständig zu sehen – die meisten Fotos, die man von ihr findet, nutzen auch genau diese Ansicht. Sie ruht auf der rechten Hüfte, die linke Hüfte ragt also nach oben. Daneben markiert ein kleiner Winkel die Taille. Die Brüste und die Schulterpartie sind fast waagerecht angesetzt, darüber ruht der Kopf. Von ihm sieht man aber nur das Profil. Während der Körper also bei dieser Ansicht dem Betrachter vollständig zugewandt ist, ist das bei dem Kopf ganz anders. Sie schaut so am Betrachter vorbei – vielleicht kann man das so deuten, dass sie ins Leere schaut oder nachdenkt.

Da die junge Frau aus einer sehr bedeutenden Familie stammte, gibt es eine Reihe von Anekdoten zu dieser Skulptur. So soll sie später gefragt worden sein, ob das mit dem nackt posieren nicht schwierig für sie gewesen sei. Sie soll darauf geantwortet haben, dass schließlich geheizt war. (Tatsächlich soll die Geschichte gar nicht stimmen – ich finde sie aber so schön, dass ich sie hier nicht vorenthalten wollte)

Nun – wie auch immer: Wer ist der damals hoch bedeutende Bildhauer? Wer ist die Schöne auf der Récamiere und als was hat sie der Künstler dargestellt? Bei der letzten Frage muss man vielleicht  wenig in der Mythologie nachgraben.

Als Preis gibt’s dieses Mal eine Zeichnung von der ‚Arca di San Domenico‘ in Bologna. Es handelt sich dabei um das hochberühmte Grabmal für den heiligen Dominikus – er ist 1221 in Bologna gestorben. An diesem Grabmal haben mehrere Künstler – darunter sogar Michelangelo mitgearbeitet. Es lohnt sich also wirklich, einmal San Domenico in Bologna zu besuchen – die ‚Arca‘ befindet sich in einer Seitenkapelle auf der rechten Seite.

Beim genaueren Betrachten kann man tatsächlich herausfinden, welche Figuren von Michelangelo geschaffen wurden – also… nicht googlen sondern einfach schauen!

Bei der Zeichnung habe ich mir nur den linken Teil des Grabmals vorgenommen.

Die Gewinnerin oder der Gewinner kann sie so, wie sie hier abgebildet ist, bekommen (natürlich ohne den Grauschleier auf der rechten Bildseite) – ich kann sie aber auch noch farbig überarbeiten, das habe ich bei anderen Arbeiten auch so gemacht.

Das kann aber dann im Detail mit der Gewinnerin oder dem Gewinner geklärt werden.

Viel Vergnügen beim Rätseln….

Rainer Grimm

Kunsträtsel 8

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Dieses Mal geht es wieder einmal um einen Künstler aus der sogenannten  ‚klassischen Moderne‘. Wie alle anderen Großen dieser Epoche ist auch er im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geboren. Seine wichtigste Schaffenszeit lag dann etwa im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. (schon erstaunlich, dass die sogegnannte ‚Moderne‘ mehr als 100 Jahre alt ist)

Der Künstler stammt aus einer rein italienischen Familie, obwohl er in Griechenland geboren ist. Sein Vater war als Ingenieur in vielen Ländern tätig, und da musste die Familie eben mitreisen. In Athen bekam er auch seine erste künstlerische Ausbildung, danach studierte er Kunst  in Münschen. Nach allgemeiner Auffassung hat ihn die Zeit in Griechenland und Deutschland sehr geprägt. So tauchen in einigen seiner Bilder klassische Skulpturen auf, und aus seiner Zeit in München haben ihn Bilder spätromantischer Maler beeinflusst, die er in der Pinakothek sah. Nach seiner Zeit in München kam er über Turin nach Paris, wo er eine Weile lebte. Dort kam er mit anderen bedeutenden Künstlern zusammen, und hatte mit seiner Malweise sehr großen Einfluss auf eine wichtigeg Richtung der modernen Kunst..

Obwohl er mit seinen Arbeiten in dieser Zeit schon großen Erfolg hatte, wandte er sich ab etwa1920 einer eher ‚akademischen‘ Malweise zu. Das wurde von vielen Künstlern aber auch von vielen Kunstinteressierten überhaupt nicht geschätzt. Auf Kritik soll er geantwortet haben, dass ja schließlich auch Picasso seine Malweise immer wieder verändert habe. Um aber dann wirtschaftlich weiter erfolgreich sein zu können, wiederholte er seine frühen Bilder mit geringen Abwandlungen teilweise selbst, da sie sich besser verkaufen ließen als seine späteren.

So ist das auch mit dem Bild, das ich mir für dieses Rätsel ausgesucht habe. So, wie es gemalt ist, stammt es eindeutig aus seiner frühen Phase. Es zeigt einen menschenleeren Platz. Rechts und links wird der Platz durch weiße Gebäude mit hohen Arkaden begrenzt. Zwischen ihnen ruht eine ebenfalls weiße, weibliche Skulptur auf einem Sockel. Im Hintergrund steht auf der linken Seite ein Schornstein und rechts ein Gebäude, das an einen Bahnhof erinnert. Nach Meinung der Experten sollen Skulptur und Bahnhof an seine Zeit in Griechenland erinnern – der Vater war ja Bahningenieur. . Die Arkaden sollen an seine Zeit in Turin erinnern, wo er sich auf dem Weg nach Paris eine Zeitlang aufgehalten hat.

Am erstaunlichsten und sehr typisch für die meisten Bilder dieses Malers ist die ‚falsche‘ Perspektive. Verfolgt man die nach hinten fluchtenden Linien, dann sieht man, dass sie sich in vielen verschiedenen Punkten schneiden. Schon dadurch entsteht eine unwirkliche Stimmung.

Dann verwendet er eine sehr reduzierte Farbigkeit – ein im oberen Bereich dunkelblaugrüner Himmel wird zum Horizont hin gelb; der Schornstein ist in einem dunkleren und der Platz in einem helleren Ocker gehalten. Auch die Leere und die starken Schlagschatten lassen alles unheimlich erscheinen.

Der Künstler gibt eben nicht eine gesehene Realität wieder, er schafft eher eine Traumwelt. Das ist auch der Grund dafür, dass seine Bilder als Vorläufer für eine andere bekannte Kunstrichtung gelten.

Wie heißt der Künstler? Welche Richtung der Moderne hat er ‚erfunden‘? Und – wer’s rausgefunden hat – welchen Titel trägt das von mir beschriebene Bild? Er hat es 1948/49 gemalt.

Und als Gewinn gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich 2018 in Bologna bei San Domenico gemacht habe. Im Unterschied zum gesuchten Maler habe ich durchaus Menschen in meine Zeichnung einbezogen. Die Gewinnerin oder der Gewinner kann diese Arbeit dann auch gern frei farbig gefasst bekommen – das muss er oder sie dann später selbst entscheiden.

Wer richtig geraten hatte, nahm an der Verlosung der Zeichnung unten teil.
Rainer Grimm

Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Kunsträtsel 7

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Der Künstler, nach dem dieses Mal gesucht wird, war äußerst vielseitig. Er brillierte sowohl als Zeichner (unter anderem gibt es von ihm sogar schon Karikaturen), als Maler, als Bildhauer und als Architekt. Darüber hinaus hat er einen der großartigsten Plätze so geschickt entworfen, dass die – an sich nicht glücklichen Proportionen des Gebäudes, auf das alles an diesem Platz bezogen ist – durch die raffinierte Platzgestaltung nicht unangenehm auffallen.

In diesem Rätsel wird aber nach einer Marmorskulptur gesucht, die der Künstler auf eine überaus faszinierende Art gefertigt hat. Sie ist in allen Einzelheiten sehr differenziert und kleinteilig gestaltet – als ich sie das erste Mal betrachtet habe, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es jemand schafft, ein Material wie Marmor so fein zu bearbeiten.

Die Skulpturengruppe besteht aus zwei Figuren – einer jungen, schönen, im Laufen begriffenen Frau und einem ebenfalls jungen Mann, der sie verfolgt. Der Mann hat die Frau gerade erreicht, mit seiner linken Hand umfasst er ihren Leib. Ihr Mund ist geöffnet – sodass es aussieht, als ob sie schreit.

Schaut man genauer hin, dann sieht man, dass der Körper der jungen Frau im unteren Bereich teilweise aus Holz zu bestehen scheint. Aus ihren Händen und Fingern wachsen Lorbeerblätter, und die Hand des jungen Mannes, mit der er die Schöne halten will,  berührt nicht etwa Haut sondern Borke.

Der Künstler hat hier eine Szene aus einem alten Mythos dargestellt. Eine Nymphe wird von einem Gott begehrt, sie will sich ihm aber nicht hingeben. In ihrer Not ruft sie die Mutter Erde an – in einer anderen Erzählung ist es ein Flussgott, den sie um Hilfe bittet. In jedem Fall wird die junge Frau aber in einen Lorbeerbaum verwandelt, sodass der Gott ihr nichts anhaben kann.

Der Künstler hat hier tatsächlich etwas ganz außerordentliches geschaffen. Er macht etwas sichtbar, was an sich erst einmal unmöglich erscheint – er zeigt in dieser Skulpturengruppe einen vollständigen zeitlichen Ablauf. Beginnt man mit der Betrachtung auf der Seite, auf der der Gott zu sehen ist, dann sieht man den jugendlich schönen Mann im Laufen begriffen. Sein Körper ist nach vorn gerichtet, sodass man deutlich sieht, dass er rennt. So, wie er hier dargestellt ist, würde er fallen, wenn er nicht im Laufen begriffen wäre. Schon das ist also sehr gekonnt gelöst.

Noch faszinierender aber ist die Tatsache, dass die Verwandlung der Nymphe in den Lorbeerbaum tatsächlich vollständig ablesbar ist. Auch sie ist an sich im Laufen begriffen, aber durch die Verwandlung in den Baum wird sie gestoppt. Ein Bein ist noch fast vollständig als Bein erkennbar, bei dem anderen beginnt schon die Verwandlung,  und nach oben hin wird die Schöne immer mehr zum Baum.

Wer ist der Künstler und um welche Skulpturengruppe handelt es sich hier? Und welchen Platz hat er so raffiniert gestaltet, dass das große Gebäude trotz an sich schlechter Proportionen gut aussieht.

Und da die Lösung beim letzten Rätsel eine Skulpturengruppe von Giacometti war, gibt’s als Preis dieses Mal eine Zeichnung, die ich vor einigen Jahren in der Fondation Beyerle von Giacometti Figuren mit zufällig im Raum befindlichen Besuchern gemacht habe

Wer richtig geraten hatte, nahm an der Verlosung der Zeichnung unten teil.
Rainer Grimm

Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Kunsträtsel 6

Dr. Rainer Grimm, Hannover

In diesem sechsten Rätsel geht es um ein Kunstwerk aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Künstler ist zwar kein Italiener – aber er hat einen deutlich italienischen Namen

Es handelt sich um eine Plastik, die aus einer Bodenplatte und mehreren Figuren besteht. Die Bodenplatte – sie ist wie auch die Figuren aus Bronze gefertigt – ist im Katalog mit den Maßen 62.5 X 42.8 cm angegeben. Auf dieser Platte befinden sich vier Männer und eine Frau. Die Frau steht still, ohne sich zu bewegen. Die Männer sind dagegen in Schrittstellung wiedergegeben, sodass man den Eindruck hat, dass sie sich mit großen Schritten von ihrem jeweiligen Standort vorwärts in Richtung der Plattenmitte bewegen. Alle Figuren sind stark stilisiert wiedergegeben, am Beispiel eines der vier Männer und der Frau soll das kurz erläutert werden.

Auf der mir vorliegenden Abbildung geht von  der linken Seite ein Mann nach rechts. Sein eines Bein ist vorgestellt, der Oberkörper ist ebenfalls so weit nach vorn gebeugt, dass sich der Kopf über dem Fuß befindet. Das andere Bein ragt entsprechend schräg nach hinten, es bildet so mit dem Oberkörper fast eine Gerade. Der Fuß an diesem Bein steht nur noch mit der Spitze auf dem Boden, man hat den Eindruck, dass er sich gleich lösen und nach vorn schwingen wird. Die Oberarme hängen herunter, nur die Unterarme weisen leicht nach vorn.

Die Frau steht etwa in der Mitte des längeren Teils der Bodenplatte fast am Rand. Im Unterschied zu den Männern sind bei ihr die Beine eng aneinanderliegend, die Hüfte ist ausgeprägt, ihre Arme liegen eng am Körper an. Durch die Lücken zwischen Körper und Armen kann man ihre schmale Taille erkennen. Lange Haare fallen bis auf die Schultern herunter.

Die Körper aller Figuren sind extrem dünn, die Oberfläche ist rau und schrundig. Die Füße sind im Verhältnis zu den übrigen Maßen des Körpers zu groß. Details wie etwa Gesichtszüge oder Finger gibt es nicht. Auch viele andere Plastiken hat dieser Künstler so dünn geformt – er selbst hat dazu einmal gesagt: „Die Figuren in natürlicher Größe irritieren mich insgesamt, weil eine Person, die auf einer Straße entlang geht, kein Gewicht hat, in jedem Fall ist sie leichter als eine, die tot oder bewusstlos ist (….) Ohne darüber genauer nachzudenken, wollte ich diese Leichtigkeit wiedergeben, darum habe ich die Körper so dünn gemacht.“

Die schreitenden Männer werden, wenn man ihren Weg in die Zukunft verfolgt, aneinander und an der stehenden Frau vorbeigehen. Die dargestellte Szene zeigt so einen Augenblick, der nie wiederkehren wird. Auch dazu hat sich der Künstler geäußert. „Der Mensch auf der Straße überrascht und interessiert mich mehr als jede Skulptur oder jedes Gemälde. In jedem Moment fließt die Menge ohne anzuhalten, um sich zu vereinigen und sich erneut voneinander fortzubewegen. Ohne je zu posieren formt und gestaltet sie lebendige Kompositionen von einer unglaublichen Komplexität. (….) Und es ist tatsächlich die Totalität dieses Lebens, die ich in jeder Sache, die ich mache, wiedergeben möchte.“

Für die philosophische Haltung des Künstlers ist es sicher auch charakteristisch, dass er die Personen aneinander vorbeigehen lässt. Jeder Mensch ist einzeln in die Welt und – hier – auf die Bodenplatte gestellt.

Wie heißt der Künstler, welchen Titel hat die besprochene Plastik und welche philosophische Richtung drückt sich darin aus?

Und da es sich dieses Mal um ein plastisches Werk handelt, gibt’s als Hauptgewinn auch die nachträglich kolorierte Zeichnung einer Skulptur von Bernini. Es handelt sich dabei um den ‚David‘, den ich vor einigen Jahren in der Villa Borghese gezeichnet habe.

Mich hat dabei fasziniert, wie anders als etwa Michelangelo Bernini das Thema aufgefasst hat.

Wer richtig geraten hatte, nahm an der Verlosung der Zeichnung unten teil.

Rainer Grimm

Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Kunsträtsel 5

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Das Bild, nach dem dieses Mal gesucht wird, ist vor etwa 570 gemalt worden. Darüber hinaus hat der Maler darauf eine Szene dargestellt, die sich nach der Legende noch einmal über 1100 Jahre früher abgespielt haben soll. Wer sich ein wenig in der Kunstgeschichte auskennt, weiß jetzt natürlich, dass es sich um eine Arbeit aus der Frührenaissance handeln muss.

Auf dem hochformatigen Bild – es ist als Fresco in den Chor einer Kirche gemalt – sieht man ein großes Rundzelt mit spitzem rotem Dach vor einem dunklen Nachthimmel. Die gelben Vorhänge des Zeltes sind an beiden Seiten wie ein Bühnenvorhang zurückgeschlagen, darin liegt auf einem Bett ein bärtiger Mann mit geschlossenen Augen. Er ist bis zum Hals zugedeckt.

Auf den Stufen des Bettes sitzt auf der linken Bildseite ein jüngerer bartloser Mann, er stützt sich auf seinen Ellenbogen und schaut den Betrachter an. Vermutlich ist er ein Diener oder ein Vertrauter des schlafenden Mannes.

Links und rechts am Bildrand stehen zwei Soldaten in Rüstungen – der linke wendet dem Betrachter den Rücken zu, sein Gesicht ist im verlorenen Profil zu sehen – wie der im Zelt liegende trägt er einen Bart. Er steht im Kontrapost und hält in seiner rechten Hand eine lange Lanze. Der Soldat auf der rechten Bildseite ist dagegen von vorn zu sehen, wie der junge Mann, der auf dem Bett sitzt, ist auch er bartlos. In seiner rechten Hand trägt er eine Fackel, die allerdings nicht angezündet ist.

Vom Betrachter aus gesehen kommt von  oben links ein Engel geflogen, der auf den ersten Blick in der extremen Verkürzung kaum als solcher zu erkennen ist. In seiner Hand trägt er ein Kreuz, das fast wie ein Scheinwerfer die Szene beleuchtet. Obwohl die beiden Soldaten und der junge Mann offensichtlich wach sind, scheinen sie von dem Engel und dem hellen Licht nichts wahrzunehmen.

Das Erstaunlichste an diesem Bild ist die Lichtführung. Mitten in der Dunkelheit scheint das Licht direkt von dem Engel bzw. dem kleinen Kreuz auszugehen, es beleuchtet so das Zelt und die Männer. Dabei gelingt es dem Maler erstmals Eigen- und Schlagschatten so einzusetzen, dass eine nahezu vollkommene Lichtillusion erreicht wird. So ist der Soldat in Rückenansicht fast vollständig dunkel wiedergegeben – nur auf dem Helm und dem rechten Oberarm blitzt es hell. Bei dem anderen Soldaten sieht man deutlich die Schatten, die durch den Helm auf das Gesicht fallen.

Darüber hat sich schon der erste Biograph italienischer, damals ‚moderner’ Künstler gewundert. Er schrieb: „ das Licht, das von dem Engel ausströmt, erleuchtet mit größter Zartheit das Zelt, die Bewaffneten und die Umgebung. (…….) und weil er es aufs beste getan, hat dies die neueren Künstler veranlasst, ihm zu folgen und jene Höhe zu erklimmen, auf der man zu unserer Zeit die Malerei angelangt sieht.“

In der Tat kann man sagen, dass dem Maler damit das erste wirkliche Nachtbild gelungen ist. Das Licht wird darüber hinaus auch inhaltlich eingesetzt, ganz offensichtlich ist es ein heiliges, himmlisches Licht, das von dem Engel bzw. dem Kreuz ausgeht – und da die drei wachenden Männer es nicht wahrnehmen, muss es sich an den Schlafenden – Träumenden richten.

Um die Lösung über Google etwas einfacher zu machen – das Fresco befindet sich in der Kirche San Francesco in Arezzo.

Wer richtig geraten hatte, nahm an der Verlosung der Zeichnung unten teil.
Rainer Grimm

Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Kunsträtsel 4

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Nachdem beim letzten Mal ein Bild der Moderne gefragt war, geht es dieses Mal um eines, das schon vor mehr als 700 Jahren gemalt wurde. Das Bild ist eines von sehr vielen Fresken, mit der ein schon damals hochberühmter Maler eine ganze Kapelle ausgeschmückt  hat.

Der Legende nach hat der Sohn eines Wucherers die Kapelle bauen lassen, um den Vater von den Höllenqualen zu befreien. Dass die Kapelle zur Vergeltung für die Sünden des Vaters errichtet wurde, wird heute zwar eher angezweifelt, dennoch zeigt ein Vers aus der ‚Göttlichen Komödie‘ von Dante, dass er in seiner Zeit wohl tatsächlich als  ‚Finanzhai‘ angesehen wurde. Bei seiner Wanderung durch’s Inferno sieht er ihn nämlich im Höllenkreis der Wucherer, und da Dante und der gesuchte Künstler zur selben Zeit gelebt haben, klingt das doch recht überzeugend.

Auf dem gesuchten Bild sind – passend zu dieser Zeit im Januar – die `heiligen drei Könige‘ zu sehen, wie sie das neugeborene Jesuskind besuchen. Das Bild ist nahezu quadratisch – wie auch alle anderen Bilder dieses Zyklus. Auf der vom Betrachter aus gesehenen linken Bildseite sieht man das Vorderteil eines Tieres, das an ein Dromedar erinnert. Von einem zweiten sieht man nur den Kopf. Der Künstler hat  vermutlich die etwas exotisch aussehenden Tiere gewählt, weil er damit auf die weite Reise der drei hinweisen konnte. Es ist anzunehmen, dass er diese Art von Tieren nur von Abbildungen oder Erzählungen her kannte.

Neben den Tieren und etwas verdeckt steht ein grau gekleideter Mann, der zu dem Tier aufschaut. Er ist als einziger ohne Heiligenschein wiedergegeben. Im Vordergrund und etwas größer sind zwei der drei Weisen oder Könige (im Italienischen werden sie ‚Magier‘ genannt) zu sehen. Der dritte kniet vor dem Kind, das Maria ihm entgegenhält, er küsst dem Kind die Füße. Maria trägt ein prächtiges Gewand – das entspricht  sicher nicht dem Bibeltext. Links neben Maria steht leicht verdeckt Josef. Nach rechts schließt ein Engel das Bild ab.

Die Magier befinden sich im Freien auf einem felsigen Grund. Sie sind ganz offensichtlich gerade erst angekommen. Maria und Josef dagegen haben sie in einem umfriedeten Bereich erwartet – man sieht vier Stützen und ein Dach, darunter sind sie gemalt. Im Hintergrund  ragt ein spitzer Berg in die Höhe. Auf dem dunkelblau gemalten Himmel fliegt ein großer Komet in Richtung des ‚Stalls‘ oder ‚Hauses‘.

Alles ist so gemalt, dass man sofort erkennen kann, um was es geht. Die Magier kommen von weit her, der Komet steht über dem ‚Stall‘, er hat sie zum Jesuskind geführt. Dass sie Heilige sind, sieht man daran, dass sie ebenso wie die heilige Familie und der Engel  einen Heiligenschein haben. Es ist schon später Abend oder Nacht – der Himmel ist jedenfalls in einem dunklen Blau gemalt.

Vielfach wird der Künstler als Vorbereiter der Renaissance angesehen, und tatsächlich hat er vieles neu in die Kunst eingebracht. So ist bei ihm der Himmel blau gemalt und die dargestellten Menschen (und bei anderen Bildern sogar die Engel) zeigen Emotionen. Dennoch sieht man an der Landschaft und dem ‚Stall‘, dass hier noch nach einem Schema vorgegangen wurde.

Wer ist der Künstler, nach wem ist die Kapelle benannt und in welcher Stadt  befindet sich der sehr sehenswerte Bilderzyklus?

Wer richtig geraten hat, nimmt an der Verlosung der Zeichnung.

Ich habe diesen Ausschnitt des ‚römischen Theaters‘ in Fiesole im letzten Jahr gezeichnet. Wir hatten uns eine knappe Woche intensiv Florenz angeschaut. Am vorletzten Tag fuhren wir nach Fiesole hinauf und dabei ist dann diese Zeichnung entstanden.

Rainer Grimm

Kunsträtsel 3

Dr. Rainer Grimm, Hannover

In diesem Rätsel geht es um einen Künstler der Moderne. Er war in seiner Zeit außerordentlich radikal – zusammen mit seinen Künstlerfreunden distanzierte er sich heftig von aller alten Kunst. Tatsächlich wollten die Mitglieder dieser Gruppe die Museen am liebsten stürmen und alles niederreißen, was alt war. Der Begründer der Gruppe – er war kein bildender Künstler sondern Jurist und Dichter – schrieb unter anderem in einem Manifest:

„Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen … ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.“

Auch viele bildende Künstler schlossen sich dieser Bewegung an, und wenn heute darüber gesprochen wird, denken die meisten von uns sicher vor allem an sie. Man kann die radikale Ablehnung aller alten Kunst vermutlich nur nachvollziehen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die jungen italienischen Künstler förmlich von großer alter Kunst  umzingelt waren. Der wichtigste von ihnen, der auch das gesuchte Bild gemalt hat, wandte sich ebenfalls in einem  Manifest: gegen den „fanatischen, unverantwortlichen und snobistischen Kult der Vergangenheit“.

Heute hängt dieses Bild aber selbst im Museum (übrigens in Hannover) und wird dort von Kunstfreunden bewundert. Tatsächlich wird es zusammen mit anderen aus seiner Zeit der ‚klassischen Moderne‘ zugerechnet. Daran kann man gut sehen, wie eine in ihrer Zeit radikale Auffassung mit den Jahren selbst ‚klassisch‘ wird.

Auf dem quadratischen Bild sieht man im Vordergrund etwa in der Mitte eine in unterschiedlichen Blautönen und wenigen gelben Einsprengseln gemalte Frau von hinten. Ihr Kopf befindet sich genau im Zentrum. Die Frau steht auf einem Balkon, neigt sich leicht nach vorn und schaut auf das Getümmel unter ihr. Außer ihr gibt es noch rechts und links zwei weitere Frauen, die auf Balkonen stehen – sie sind allerdings viel kleiner und so erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Alle drei schauen auf  Männer herab, die weit unten in einer Baugrube mit langen Stangen ein Gerüst, vermutlich für den Bau eines neuen Hauses errichten. Dort unten ist die Farbigkeit auch am intensivsten, rote, gelbe und wenige blaue Farben sind dort kleinteilig zusammengefügt.

Umrahmt wird dieser mittlere Teil von den überwiegend rot, violett und blau gemalten Häusern. Nach vorn zum Betrachter hin werden die Farbtöne intensiver. Nur das Gebäude im hinteren Bereich mit dem Platz davor ist hell gemalt.

Die umstehenden Häuser, die oben bis fast zum Bildrand reichen, neigen sich zur Mitte hin.

Rechts und links sind sie in kubische Formen aufgelöst – sie sehen zersplittert aus, und gelbe, spitzige Formen schieben sich in sie und in die Frau. Tatsächlich kann man sagen, dass die Frau förmlich von dem, was vor, neben und unter ihr geschieht, durchdrungen wird.

Und der Maler wollte genau das zeigen. Das Leben in der modernen Stadt ist dadurch charakterisiert, dass  der ganze Lärm der Straße, die Bewegungen und die Gegenständlichkeit der Dinge draußen plötzlich in die Wohnung eindringen. Der Mensch der Moderne ist so Teil des Getümmels draußen.

Der Titel des Bildes ist schon sehr treffend –  wie heißt der Maler und wie wird die ganze Kunstrichtung genannt? Für Spezialisten – wer war der Gründer der Gruppe?

Aus den richtigen Lösungen wurde wieder eine Gewinnerin oder ein Gewinner ermittelt – der Preis ist dieses Mal die Ansicht von Arco des heiligen Dominikus

Rainer Grimm

Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm “Arco di San Domenico” in Bologna

Kunsträtsel 2

Dr. Rainer Grimm, Hannover

In diesem Rätsel wird nach einer Marmorskulptur gesucht. Ein überlebensgroßer, gewaltig aussehender, schon etwas älterer Mann sitzt in einer durch Pfeiler gebildeten Nische, wobei ‚Sitzen’ nur auf den ersten Blick zu stimmen scheint, tatsächlich drückt er sein linkes Bein so weit nach hinten, dass es aussieht, als wolle er gleich aufstehen. Er ist mit einem faltenreichen Gewand bekleidet, das die Arme und sein rechtes Knie freilässt.

Den Kopf wendet er nach links, ein mächtiger Bart fällt in Wellen bis in den Schoß hinab, dabei greift er mit den Händen in den Bart und zieht ihn mit der oberen rechten Hand nach rechts und mit der anderen wieder in die Mitte zurück. Sein Kopf ist ebenfalls dicht mit Locken bedeckt, über seiner Stirn ragen zwei konisch geformte Hörner aus dem Haar heraus. Der Blick ist ernst, die Augen sind tief verschattet, die Halsmuskeln treten hervor – man kann sagen, dass die ganze Haltung Anspannung ausdrückt. Mit dem rechten Ellenbogen drückt er zwei Tafeln an seinen Körper, wobei es so aussieht, als ob die Tafeln leicht herunterrutschen können.

Dies hat zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts einen – in einem ganz anderen Fach als der Kunstgeschichte – hochbedeutenden Wissenschaftler zu einer interessanten Interpretation veranlasst. Danach ist die Statue als Endpunkt einer gerade abgelaufenen Bewegungsfolge zu sehen. Der Mann sitzt am Hang des Berges, auf dem er gerade gewesen ist. Er sieht, wie die Menschen, die an sich auf ihn warten wollten, um ein goldenes Tier herum tanzen. Daraufhin will er die Tafeln zerschmettern, beherrscht sich aber mühsam. Die Statue zeigt danach den Kampf der seelischen Instanzen zwischen aggressivem Impuls und willentlicher Kontrolle.

Diese Interpretation bezieht der Autor dann auch auf den Künstler, der in seiner eigenen Person ebenfalls diese Widersprüche gehabt haben soll – was durch die erhaltenen Quellen auch belegt werden kann. In Briefen und zeitgenössischen Notizen wird immer wieder deutlich, dass der Künstler sehr jähzornig war und sich nur mühsam beherrschen konnte.

In Fall der gesuchten Figur waren sein Zorn und seine Frustration aber auch verständlich. Ursprünglich war geplant, sie mit mehreren anderen zu einem riesigen Grabmal zusammenzufügen – das, was wir heute am Aufstellungsort sehen können, ist nur ein kleiner Teil dessen, was Auftraggeber und Künstler in einem ersten Kontrakt vereinbart hatten. Insgesamt arbeitete der Künstler über vierzig Jahre an dem Projekt – immer wieder musste er zwischenzeitlich andere Arbeiten verrichten. Einige Figuren, die ursprünglich mit aufgestellt werden sollten, befinden sich daher heute an ganz anderen Orten.

Berücksichtigt man die ersten Zeichnungen, die den Ort zeigen, an dem die gesuchte Figur in dem Grabmal ihren Platz finden sollte, wird klar, dass die heutige Aufstellung für die an sich vorgesehene Ansicht nicht günstig ist. Da sie sehr hoch auf der linken Seite sitzen sollte, war sie vermutlich auf Untersicht hin berechnet – um die ‚richtige’ Ansicht zu haben, müsste man sie also auf dem Boden liegend betrachten. Nur – das ist bei dem heutigen Besucherandrang natürlich nicht möglich. Wer war der Künstler, wen hat er dargestellt…… und welcher berühmte Autor hat darüber geschrieben?

Rainer Grimm

Zu gewinnen gab es bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm Santa Maria della Salute mit einem ‚Spritz‘ im Vordergrund (letztes Jahr von der Giudecca aus kurz vor dem Abendessen gezeichnet)

Kunsträtsel 1

Dr. Rainer Grimm, Hannover

Nach den ‚Briefen‘ über die ‚Deutschen Künstler (und dann natürlich Künstlerinnen), die nach Italien gegangen sind, um sich dort der Kunst zu widmen, gibt es nun ein neues Projekt. In jedem Monat erscheint ein neues ‚Kunsträtsel‘. Diese ‚Rätsel‘ sind sicher nicht ganz leicht zu lösen, aber mit Hilfe von Google müsste das eigentlich möglich sein. Ich würde mich natürlich über Reaktionen von Ihnen freuen – ob’s zu leicht… zu schwierig… oder wie auch immer ist.

Bei diesem ersten Kunsträtsel handelt es sich um ein recht großes Bild – es misst immerhin 203 X 314 cm. Dargestellt sind vor einer dunklen Baumkulisse insgesamt zwei Männer und sechs Frauen, dazu kommt noch ein kleiner Putto.

Auf den ersten Blick mag man sich fragen, welche Beziehung die einzelnen Figuren zueinander eingehen. Es gibt zwar zwei Gruppen, aber auch zwei einzeln stehende Personen, ein Gesamtzusammenhang lässt sich so zunächst nicht herstellen.

Am besten liest man das Bild von der Mitte aus. Dort steht eine alle anderen Personen des Bildes überragende Frau. Sie trägt ein kostbares Gewand aus einem silbrig grauen, fließenden Kleid, das deutlich ihre Körperformen durchscheinen lässt. Zusätzlich zu dem Kleid hat sie über ihrer rechten Schulter und dem rechten Arm ein rotes Tuch, das sie mit der linken Hand so vor den Körper hält, dass der schwellende Bauch gut zu sehen ist. Der Kopf ist leicht zu Seite geneigt, sie hat ihren rechten Arm erhoben und macht dabei mit der Hand eine graziöse Bewegung, vielleicht so, als ob sie das Geschehen auf dem Bild dirigierte. Es handelt sich dabei um Venus – sie ist aber auf eine Art und Weise dargestellt, dass man bei ihr auch an Maria denken könnte.

Genau über ihr fliegt von rechts nach links Amor, der mit verbundenen Augen dabei ist, einen Pfeil abzuschießen. Er zielt dabei nach links unten in die Richtung von drei einen Reigen tanzenden jungen Frauen. Sie tragen fast vollständig durchsichtige Gewänder, halten sich an den Händen und sind so dargestellt, dass sie dem Betrachter drei unterschiedliche Ansichten bieten. Es handelt sich um die drei Grazien.

Links von ihnen steht ein junger Mann im Kontrapost, der zwar nur ein rotes Tuch locker umgehängt hat, dafür aber an seiner linken Hüfte ein Schwert trägt. Den linken Arm hat er lässig in die Hüfte gestemmt, der rechte Arm ist hoch erhoben – in seiner Hand hält er einen ‚magischen’ Stab, der im oberen Bereich von zwei Schlangen umkreist wird. Schaut man ganz genau hin, dann sieht man, dass er dabei ist, Wolken von dem Geschehen auf dem Bild abzuwehren. Da er auch Schuhe mit Flügeln trägt, kann er eindeutig als Merkur identifiziert werden, ebenso wie die schon genannten Grazien und Amor gehört er zum Gefolge der Venus.

Von der Figur ganz links im Bild gehen wir in der Betrachtung jetzt nach rechts hinüber. Dort fliegt ein Mann mit einer grünblauen Hautfarbe und einem gebauschten Gewand rechts vom Rand ins Bild hinein. Er bläht seine Wangen mächtig auf und versucht eine vor ihm fliehende Frau zu umfassen. Die im Laufen begriffene Frau trägt nur ein leichtes durchsichtiges Gewand, sie wendet ihren Kopf angstvoll in Richtung des Herannahenden zurück. Aus ihrem Mund quellen erstaunlicher Weise Zweige mit Blättern und Blumen, die sich nach vorn zu bewegen scheinen. Dabei geht dieser Blütenzweig  eine Verbindung mit einer vollständig mit Blumen bedeckten und bekränzten Frau ein.

Diese Frau schreitet im Gegensatz zu der vorher genannten vollständig ruhig. Sie lächelt entspannt und selbstsicher, mit der rechten Hand fasst sie in die von Blumen überquellende Falte ihres Kleides und streut diese aus – Botaniker sollen dabei Vergissmeinnicht, Hyazinthen, Iris, Immergrün, Federnelken und Anemonen entdeckt haben. Um den Hals trägt sie einen Kranz von Myrten, in ihrem Kleid hält sie wilde Rosen, im Haar stecken Veilchen, Kornblumen und ein Zweig wilder Erdbeeren. Illustriert wurde hier eine Geschichte, die von einem römischen Autor erzählt worden ist. Danach hat der Luftgeist Zephir die Nymphe Chloris verfolgt und vergewaltigt – sie danach aber geheiratet, worauf sie in die Göttin Flora verwandelt wurde.

In der Geschichte ist es zwar nicht die Nymphe, der Blumen aus dem Mund quellen – das ist wohl eine Erfindung des Malers – aber es heißt, als die Göttin Flora zu erzählen begann, hauchte sie „Frühlingsrosen von ihren Lippen“.

Das Bild wurde vermutlich anlässlich einer Hochzeit gemalt – der Auftraggeber wird in gewisser Hinsicht auch in den gemalten Pflanzen angedeutet – auf der rechten Bildseite biegt sich vor Zephir ein Lorbeerbaum, damit wird ein Hinweis auf den Namen gegeben.

Berühmter als der Auftraggeber war aber sein gleichnamiger Vetter, und von diesem gibt es ein schönes Gedicht, das die leichte Melancholie verdeutlicht, die trotz aller Schönheit in diesem Bild steckt. Von ihm sei hier in freier Übersetzung der Anfang auf Deutsch zitiert:

„Wie schön ist doch die Jugend,
die so schnell dahin geht,
wer froh sein will, der soll es sein,
für morgen gibt es keine Sicherheit.“

Dass er mit dieser pessimistischen Sicht durchaus Recht hatte, zeigte die Zukunft schon wenig später.

Wer ist der Maler, wie heißt das Bild und (für die Spezialisten) wer ist der Autor des wehmütigen Gedichts?

Rainer Grimm

Auflösung Kunsträtsel 10

Beim letzten Kunsträtsel wurde nach dem Fresco ‚Die Schule von Athen‘ des großen Raffael gefragt. Gemalt hat er das Bild mit seinen Mitarbeitern zwischen 1510 und 1511.

Der gesuchte Mann, der sich grübelnd auf einen Stein stützt, soll nach Ansicht der meisten Experten der griechische Philosoph Heraklit sein – und dafür soll sich Raffael seinen Kollegen Michelangelo als Vorlage enommen haben. Auch viele andere Personen sind mittlerweile identifiziert – bei Wikipedia kann man nachschauen, wer wo gemeint sein könnte.

Bei diesem Bild wird allgemein besonders die Beherrschung der Perspektive hervorgehoben. Interessant ist nun, dass er bei dem gegenüberliegenden Bild, der sogenannten ‚Disputà, mit der Perspektive ganz anders umgeht.

Bei dieser Arbeit stimmt die Perspektive wieder vollständig im unteren Bereich – die nach hinten fluchtenden Linien schneiden sich in der Hostie auf dem Altar. Schaut man aber nach oben, dann stimmt das nur für die am Wolkenrand sitzenden Heiligen – je mehr man zur Mitte kommt, desto weniger sind sie von unten zu sehen. Christus und der darüber thronende Gott unterliegen nicht der Perspektive – sie hat Raffael vollständig wiedergegeben. (Am besten schauen Sie sich das noch einmal größer bei Wikipedia an)

Auflösung Kunsträtsel 9

Der beim letzten Rätsel gesuchte Künstler ist Antonio Canova (1757 – 1822) und bei der dargestellten Schönen handelt es sich um Paolina Borghese (1780 – 1825). Sie wurde als Paoletta Buonaparte auf Korsika geboren und war die Lieblingsschwester von Napoleon. Napoleon hatte auch die Ehe mit Camillo Borghese ausgehandelt, die Borghese waren eines der ältesten Adelsgeschlechter, und das war vermutlich sowohl für Napoleon als auch für Paolina wichtig.

Dargestellt ist Paolina als ‚Venus Victrix‘ – also als ‚Siegreiche Venus‘ – bei einem Streit zwischen den Göttinnen Hera (Juno) Athene (Minerva) und Aphrodite (Venus) wer von den dreien die Schönste sei, wurde der Apfel als Siegespreis von Paris eben Aphrodite, also  Venus übergeben. Dieses mythische Ereignis soll anschließend der Auslöser für den Trojanischen Krieg gewesen sein.

Man kann sich vorstellen, dass die junge Paolina Borghese sicher sehr angetan von der Vorstellung war, als Schönheitsgöttin dargestellt zu werden. (Es wird auch gesagt, dass Canova ihr vorgeschlagen haben soll, sie als Diana darzustellen – das soll sie mit dem Hinweis abgelehnt haben, dass diese Göttin ihr zu keusch sei.)

Wie auch immer – dieses Mal habe ich nur 22 richtige Zuschriften bekommen – vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass uns der ‚Klassizismus‘ – obwohl er zeitlich ja nicht so weit entfernt ist wie etwa die Renaissance – den meisten von uns eher ‚fremd‘ geblieben ist.

Gewonnen hat dieses Mal Carola Matheisen…. Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, und schreiben Sie mir dabei, ob Sie die Zeichnung so oder farbig frei überarbeitet haben wollen. Ich schicke Sie Ihnen dann zu.

Auflösung Kunsträtsel 8

Der beim letzten Rätsel gesuchte Künstler ist Giorgio de Chirico (1888 – 1978) Er hat zunächst in Athen und danach in München studiert. Beeinflusst war er in dieser Zeit vor allem durch Arnold Böcklin und Max Klinger, beide sind wichtige Vertreter des deutschen Symbolismus, und seine Malerei – das gilt besonders für seine Frühphase, die ihn berühmt gemacht hat – ist ja in der Tat sehr ‚symbolisch‘ aufgeladen. Dazu soll er Schopenhauer und vor allem Nietzsche gelesen haben, dessen Beschreibungen von menschenleeren Plätzen er sichtbar gemacht hat. Der ‚Stil‘, den er mit erfunden hat, ist die ‚Pittura metafisica‘ – damit hat er wesentlich auf den Surrealismus Einfluss gehabt.

Das Bild, um das es in dem Rätsel ging, hat er in der Tat erst 1948/49 gemalt – stilistisch gehört es aber in seine Frühphase – er kopierte in seinem späteren Leben seine frühen Arbeiten mit leichten Veränderungen, weil sie sich besser verkaufen ließen als seine späteren. Der Titel ist ‚Piazza d’Italia‘ – aber es gibt von ihm ganz ähnliche Bilder, denen er andere Titel gegeben hat.

Ich kann hier leider keine Originalabbildung einfügen – die Bilder de Chiricos sind zu ‚neu‘, um sie ungestraft zeigen zu können. Das Bild lässt sich aber leicht im Artikel über de Chirico bei Wikipedia anschauen.

Auf meiner Nachzeichnung habe ich die Fluchtlinien mit eingefügt, man kann gut daran sehen, wie frei er mit der ‚Perspektive‘ umgegangen ist, um die Leere des Raumes und die Unheimlichkeit des Abgebildeten zu verstärken. An sich müssten sich die nach ‚hinten‘ verlaufenden Linien ja in einem Punkt schneiden – in seinen Bildern enden sie aber im Nirgendwo.

Von insgesamt siebenundzwanzig  Teilnehmern habe ich richtige Lösungen bekommen. Und gewonnen hat dieses Mal die Nummer 19. Und da stand ‚Elena Orsini‘.

Cara signora Orsini,

mi mandi il suo indirizzo postale — damit ich Ihnen die versprochene Zeichnung schicken kann. Bitte schreiben Sie mir auch noch, ob Sie die Zeichnung dann koloriert haben möchten…

Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Auflösung Kunsträtsel 7

Der gesuchte Künstler beim letzten Rätsel war Gian Lorenzo Bernini (1596 – 1680)

Wie ich dort schon geschrieben hatte, war er in der Tat außergewöhnlich vielseitig. Zwar war er hauptsächlich Bildhauer, aber er hat auch Karikaturen gemacht, gemalt, Paläste gebaut und eben den Platz vor San Pietro  so geschickt gestaltet, dass die Kirche, trotz nicht glücklicher Proportionen gut aussieht.

Vor allem aber war er ein begnadeter Bildhauer. Die gesuchte Skulpturengruppe steht in der Villa Borghese in Rom. Es handelt sich um Apoll und Daphne, und tatsächlich wird die Verwandlung Daphnes in einen Lorbeerbaum auf eine wunderbare Weise dargestellt.

Architas, Apollo and Daphne (Bernini), CC BY-SA 4.0

Bei dem Ausschnitt auf der linken Seite kann man noch einmal die Kunstfertigkeit Berninis bewundern. Dass es überhaupt möglich ist, solch dünne Blätter aus einem Material wie Marmor herauszuschlagen – das ist für mich in der Tat unvorstellbar.

Architas, Apollo and Daphne (Bernini), CC BY-SA 4.0

Auflösung Kunsträtsel 6

Der gesuchte Künstler ist Alberto Giacometti. Etwas, was viele Rätselfreundinnen und –freunde erstaunt hat – er ist trotz seines Namens kein Italiener sondern Schweizer.

Die gesuchte Gruppe von Skulpturen heißt je nach Aufstellungsort ‚la piazza‘, ‚ city square‘ oder ‚la place‘.

Zeichnung von Dr. Rainer Grimm

Die philosophische Richtung, die aus meiner Sicht in der Skulpturengruppe sehr deutlich wird, ist der Existenzialismus – auch die Phänomenologie spielt sicher damit hinein. Heidegger, einer der Begründer der Existenzphilosophie hat schließlich bei Edmund Husserl studiert.

Da es im Netz keine kostenfreie Abbildung gibt, habe ich dieses Mal  eigene Zeichnungen der gesuchten Arbeit eingefügt. Wer eine fotografische Abbildung sehen möchte, kann sie ohne weiteres unter Giacometti: La Piazza finden. Ich habe bewusst verschiedene Ansichten der Gruppe gewählt, um mir selbst über die Bewegungsrichtungen  der unterschiedlichen Figuren Klarheit zu verschaffen.

Es lohnt sich in der Tat immer, sich eine Skulptur oder Plastik von verschiedenen Seiten anzuschauen und sich dabei zu überlegen, welches eigentlich die besten Ansichten sein könnten. In Museen kann man dabei manchmal feststellen, dass die Kuratoren nicht immer die Arbeiten bestmöglich aufgestellt haben.

Auflösung Kunsträtsel 5

Piero della Francesca (etwa 1410/15 – 1492)
Der Traum des Konstantin

Fresco aus dem Zyklus: Die Legende des wahren Kreuzes. Das Bild ist über drei Meter hoch – die Figuren sind also in Lebensgröße gemalt. Die insgesamt zehn Fresken befinden sich im Chor von San Francesco in Arezzo / Toskana. Für mich ist es schon sehr erstaunlich, wie Piero hier mit Licht gearbeitet hat. Das hat es aus meiner Sicht vorher so noch nie gegeben.

Piero della Francesca artist QS:P170,Q5822, Piero della Francesca 017 a, Ausschnitt, CC0 1.0

In der Folgezeit privilegierte er das Christentum – und letzten Endes  kann man sagen, dass es durch dieses Ereignis sich insgesamt durchsetzen konnte.

In den anderen Bildern wird die legendenhafte Geschichte des ‚wahren Kreuzes‘  vorgestellt. Dabei gibt es weitere großartige Bilderfindungen – bei Wiki kann man sich die Bilder schon einmal anschauen. Aber es lohnt sich auch unbedingt, selbst  nach Arezzo zu fahren um  den Zyklus im Original zu bewundern.

Neben der bildnerischen Qualität der einzelnen Arbeiten ist es auch immer ein besonderes Erlebnis, Bilder an dem Ort zu sehen, für den sie bestimmt waren.

Auflösung Kunsträtsel 4

Das Bild, das im letzten Rätsel gesucht wurde, ist von Giotto. Dargestellt ist die ‚Anbetung der Heiligen drei Könige‘ – im Italienischen ‚Adorazione dei Magi‘. Der Auftraggeber dieser Kapelle und des Freskenzyklus war Enrico Scrovegni – sein Vater Rinaldo war der berüchtigte Wucherer.

Die Kapelle wird auch häufig ‚Arenakapelle‘ genannt – Enrico Scrovegni, ein reicher Adeliger in Padua  hatte das Gelände, auf dem die alte römische Arena gewesen war, gekauft und dort einen Palast und genau daneben die Kapelle bauen lassen.

Giotto artist QS:P170,Q7814, Giotto – Scrovegni – -18- – Adoration of the Magi, Ausschnitt, CC0 1.0

Dieses Rätsel haben viele Rätselfreunde gelöst und mir dazu sehr nette Mails geschickt. Ein sehr bedenkenswerter Hinweis kam von der Präsidentin der DIG Bielefeld, Frau Dr. Hecht, sie weist auf das unlösbare Problem hin, dass große Kunst ohne die Akkumulation von Geld kaum möglich wäre. Und in der Tat hätte Giotto in Padua nicht so wunderbare Sachen hinterlassen können, wenn Enrico Scrovegni nicht einen so schlimmen Vater gehabt hätte.

Nun, wie es auch ist – wenn Sie einmal in die Nähe von Padua kommen, besuchen Sie unbedingt diesen wunderschönen Ort. Aber – besorgen Sie sich vorher die Karten!

Nun aber zum nächsten Rätsel

Auflösung Kunsträtsel 3

Liebe Kunst-, Italien- und Rätselfreundinnen und -freunde …

… hier ist die Auflösung des dritten Rätsels …

Beim letzten Rätsel habe ich eine ganze Reihe von Zuschriften bekommen – herzlichen Dank dafür. Es ist für mich in der Tat doch immer eine große Freude, wenn ich Mails dazu erhalte – als Autor schreibt man ja gewissermaßen ins Leere, und da ist es schön, wenn man Reaktionen auf das bekommt, was man sich ausgedacht hat.

Ich hatte als Preis ja die Zeichnung eines Teils des ‚ Arco di San Domenico‘ in Bologna ausgesetzt…..der Preis geht nach Göttingen und wird in den nächsten Tagen verschickt.

Und hier ist die Auflösung des letzten Rätsels: Der Künstler ist Umberto Boccioni, der Titel des Bildes lautet im Italienischen: ‚La strada entra nella casa‘. Auf Deutsch dagegen lautet er: ‚Der Lärm der Straße dringt ins Haus‘. Warum er im Deutschen um den ‚Lärm‘ erweitert worden ist, das weiß ich nicht. Wer es noch nicht kennt – es hängt im Sprengel Museum Hannover. Und trotz  der wilden Bekundungen des Künstlers ist es jetzt ein wichtiger Bestandteil der ‚Klassischen Moderne‘ im Museum.

Die ganze Kunstrichtung ist der ‚Futurismus‘ und der Begründer und einer der Hauptvertreter war Filippo Tommaso Marinetti. Und natürlich ist die ganze Richtung durch die Verherrlichung des Kriegs und der unangenehmen Nähe zu Mussolini und seinen Faschisten höchst anrüchig.

Umberto Boccioni artist QS:P170,Q152797, Umberto Boccioni, 1911, The Street Enters the House, oil on canvas, 100 x 100.6 cm, Sprengel Museum, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Auflösung Kunsträtsel 2

Liebe Kunst-, Italien- und Rätselfreundinnen und -freunde …

… hier ist die Auflösung des zweiten Rätsels …

Michelangelo Buonarotti: Moses 1515 -16, San Pietro in Vincoli Rom

Michelangelo Buonarotti: Moses; Wikimedia

An sich war die Skulptur als eine von vielen für das riesig geplante Grabmal des Papstes Julius vorgesehen. Aus den verschiedensten Gründen kam es schließlich nur zu der kleinen Fassung.

I, Sailko, Tomba di giulio II, progetto del 1513, CC BY-SA 3.0

Um sich vorzustellen, wo der Moses ursprünglich sitzen sollte, zeige ich hier den zweiten Entwurf  von 1513. Man sieht Moses auf der linken Seite auf dem mittleren Podest. Deutlich wird, dass er auf Untersicht berechnet war. Für Michelangelo war es eine Tragödie, dass das Grabmal nicht so  ausgeführt werden konnte, wie es ursprünglich geplant war.

Siegmund Freud hat einen sehr interessanten Aufsatz über den Moses und seinen Schöpfer Michelangelo geschrieben – es lohnt sich unbedingt ihn einmal zu lesen…

Auflösung Kunsträtsel 1

Liebe Kunst-, Italien- und Rätselfreundinnen und -freunde …

… hier ist die Auflösung des ersten Rätsels …

Der Künstler ist Sandro Botticelli (1445–1510) und das gesuchte Bild ist ‚La Primavera‘ (der Frühling). Bewundern kann man es in den Uffizien. Gemalt hat es Botticelli anlässlich einer Hochzeit für einen Medici aus der Nebenlinie.

Sandro Botticelli artist QS:P170,Q5669, Botticelli-primavera, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Das Gedicht aber ist von Lorenzo il magnifico (1449–1492) im Original lautet es:

Quant’è bella giovinezza
Che si fugge tuttavia
Chi vuol esser, sia
Di doman c’è certezza

Zum ersten Rätsel hat es einige nette Zuschriften gegeben (herzlichen Dank dafür). Und da haben wir uns natürlich gefragt, wie wir damit umgehen sollen. Wir haben uns nun überlegt, dass wir bei den nächsten Rätseln einen kleinen Preis aussetzen wollen.

Wer uns also die Auflösung des folgenden Rätsels schickt, nimmt automatisch an einer kleinen Verlosung teil – nächstes Mal kann man diese Zeichnung von Santa Maria della Salute mit einem ‚Spritz‘ im Vordergrund (letztes Jahr von der Giudecca aus kurz vor dem Abendessen von mir gezeichnet) gewinnen.

Cordiali saluti