Die Europäer und das falsche Indien:
Wie die Italiener Amerika „entdeckten“
26.06.2026
Veranstalter: DIG Kassel e.V.
Referent: Dr. Andreas Mohr
Veranstaltungsort: Kirche im Hof in Kassel
Epilog: Wie sich der Abend über einen Kontinent senkte oder:
Das Verhängnis der Begegnungen von indigenen Amerikanern
und Europäern im späten 15. und 16. Jahrhundert
1) Die Vorgeschichte der Begegnungen zwischen Alter und Neuer Welt
Als die Sonne der Menschheitsgeschichte das Jahr 1491 bescheint, prangt der gigantische amerikanische Doppelkontinent majestätisch auf dem Antlitz unserer Erde, morgenwärts entlang der Atlantikküste den Gestaden Afrikas gegenüber gelegen, der Wiege der Menschheit und Europa zugewandt, westwärts flankieren seine Küsten und Gestade die unendlich große Wasserwüste des Pazifischen Ozeans. Doch von Baffin Island im äußersten Norden des Kontinents, von Alaska im Nordwesten bis nach Feuerland im Süden werden die Landmassen dieses Erdteils, der – von Europa aus gesehen – in nicht allzu lang vorausliegender Zeit als die „Neue Welt“ bekannt werden wird, von vielen Siedlungsgruppen und Völkerschaften bewohnt. Die Einwohner des amerikanischen Doppelkontinents bewohnen diesen Erdteil im Jahre 1491 bereits mehr als 28.000 Jahre; kurz vor dem Eintreffen der ersten Spanier in der Karibik siedeln sie in tausenden von Dörfern, Weilern, aber auch stadtähnlichen Großsiedlungen, in wirklichen Städten und – ja auch in Metropolen. Die größten indigenen Städte, wie Tenochtitlán, die Hauptstadt des Aztekenreiches oder wie Cuzco, die Hauptstadt des mächtigen Inkareiches in Peru oder wie Chichen Itza, die größte der Mayastädte, erreichen Einwohnerzahlen von mehreren zehntausend Bewohnern und übertreffen damit die Bevölkerungszahlen der meisten europäischen Städte. Die Alten Amerikaner betreiben intensive wie extensive Landwirtschaft, sie bauen Mais, Kartoffeln, Quinoa, Amarant, Süßkartoffeln, Maniok, Papaya, Ananas, Erdnüsse, Chilischoten, Kakao- und Gartenbohnen, Kürbisse, Tomaten, Baumwolle und Tabak an. Sie betreiben Viehzucht und Viehwirtschaft und halten sich Truthähne, Lamas, Alpakas, Meerschweinchen und Enten. Sie gehen auf die Jagd und stellen auf Prärien, in Dschungeln, Wäldern und in Steppengebieten dem Federwild, dem Tapir, dem Bison und dem Jaguar nach. Sie sammeln Honig und befahren mit ihren Kanus die Flüsse und Küsten der Neuen Welt und bedienen sich am Reichtum der vielen Fischarten, die in Amerika heimisch sind; sie ernten Meeresfrüchte aus den Gewässern der Küstenregionen. Sie errichten Behausungen, Tempel, Pyramiden und Hafenanlagen aus Holz, Lehm, Maisstroh, Schilfrohr, Stein, Baumpech und Stuck. Sie befassen sich mit Mathematik und Astronomie, beobachten den gestirnten Himmel, erstellen komplexe Kalendersysteme und entwickeln eigene Schriftzeichen. Bereits lange vor der Ankunft der ersten Spanier und Portugiesen existiert in Mesoamerika – in den beiden Kulturkreisen der Maya und Azteken – eine reichhaltige indigene Literatur, festgehalten in Codices, in Büchern, die von Schriftkundigen verfasst und gehütet werden. Einige Gemeinwesen leben als nomadische Jäger und Sammler, andere sind als sesshafte Ackerbaukulturen etabliert. Andere Kulturen bilden große, fast schon bürokratisch organisierte Reiche, an deren Spitze Herrscher und Fürsten stehen. In ihren Gesellschaften entstehen Eliten von Großgrundbesitzern und reichen Kaufleuten neben Bauern, Handwerkern, Fischern, Bauarbeitern und Priestern. Die bedeutendsten dieser Reiche sind um 1490 das mächtige Reich der Azteken im heutigen Zentralmexico, die verschiedenen Fürstentümer und Stadtstaaten der Maya auf der Halbinsel Yucatán im Südosten Mexicos sowie das größte und mächtigste aller Reiche der Neuen Welt: das monumentale Imperium der Inka, das sich von Ecuador im Norden über Peru bis nach Chile und Argentinien im Süden erstreckt und sämtliche Siedlungs- und Kultgruppen des Andenraumes unter einem Banner – den Hoheitszeichen des Sapa Inka, des Sohnes der Sonne, eint. Und während die Inuit im Norden des heutigen Kanada unter arktischen Lebensbedingungen in der Tundra auf Robbenjagd gehen und in Behausungen aus Schneeblöken, so genannten Iglus, leben, wohnen die Jäger- und Sammlerkulturen der Great Plains im heutigen Westen der USA in hexagonalen Zelten aus Holz und gegerbten Tierhäuten, leben die Bauern und Handwerker der Maya und Azteken in Häusern aus Holz, Lehm und Maisstroh, während die Elite in prunkvollen Palastanlagen aus Lehmziegeln, aber auch aus Stein residiert und die Städte Mesoamerikas von prächtigen und architektonisch herausragenden öffentlichen Gebäuden wie Pyramiden, Tempelanlagen oder Ballspielplätzen gesäumt sind. Ein ausgeklügeltes Straßennetz durchzieht die hochkulturellen Reiche Mesoamerikas, insbesondere aber das Inkareich an der Westflanke Südamerikas. Den Bevölkerungen der hochkulturellen Reiche steht eine ausgefeilte und bewährte Medizin zur Erhaltung ihrer Gesundheit und zur Heilung von Verletzungen und Krankheiten zur Verfügung. Chirurgen behandeln bereits Knochenbrüche und Zahnleiden, führen Trepanationen durch und stellen aus Pflanzen, Mineralien und Harzen hochwirksame Medikamente her. In hoher Blüte stehen auch Kunst und Kunsthandwerk. Farbenfrohe, naturalistische, mithilfe von Pigmentfarben erstellte Gemälde, Stuckornamente und Reliefs schmücken die Wände von Tempeln, Pyramiden, Palästen und anderen Gebäuden. Aus Gold und Silber werden edler Schmuck, Masken, Stirnreifen und Griffe gefertigt. Bunte, prächtige Vogelfeldern schmücken die Kopfputze der Herrscher und Adeligen der großen Reiche; aus Baum- und Lamawolle fertigt man kunstvoll gewebte und geschnittene Textilien für sämtliche Schichten der Bevölkerung, die teils aufwendig mit Naturfarben gefärbt, mit Stickmustern und Metallschmuck vierziert sind. Die Ökonomien der Maya und Azteken kennen zudem bereits regelrechte Währungen, denn beide Völker verwenden getrocknete Garten und Kakaobohnen als abstraktes, homogenes Zahlungsmittel. Mächtige Herrscher, wie der Fürst der Azteken oder der Sapa Inka in Peru, stellen große Kriegerheere auf, die sie mit effektiven Waffen aus Holz und Obsidian, mit Pfeil und Bogen, mit Speer und Keule, Lanze und Steinschleuder ausstatten. Trotz aller ökonomischen und kulturellen Leistungen der indigenen Kulturen ist das präkolumbische Amerika um 1490 keine friedliche Welt: zwischen Reichen und Stadtstaaten, zwischen Stammesgemeinschaften und Siedlungsgruppen aller Art kommt es immer wieder zu Konflikten und blutigen Kriegen, zu Eroberungen und Unterwerfungen besiegter Nachbarvölker.
Als das Jahr 1491 anbricht, befinden sich die Kulturen und Ökonomien der indigenen Reiche und Völker unbestritten auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Das gewaltigste Großreich der Neuen Welt erstreckt sich fast über die gesamte Westflanke des südlichen Teils des Doppelkontinents, Mesoamerika ist unter der Herrschaft von Maya und Azteken die am dichtesten bevölkerte Region der Erde, die Astronomen und Gelehrten der Maya rechnen bereits mit der mathematischen Null und die Bauern im Tal des Mississippi in Nordamerika haben in jahrhundertewährenden Bauprojekten ein topografisches System von grandiosen Erdmonumenten, den so genannten Mounds, errichtet. Zwischen den indigenen Reichen und Gemeinschaften Amerikas bestehen intensive Handelskontakte und Kulturaustausch. Die Völker der Chimu und Inka verwenden neben Gold, Silber und Kupfer in Handwerk und Kunst auch die Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, die seit der Chimuzeit hergestellt werden kann. Kaufleute transportieren Handelsgüter von Peru und durch das heutige Kolumbien, über den Isthmus von Panama nach Mesoamerika und noch weiter darüber hinaus nach Norden, zu den Pueblobauern im heutigen Südwesten der USA und ins Mississippital. Innerindigene Fernhandelsgüter sind u.a. Türkise, Obsidian, Jadegestein, Vogelfedern, Keramik, Kautschuk, Baumwolle, Muscheln, Edelsteine, Tabak, Kakaobohnen, Holz, Honig, Felle, Textilien, Perlen und Sklaven. Gut organisierte Vorratswirtschaft verhindert weitgehend Hungersnöte oder Versorgungsschwierigkeiten der Bevölkerungen der indigenen Reiche und Siedlungsgruppen. In dieser Blütezeit der indigenen Kultur der Neuen Welt leben etwa 100.000.000 Menschen auf dem gesamten amerikanischen Doppelkontinent. Seine Einwohner können nicht ahnen, dass sich schon bald, in nur wenigen Monaten, ihre Welt und ihr Leben für immer ändern wird und dass sich mit der Ankunft fremder, weißer Männer aus dem fernen Osten auf hölzernen Schiffen an den Küsten ihrer Inseln und Länder der Abend über ihren Kontinent und ihre Kulturen senken wird.
Zur selben Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks: Die Europäer des späten 15. Jahrhunderts sehnen sich nach neuen Wegen zu den Gewürzmärkten Asiens, im Speziellen der Molukken und Indiens. Die europäischen Eliten begehren die Spezereien des Ostens, die Seide Chinas, das Lapislazuli Afghanistans und lesen im Rahmen einer immer literater werdenden Gesellschaft die Texte von Reiseschriftstellern wie dem Venezianer Marco Polo oder dem Abenteurer Jean de Mandeville. In den Texten dieser mittelalterlichen Reisenden und Schreiber ist nicht nur von der Wunderwelt der Gewürze und Spezereien Indiens und der Molukken die Rede, sondern auch von unglaublich reichen Goldvorkommen auf der Insel Zipango (gemeint ist in den historischen Texten damit wahrscheinlich das heutige Japan) im fernöstlichen Meer, noch östlicher gelegen als das sagenumwobene China, aus dem Tee und Seide kommen. Einen direkten Weg, mithin also direkte Handelsrouten zu diesen Ursprungsorten von Pfeffer, Muskatnuss, Zimt und Nelken zu finden, ohne auf den heimischen Märkten weiterhin die überteuerten Gewürze kaufen zu müssen, die zuvor zigfach durch die Hände gewinnorientierter Zwischenhändler gegangen und die daher nur zu sündhaft teuren Preisen zu haben sind, dies ist die Vision kühner Kartographen, Gelehrter und Kaufleute während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Den übrigen Europäern gehen dabei die Portugiesen voran und beginnen im Laufe des 15. Jahrhunderts damit, auf ihren hölzernen Schiffen die Küste Afrikas hinab zu segeln mit dem Ziel, durch eine Umrundung dieses Südkontinents schließlich irgendwann glücklich nach Indien – dem ersehnten Traumziele der Abenteurer und Desperados zu gelangen. Während also portugiesische Kartographen und Seeleute den Weg nach Indien entlang der afrikanischen Küsten erforschen, lenkt der Genuese Christoph Kolumbus (1451 – 1506) das Interesse südeuropäischer Eliten auf den Weg von der iberischen Halbinsel aus nach Westen, über den Atlantik, um auf der westlichen Route einen Seeweg nach Indien und damit zur Quelle der begehrten Gewürze und Edelmetallvorkommen zu finden. Für die damaligen Europäer entspricht die Welt der Geographia des griechisch-römischen Kartographen Claudius Ptolemäus aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. Die Werke dieses griechischen Gelehrten der römischen Antike sind erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts wiederentdeckt worden, üben aber auf das geographische Weltbild der europäischen Bildungselite des Spätmittelalters einen großen Einfluss aus. Gemäß den Darstellungen und Erklärungen bei Ptolemäus besteht die Welt für die europäischen Zeitgenossen des 15. Jahrhunderts aus drei Kontinenten: Asien, Europa und Afrika. Als Ptolemäus seine Kosmographie entwickelte, wusste er nur von diesen drei „alten Erdteilen“. Europa war in dieser Sicht auf die Welt der am besten bekannte Kontinent, der auch zu Ptolemäus‘ Zeiten vollständig erkundet war. Afrika ist auf den Karten des europäischen Spätmittelalters jenseits der Sahara zu Ende; man weiß natürlich, dass der Kontinent weiter nach Süden hinabreicht, doch werden diese Gebiete laut der damaligen geographischen Vorstellungen als „verbrannte Länder“ bezeichnet, da man glaubt, dass die Sonne am Äquator so stark ist, dass sie alles versengt und daher auch kein menschliches Leben mehr möglich sei. Für die Europäer der Jahre um 1490 endet die Welt im Osten in China bzw. im Bereich der noch östlich davon gelegenen Insel Zipango, dem heutigen Japan. Ptolemäus dachte nicht an die Existenz weiterer Erdteile; er nahm an, die Welt sei jenseits des riesigen Meeres östlich von China und Zipango (Japan) zu Ende. Andererseits hätte man diesem Weltbild zufolge dann aber auch auf westlicher Route von Spanien oder Portugal aus – über den Ozean reisend – China oder Zipango erreichen können, denn dass die Welt eine Kugel ist, dies ist Standardwissen der europäischen Geographie des Mittelalters und den Bewohnern der Alten Welt theoretisch bereits seit der griechischen Antike, genauer spätestens seit dem dritten Jahrhundert v. Chr., bekannt, als der alexandrinische Gelehrte Eratosthenes (276/273 – 194 v. Chr.) den Erdumfang annähernd zutreffend errechnete, auch wenn bereits frühere griechische Gelehrte wie z.B. Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) von einer Kugelgestalt der Erde ausgegangen waren. Die Kugelgestalt der Erde ist um 1490 in Europa und der östlich und südlich davon angrenzenden muslimischen Welt also allgemein akzeptiertes Wissen, sozusagen universeller Konsens.
Das theoriegeschichtliche Problem besteht in der Verquickung dieser geographischen und kosmologischen Wissensgrundlage des späten 15. Jahrhunderts mit den Lesefrüchten, welche sich die gebildeten Zeitgenossen dieser Epoche aus der Lektüre der Reisebeschreibungen des venezianischen Kaufmanns Marco Polo (1254 – 1324) sowie des im 14. Jahrhundert schreibenden französischen Autors Jean de Mandeville angeeignet haben. Marco Polos Beschreibungen zufolge ist Indien sehr weit entfernt und voller Wunder. Seine Wälder sollen die höchsten der Erde sein und in den Wäldern leben angeblich Pygmäen, die ihre Kinder nach Ablauf drei voller Jahre gebären, bevor sie in ihrem achten Lebensjahr sterben. Manche Menschen besitzen diesen Erzählungen zufolge nur ein Auge, andere haben keinen Kopf und tragen ihre Augen an den Schultern. Man soll dort Marco Polo zufolge auf uralte Menschen treffen, die mit 12 Armen ausgestattet sind und mit ihren Krallen kämpfen; die Löwen in diesen Ländern haben Flügel and Adlerklauen. Der ferne Osten, Indien, China und Zipango: die Schilderungen und Beschreibungen über den Orient regen die Phantasie des Christoph Kolumbus, eines aus Genua stammenden Wollhändlers und Seefahrers, an. Er ist fasziniert von den „Wundern der Welt“ in den Schilderungen von Autoren wie Polo oder de Mandeville. Sie beschreiben Indien und China als mythische Länder, die von edlen Fürsten und Kriegern regiert werden. Kolumbus geht – wie alle seine europäischen und arabischen Zeitgenossen – davon aus, dass die Länder des fernen Ostens, des östlichen Asiens, ein großer Markt sind, der alle Reichtümer und Spezereien bietet: Gold, Silber, Gewürze und Edelsteine. Das mehr und mehr in seinen Planungen Gestalt annehmende Projekt des Christoph Kolumbus, durch eine Fahrt auf hölzernen Karavellen von Südeuropa aus nach Westen segelnd die Ostflanke Asiens zu erreichen, steht von Anfang an also auch unter der Prämisse des Erwerbs von Reichtum und Gewinn, entspricht demnach ebenso sehr dem Denken eines Kaufmanns wie dem eines Reiseliteratur rezipierenden Abenteurers. Doch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind die Schätze Indiens, Chinas und Zipangos für die christlichen Europäer nahezu unerreichbar geworden. Der Landweg, über den Europa und Asien seit Jahrhunderten Handel treiben, die legendäre Seidenstraße, auf welcher Marco Polo im 13. Jahrhundert noch gereist ist, ist um 1490 seit fast vierzig Jahren versperrt, da Konstantinopel, die ehemalige Hauptstadt des Byzantinischen Reiches im Jahre 1453 von den muslimischen Osmanen unter ihrem Herrscher Sultan Mehmed II. erobert worden ist. Seit der Mitte der 1450er Jahre versperren die türkischen Osmanen den christlich-europäischen Kaufleuten aus dem Westen den Landweg über Konstantinopel, Kleinasien und die Levante nach Indien sowie darüber hinaus. Die christlichen Europäer sehen sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Osten und Süden mit militärisch starken muslimischen Nachbarn konfrontiert, gegen deren Widerstand ein Durchkommen nach Indien und China – zur Quelle der begehrten Gewürze, Edelsteine und Edelmetalle – nun nicht mehr möglich ist. Während jedoch portugiesische Navigatoren und Kartographen dieses Problem durch eine Umrundung des afrikanischen Kontinents über See in Richtung Süden und Osten zu lösen versuchen, macht sich Christoph Kolumbus um 1480 in den beiden für sein Projekt geeignetsten Ländern Europas – Portugal und Spanien – auf die Suche nach den Mitteln zur Verwirklichung seiner Pläne. Kolumbus besitzt als im Mittelmeer und dem westlichen Atlantik tätiger und erfahrener Seefahrer hervorragende Kenntnisse in Navigation von Schiffen, die ihm sicher mehr als einmal das Leben gerettet haben. Doch reichen diese nautischen Kompetenzen allein nicht aus, um die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Lissabon und Valladolid (im 15. und 16. Jahrhundert die Hauptstadt Spaniens) von seinem Vorhaben, einen westlichen Seeweg nach Indien finden zu wollen, zu überzeugen. Eine wichtige geographische Frage ist unter Gelehrten Ende des 15. Jahrhunderts in den gebildeten Kreisen Europas noch unbeantwortet: Wie groß ist der Umfang der Erde wirklich? Zwar haben bereits in der hellenistischen Antike griechische Mathematiker wie Eratosthenes diese Frage annähernd exakt beantwortet, doch sind die Handschriften mit ihren Erkenntnissen teils in Europa um 1490 noch nicht wiederentdeckt, teils steht das Wissen der antikgriechischen Gelehrten in Konkurrenz zu anderen Erklärungsmodellen; und einen Konsens, welche Berechnung die korrekte sei, gibt es damals noch nicht. Zudem liegt zum Ende des 15. Jahrhunderts eine empirische Überprüfung des tatsächlichen Erdumfangs durch eine Umsegelung der gesamten Weltkugel noch nicht vor. Diese Leistung werden erst rund dreißig Jahre später der Portugiese Fernão de Magalhães und der Spanier Juan Sebastián Elcano vollbringen (Erste Weltumsegelung 1519 – 1522). In Sevilla in Andalusien versucht Kolumbus, sein Projekt mit wissenschaftlichen Daten zu untermauern. Er studiert alle seit der Antike verfassten Texte zu dieser Thematik -soweit diese am Ende des 15. Jahrhunderts in europäischen Bibliotheken verfügbar sind. Ein Brief des aus Florenz stammenden Astronomen, Kartographen und Mathematikers Paolo dal Pozzo Toscanelli (1397 – 1482) an den damaligen König von Portugal bestärkt Kolumbus in seinem Vorhaben. In diesem Brief aus dem Jahr 1474 teilt Toscanelli dem König von Portugal, Alfons V. (1442 – 1481), mit, dass Asien von Europa aus auf westlichem Wege über das Meer erreichbar sei. Toscanelli hat dem Brief eine von ihm selbst gezeichnete Weltkarte beigefügt und gibt die von ihm angenommene Entfernung zwischen Portugal und China mit 6.500 Seemeilen an, was tatsächlich eine viel zu kurze Distanz ist (die wirkliche Entfernung beträgt rund 11.000 Seemeilen). Aus einem in den 1480er Jahren erfolgten Briefwechsel mit Toscanelli selbst schöpft hingegen Christoph Kolumbus – der um die Fehlerhaftigkeit der Entfernungsannahmen in Toscanellis Berechnung freilich nicht wissen kann – Bestätigung und neuen Mut für sein Projekt. Für die zurückzulegende Strecke von der iberischen Halbinsel nach Asien plant Kolumbus – gestützt auf Toscanellis falsche Daten – eine Entfernung von umgerechnet rund 4.500 Kilometern ein, obwohl es in Wirklichkeit mehr als 20.000 Kilometer sind. Toscanelli glaubt, dass sich Europa und Asien zusammen über etwa zwei Drittel des Erdumfangs erstrecken, wodurch der Ozean dazwischen nur ein Drittel des Umfangs der Erde ausmachen kann – ein fataler Irrtum. Als er die Geographie des Claudius Ptolemäus studiert, entdeckt Kolumbus in dieser Schrift die Berechnungen eines anderen antiken Geographen des zweiten Jahrhunderts n. Chr., nämlich des Marinos von Tyros. Marinos ging von einem noch geringeren Erdumfang bzw. einer noch geringeren geographischen Distanz zwischen Europa und Asien über den westlichen Ozean aus als Ptolemäus und später Toscanelli. Da die von Marinos getroffenen Annahmen der Umsetzung seines Projekts noch mehr entgegenkommen als die bei Ptolemäus und Toscanelli vorfindlichen Daten, plant der genuesische Seefahrer nun sein Projekt auf der Grundlage der Berechnung des Marinos von Tyros. Dies bewirkt, dass seine Berechnungen des Erdumfangs und der Größe Asiens falsch sind und so verschätzt er sich bei der Bestimmung der zurückzulegenden Entfernung um umgerechnet viele tausend Kilometer. Das ironische an diesem Umstand ist, dass Kolumbus ohne diese Fehler seine Reise auf drei kleinen spanischen Schiffen in westlicher Richtung über den Atlantik wohl niemals unternommen hätte. Der Grund, warum er und die mit ihm reisenden Seeleute und Matrosen nicht auf hoher See dem sicheren Tode anheimfallen, liegt darin, dass sie zufällig und völlig unerwartet im Oktober 1492 auf die Inselwelt der Karibik stoßen, die der amerikanischen Festlandküste vorgelagert ist und von deren Existenz sowohl die Europäer als auch die Muslime des Nahen und Mittleren Osten damals keinerlei Kenntnis haben. Fälschlicherweise geht Kolumbus – zunächst in völliger Übereinstimmung mit seinen europäischen Zeitgenossen – also davon aus, in Indien gelandet zu sein, als er am 12. Oktober 1492 die heute zu den Bahamas gehörende Insel Guanahani erreicht. Welche Folgen Rechenfehler doch innerhalb des Verlaufs der Menschheitsgeschichte haben können! Heute wissen wir, dass die Experten an den Königshöfen von Portugal und Spanien die Pläne des Kolumbus nicht deshalb ablehnen, weil sie glauben, dass die Erde eine Scheibe sei, sondern weil ihre mathematischen Berechnungen zu beweisen scheinen, dass sich Kolumbus hinsichtlich des Erdumfangs und daher auch der Entfernung zwischen Europa und Asien über den westlichen Ozean hinweg gewaltig verschätzt hat. Sie, die skeptischen Gelehrten, haben Recht und dennoch erschließt der Genueser Seefahrer in den Jahren ab 1492 der spanischen Krone neue Ländereien in der Karibik! Als Kolumbus, der ab 1477 zeitweise in Lissabon lebt, mit seinen phantastischen Plänen am Hofe von Portugal nicht durchdringen kann – der portugiesische König und seine Gelehrten halten ihn völlig zu Recht für einen Phantasten und Träumer – wendet er sich nach Spanien, nach Valladolid, an den Hof der Majestäten von Kastilien und Aragon, Isabella I. (R 1474 – 1504) und Ferdinand II. (R 1468 – 1516). Obwohl gerade die Königin Isabella für den flamboyanten Schwärmer und Seefahrer gewisse Sympathien aufbringt, verweist das spanische Fürstenehepaar das Anliegen des genuesischen Abenteurers doch an den aus renommierten Akademikern, Geographen, Mathematikern und Theologen zusammengesetzten Rat von Salamanca, welcher Kolumbus ausführlich anhört und nach Abwägung aller Argumente, allen Fürs und Widers, im Jahre 1486 die Pläne des italienischen Phantasten rundheraus ablehnt. Kolumbus kämpft für seine Sache, sein Projekt, weitere sechs Jahre lang. Er wird verlacht, gedemütigt und für einen Schwätzer gehalten. Dennoch kann er im Frühjahr des Jahres 1492 das spanische Königspaar Isabella und Ferdinand dazu bewegen, seine Pläne zu unterstützen. Gerade zur Jahreswende 1491/1492, am 02. Januar 1492, haben die spanischen Majestäten die Jahrhunderte andauernde Reconquista, die Rückeroberung des seit 711 n. Chr. von den muslimischen Mauren und Arabern beherrschten und besiedelten Teils der iberischen Halbinsel, beendet und sind feierlich in die – nun ehemalige – Hauptstadt des Emirats von Granada (1238 – 1492) eingezogen. Als Kolumbus in Granada anlangt, halten Isabella und Ferdinand gerade in der weltberühmten Alhambra, dem Schloss der maurischen Fürsten, Hof. Nun sind die finanziellen Mittel des spanischen Königreiches nicht mehr fast ausschließlich durch den Krieg gegen die Mauren gebunden; man überlegt sich, finanzielle Mittel für ein Risiko dieser Art – auch wenn die Aussichten auf Erfolg relativ gering erscheinen – bereitzustellen. Was hat man denn außer den Kosten der Reise etwa in Höhe von Aufwendungen für ein Bankett bei Hofe schon zu verlieren? Und so empfangen die beiden Majestäten den genuesischen Abenteurer nach anfänglichen Verhandlungsschwierigkeiten am 17. April 1492 in Santa Fé vor den Toren Granadas und schließen mit ihm einen Vertrag über die Ausrüstung einer Flotte von drei Schiffen unter seinem Kommando und über seine Ansprüche als Admiral und Vizekönig aller möglicherweise zu entdeckenden Ländereien ab.
Als die drei Karavellen, die Pinta, die Niña und die Santa Maria, im August 1492 unter dem Kommando des Christoph Kolumbus vom südspanischen Hafen Palos aus in See stechen, schließt sich letztlich auch der Kreis von Entwicklung, Aufstieg, Blüte und Niedergang der auf der anderen Seite des Atlantiks gelegenen Länder und Kulturen der indigenen Amerikaner, die mit der Besiedlung Altamerikas rund 28.000 Jahre zuvor begonnen hatte. Und als sich in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1492 von den Karavellen aus eine Insel am Horizont abzeichnet und die Seeleute des Kolumbus zusammen mit ihrem Admiral am folgenden Tag am Strand der Insel Guanahani an Land gehen, hat sich – ohne dass es die Beteiligten vielleicht wirklich ahnen – das Schicksal des indigenen Volkes der Taino, welches die Inselwelt der Karibik damals schon seit Jahrhunderten bewohnt, bereits erfüllt.
2) Der Abend senkt sich über einen Kontinent: Begegnungen von indigenen Amerikanern und Europäern (1492 – 1550/1551)
Letztlich hat auch Kolumbus seinen weltlichen Ruhm nur in derjenigen geschichtlichen Stunde erlangt, da diese seine Idee – die einzige wirkliche Idee seines Lebens – sich in der Tat verwirklicht, in der Stunde, da die Santa Maria an der Küste von Guanahani landet, da der bisher für die Europäer unzugängliche atlantische Ozean zum ersten Mal durchmessen ist. Kolumbus hat den aus dieser Stunde resultierenden Ruhm, ja Nimbus, in Spanien und darüber hinaus in Europa, nicht dauerhaft halten können und fällt in späteren Jahren umso tiefer zunächst in Ungnade, schließlich in Vergessenheit. In völliger Unkenntnis der realen geographischen Situation, in welcher sich er und seine Seeleute befinden, nennt er die Inselwelt, die er in den folgenden Monaten durchsegelt, die „Westindischen Inseln“, bezeichnet die Länder, auf die er trifft, allgemein als das „Neue Indien“ und kennzeichnet ihre Bewohner als „Indios“, mithin als „Inder“. Von dem Wahn, der ihn offenbar antreibt, kann er sich nicht mehr befreien. Als er zum ersten Mal meldet, er habe „die reichsten Königreiche der Erde“ betreten, als er Gold und Gewürze und Edelsteine verspricht aus dem vermeintlich glanzvollen Indien, schenkt man ihm am spanischen Königshof und allgemein innerhalb der spanischen Gesellschaft noch Glauben. Nach seiner Rückkehr zuerst nach Portugal (März 1493), dann nach Spanien lässt das spanische Königspaar eine mächtige Flotte ausrüsten. 1500 Menschen kämpfen um die zweifelhafte „Ehre“, mitreisen zu dürfen. Die Königin Isabella gibt ihm, in Seide gewickelt, Briefe mit an den Großen Khan in Quinzai mit auf den Weg. Aber dann kommt er im Jahre 1496 von seiner zweiten Reise zurück und was er nach Spanien mitbringt, sind ein paar hundert halbverhungerter, noch dazu versklavter Tainos, welche die fromme und übrigens dem Schicksal der Indigenen gegenüber nicht gleichgültige Königin sich weigert, zu verkaufen. In Denkschriften haben die beiden Majestäten zuvor Kolumbus ausdrücklich verboten, Indigene zu versklaven oder diese schlecht zu behandeln, da sie in ihnen nun loyale Untertanen und potentielle Christen sehen. Ab nun beginnt der Stern des Kolumbus zu sinken. So kann Kolumbus denn nun 1496 nichts bieten, als ein paar hundert gegen den ausdrücklichen königlichen Befehl versklavte Untertanen und den Wahn, er sei in China, in Japan gewesen und dieser Wahn wird immer wirrer, immer phantastischer, je weniger er sich bewahrheitet. Auf der Insel Kuba ruft er später seine Leute zusammen und lässt sie unter der Androhung von 100 Peitschenhieben pro Mann vor einem escribano, also vor einem Notar, feierlich beeiden, dass Kuba keine Insel sei, sondern Teil des chinesischen Festlands. Die gegenüber ihrem Admiral wehrlosen Seeleute zucken die Achseln über den Narren und unterschreiben ohne ihn ernst zu nehmen und einer von ihnen, Juan de Cosa, zeichnet, ohne sich um den erzwungenen Eid zu kümmern, Kuba seelenruhig als Insel in seine Landkarte ein. Aber unentwegt schreibt Kolumbus wieder der Königin Isabella und geht der hohen Dame damit zunehmend gehörig auf die Nerven. Nur ein Kanal trenne ihn noch vom Golde Chersones des Ptolemäus, der legendären Halbinsel Malakka, so meldet er der kastilianischen Majestät; und es sei nicht weiter von Panama an den Ganges als von Pisa nach Genua. Zuerst lächelt man am Hofe zu Valladolid noch über diese wilden Versprechungen, allmählich wird man missmutig. Die Expeditionen, die Kolumbus in den Jahren 1498 bis 1500 und 1502 bis 1504 unternimmt, kosten der Krone schweres Geld und was bringen sie heim? Schwächliche, verhungerte Sklaven, welche die Krone eigentlich gar nicht versklavt sehen will, und statt des verheißenen Goldes und der nicht auffindbaren Gewürze – eine Ausnahme wird später die in Mexico von den Europäern geschätzte Vanille darstellen – die Syphilis. Durch eine Mischung aus Desinteresse, Missmanagement und mangelndem Durchgreifen gegenüber gewalttätigen spanischen Siedlern werden die Inseln, welche die spanische Krone dem Kolumbus als Vizekönig anvertraut hat, zu schauerlichen Schlachthäusern und wüsten Leichenfeldern. Binnen weniger Jahre fällt ein Großteil der Bevölkerung der Taino der Karibik durch Misshandlung, Zwangsarbeit beim Goldschürfen, Ausbeutung und durch von den Spaniern eingeschleppte Krankheiten der Vernichtung anheim. Zudem kann Kolumbus nicht verhindern, dass etliche spanische Siedler ihre Misshandlung der indigenen Ureinwohner damit rechtfertigen, diese seien ja „Heiden“ und keine Christen und aktiv die Missionierung der Taino behindern, da man getaufte Christen ja auch nach spanischer Auffassung nicht mehr willkürlich misshandeln, ausbeuten, versklaven oder töten darf. Eine Million Eingeborene gehen allein auf der Insel Haiti innerhalb eines Jahrzehnts infolge dieser Misswirtschaft und der mangelnden Kontrolle über das Treiben selbstherrlich auftretender spanischer Desperados und Kolonisten zugrunde. Die europäischen Einwanderer verarmen und rebellieren zusehends. Furchtbare Nachrichten von unmenschlichen Grausamkeiten kommen mit jedem Brief und mit den enttäuscht aus diesem scheinbar „irdischen Paradies“ zurück flüchtenden, desillusionierten Kolonisten. Bald erkennt man in Spanien und bald erkennt auch die Königin, die lange Zeit immer noch eine gewisse persönliche Sympathie für Kolumbus zur Schau getragen hat, dass dieser Phantast nur zu träumen weiß und nicht zu herrschen. Das Erste, was der im Jahre 1500 neu in die Länder des „Neuen Indiens“ entsandte Gouverneur Francisco de Bobadilla (1448 – 1502) bei seiner Ankunft in Santo Domingo auf der Insel Hispaniola vorfindet, sind Galgen mit den im Winde schwankenden Leichen seiner Landsleute. In Ketten muss man Kolumbus und seine beiden Brüder – Vetternwirtschaft hat der Genuese in der Neuen Welt zu allem Überfluss auch noch betrieben – heimbringen und selbst als man, einige Zeit später, Kolumbus seine Freiheit, seine Ehre, seine Titel auf königliche Gnadeninitiative hin wiedergibt, sind sein Nimbus und sein Ruf in Spanien doch – zu Recht – völlig dahin. Wenn er 1502 und 1504 in Cadiz landet, wird sein Schiff nicht mehr umdrängt von großer Erwartung, wenn er zu Hofe will, weicht man aus. Doch noch immer verspricht und verspricht er und immer phantastischere Dinge. Er werde auf der nächsten Fahrt das irdische Paradies finden, verspricht er der Königin und wiederum dem Papst, er wolle auf dem neuen, kürzeren Wege auf einer Kreuzfahrt per Schiff Jerusalem von der Herrschaft der Muslime befreien. Schließlich hört niemand mehr auf den el garlador, den Schwätzer, und auf seine imaginacíones. Die Kaufleute, die an ihm Geld verloren haben, die Gelehrten, die seinen geographischen Nonsens verachten, die spanischen Kolonisten, die er mit seinen großen Ankündigungen vom irdischen Paradies in der Karibik enttäuscht hat, die königlichen Beamten, die ihm seinen Admiralstitel missgönnen, sie alle beginnen eine geschlossene Front gegen den „Admiral von Moskitoland“ zu bilden. Immer mehr wird der nun alternde Mann in den Hintergrund gedrängt. Um 1500 ist Christoph Kolumbus in Spanien ein erledigter Mann und als er im Jahre 1506 zu Valladolid stirbt, nimmt von seinem Tode fast niemand mehr Notiz. Doch die Ankunft der ersten Spanier in der Karibik im Jahre 1492 hat eine expansive und „entdeckungsbezogene“ Dynamik in den beiden agilsten Gesellschaften Europas des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts freigesetzt – nämlich Portugal und Spanien –, die nun auf dem Wege weiterer Reisen, Erkundungen und Landnahmen immer intensiver voranschreitet. Da landet im Jahre 1499 der Portugiese Vasco da Gama – inzwischen sind die Portugiesen mit ihrem großen Projekt, Afrika gänzlich zum Umrunden, zum Erfolg gelangt – in Indien; genau auf das Jahr 1500 steht der portugiesische Seefahrer und Abenteurer Pedro Alvares Cabral als erster Europäer in der Nähe des heutigen Porto Seguro, im Siedlungsgebiet des indigenen Volkes der Tupinambá, auf dem Boden Brasiliens. Und diese portugiesischen Seefahrer, sie bringen nicht nur halbnackte versklavte Indigene und venerische Krankheiten mit, sondern tatsächlich verwertbare Waren: die lang ersehnten Gewürze, kostbare Vogelfedern, Kautschuk und Edelsteine. König Manuel I. von Portugal (R 1495 – 1521), O Venturoso, wird dank dieser Beute aus Calicut und Goa und von den sonnigen Gestaden der brasilianischen Küste für kurze Zeit der reichste Monarch Europas. Brasilien wird für die Europäer aufgeschlossen (1500 durch Cabral) und der spanische Hasardeur und Meuterer Vasco Núñes de Balboa erblickt im Jahre 1513, auf dem Bergrücken der Landenge von Panama stehend, als erster Europäer den Pazifischen Ozean. Einige Jahre später erobert Cortez Mexico (1519 – 1521), in den darauffolgenden Dreißigerjahren des 16. Jahrhunderts Pizarro Peru. Endlich strömt wirkliches Gold in die Schatzkammern der spanischen Krone. Magalhães umsegelt als erster Europäer Südamerika und nach drei Jahren kehrt – großartigste Seemannstat aller Zeiten – sein Flaggschiff, die Viktoria, unter dem Kommando des genialen Basken Juan Sebastián Elcano rund um den Erdball nach Sevilla zurück. 1545 werden die Silberminen von Potosí erschlossen. Jahr um Jahr steuern nun hochbeladen die Silber- und Schatzflotten der Spanier von Amerika nach Europa. Alle Meere sind durchfahren, alle oder doch beinahe alle Länder der Erdkugel umrundet in einem halben Jahrhundert. Die Kolumbusfahrt von 1492 gilt bald nurmehr als eine unter vielen innerhalb der Leistungen in der Schar der neuen Argonauten. Und weil seine Fahrten der Krone den geringsten Gewinn eingebracht haben, verkennt und vergisst ihn die Zeit, die wie jede nur in ihren eigenen Maßen denkt und nicht in jenen der Geschichte. Mächtig erhebt sich unterdessen der Ruhm des Florentiner Kaufmanns Amerigo Vespucci (1454 – 1512), welcher in den Jahren 1497/1498 (erste Reise), 1499 (zweite Reise), 1501/1502 (dritte Reise) und 1503/1504 (vierte Reise) auf seinen vier Reisen in die Neue Welt zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich bei den von Kolumbus erreichten Ländereien des „Neuen Indiens“ nicht um Landmassen in Asien handelt, sondern um die Ländereien einer „Neuen Welt“ – Mundus Novus. Diese Erkenntnis teilt er verschiedenen Adressaten in Briefen mit, welche in den Jahren 1502/1503 und 1504 bei Johann Otmar († 1514 oder 1517), einem deutschen Drucker in Augsburg, zum ersten Mal in den Druck gehen. Im Jahre 1507 belegt dann der deutschsprachige Geograph Martin Waldseemüller (1470 – 1520) auf seiner damals gefertigten Weltkarte die Landmassen der „Neuen Welt“ zum ersten Mal mit dem Namen „Amerika“ als Bezeichnung für einen eigenständigen, sozusagen „neuen“ Kontinent: Ein neuer Erdteil ist in der Wahrnehmung der Europäer aus dem Dunkel der Geschichte getreten und er trägt seinen Namen nicht nach dem ersten Seefahrer, der ihn unter spanischer Flagge im Jahre 1492 zuerst erreicht hat, sondern nach einem Florentiner Buchhalter, der als Reisender den Charakter der neu erschlossenen Ländereien als „eigenem Kontinent“ als erster erkannt hat.
Nach der Aufteilung des zu erobernden Gebiets im Vertrag von Tordesillas 1494, in welchem die Herrscher von Portugal und Spanien unter Patronage des damaligen Papstes, Alexanders VI., Rodrigo Borgia, praktisch die Welt unter sich aufteilen, schließen die iberischen Königshäuser, also jenes von Portugal und jenes von Spanien, Verträge mit verschiedenen Eroberern (Konquistadoren), die in königlichem Namen dem „neuen Kontinent“ entgegenstreben. Sie sollen die Neue Welt erkunden, erobern und unterwerfen. Die gewaltigen Edelmetallvorkommen, verbreitet beispielsweise durch die Sage von Eldorado, beflügeln die Phantasie von Eroberern und Glücksrittern, die ausziehen, um reich zu werden. Eine systematische Besiedlungspolitik durch die katholischen Könige von Spanien findet erst später statt. Die ersten Jahrzehnte nach der Ankunft der Spanier in der Neuen Welt stehen im Zeichen der Eroberung und dem Aufbau eines Handelssystems mit den neuen Gebieten. Besonders die Eroberungen der spanischen Krone und ihrer Konquistadoren haben ihre Spuren auf dem amerikanischen Kontinent (bis heute) hinterlassen. Die Eroberung des Aztekenreiches in Mexico durch Hernán Cortéz in den Jahren 1519 bis 1521 und die Unterwerfung des Inkareiches durch die Brüder Pizarro 1532/1533 mehren den Ruhm der spanischen Krone. Die Eroberungszüge sichern Rohstoffe und neue Untertanen, die es zu missionieren gilt. Die Schattenseite dieser Unternehmungen ist der demografische Kollaps der Ureinwohner in Mittel- und Südamerika. Brutale Eroberungskriege, das System der Encomienda und des Repartimiento, die Ausbeutung vieler Indigener im Zuge von Zwangsarbeit und hauptsächlich auch das Einschleppen bis dato in Amerika unbekannter Krankheiten durch die Eroberer sind die Ursachen für einen Rückgang der Bevölkerung um etwa 90 bis 95 Prozent im Karibikraum, aber auch in Kolumbien und Teilen Mexicos innerhalb weniger Jahrzehnte. Zudem zerschlagen die Eroberungszüge der Konquistadoren in der Karibik, in Mexico, in Kolumbien und im Andenraum die legitimen und in sich gefestigten Reiche, Fürstentümer und bewährten staatlichen Strukturen vieler indigener Gemeinwesen und infolgedessen gehen auch ökonomische und kulturelle Errungenschaften wie die vor 1532 in Peru vorbildlich organisierte Vorratswirtschaft, die durchdachten und gerechten Gewohnheitsrechtssysteme indigener Gesellschaften und deren Kenntnisse von Ackerbau und Viehzucht (Stichwort: Ignorieren des Systems der „Terra Preta“ im amazonischen Urwald durch europäische Siedler, was auf lange Sicht zu einer ökologischen Katastrophe führt) verloren. Die spanische Krone – verkörpert durch die beiden Herrscherpersönlichkeiten Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon – beabsichtigen anfangs, die indigenen Einwohner ihrer neuen Provinzen, vor allem in der Karibik, mit Milde und ohne Gewalt zu behandeln. Doch bereits dem ersten Vizekönig, Christoph Kolumbus, entgleitet sehr bald, wohl noch im Jahre 1494, die Kontrolle über die teils undisziplinierten, arbeitsscheuen und nur auf schnellen Profit eingestellten hunderte spanischer Siedler, welche die angetroffenen Tainos misshandeln, diese teils ermorden und ausbeuten, auf alle Fälle, sie menschenunwürdig behandeln. Kolumbus gelingt es nur nicht, diesem Treiben Einhalt zu gebieten, vielmehr beteiligt er sich spätestens ab 1495 selbst an der brutalen Unterwerfung der zunächst den Spaniern gegenüber friedlich und gastfreundlich auftretenden Tainos, da im Karibikraum die von ihm der Krone versprochenen Reichtümer an Gold, Silber und Gewürzen nicht zu erlangen sind und er glaubt, durch Versklavung von Teilen der indigenen Bevölkerung und deren Verkauf in Europa die finanziellen Verluste seiner zweiten Reise wettmachen zu können. Dies verstärkt jedoch den Faktor der Ausbeutung und Entmenschlichung der indigenen Bevölkerung in den Augen vieler spanischer Siedler nur noch, sodass es auch allen späteren Vizekönigen und Verwaltungsbeamten der spanischen Krone in dem „Neuen Indien“ nicht mehr gelingt, die fatale Spirale aus Ausbeutung, Misshandlung und Vertreibung der Indigenen durch spanische Kolonisten zu beenden, auch wenn mehrere spanische Monarchen dies von Valladolid aus auch noch versuchen, zuletzt schließlich sogar Kaiser Karl V. mit seinen „neuen Gesetzen“, den Nuevas Leyes, in den Jahren 1542/1543, welche die Indigenen vor Ausbeutung und Misshandlung schützen sollen und doch scheitern, weil sich die spanischen Kolonisten in der Neuen Welt einfach aus lauter Gier nach Gold und Machtausübung über wehrlose und als „Heiden“ wahrgenommene Menschen nicht an die königlichen Erlasse und Edikte halten.
Wie bereits angedeutet, ist die Suche nach Gold ein zentrales Motiv für die Eroberung Amerikas. Es ziehen ab 1493 viele Glücksritter mit dem Ziel in die Neue Welt, kurze Zeit später reich und angesehen nach Spanien zurückzukehren. Die Verträge mit der Krone sehen vor, dass die Eroberer das meiste der Beute behalten dürfen, einen großen Teil (etwa 20 Prozent) aber an die Krone abführen mussten. Die ersten Goldsucher sind schnell desillusioniert, da das Gold nicht wie angenommen einfach vom Boden aufgesammelt werden kann. Zunächst wird Gold daher primär durch Plünderung des Eigentums der Ureinwohner sowie Tausch erworben. Als diese Quelle versiegt, gehen die Spanier dazu über, leicht zu gewinnende Goldvorkommen in Sand und Flüssen zu waschen. Mit der Entdeckung verschiedener Gold- und Silberminen (Potosí, Zacatecas, Sultapec und Pachuca) seit den 1540er Jahren beginnt dann der gezielte Abbau von Erzadern. Als die Krone später die staatliche Erschließung aufgrund ungenügender eigener Ressourcen einstellt und das Monopol der Goldwirtschaft an die private Wirtschaft freigibt, ändern sich die abzuführenden Beträge. Fortan erhebt die Krone das königliche Fünftel auf Edelmetalle (sowie auf Perlen, Edelhölzer und Tabak). Die Anfänge des Bergbaus sind vor allem für die indigene Bevölkerung strapaziös, die in den Minen zur Zwangsarbeit verpflichtet wird. Gewonnen werden die Edelmetalle zunächst mittels natürlicher Sprengung und mühseligem Mahlen der Erze. Erst später unterstützen Wassermühlen den Abbau (so z.B. ab 1576 in Potosí). Zur gleichen Zeit ist das Verfahren der Amalgamation mit Quecksilber soweit ausgereift, dass sich der Bergbau zu rentieren beginnt. Dadurch, dass die Edelmetalle aus den Erzen mittels Quecksilbers viel leichter und schneller herausgelöst werden konnten, stieg der Export von Edelmetallen sprunghaft an. Im 17. Jahrhundert ist der Abbau von Edelmetallen rückläufig, weswegen zunehmend Spezialisten aus dem übrigen Europa verpflichtet werden, den Bergbau zu modernisieren und weiter auszubauen.
Und als im Jahre 1550 schließlich Bartolomé de Las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda in Valladolid im Angesichte des spanischen Königs, des Kaisers Karls V. zur Disputation über die Rechtmäßigkeit der Kriege gegen die Indigenen in der Neuen Welt zusammenkommen, da haben sich das Schicksal und Tragik eines ganzen Kontinents und seiner Bewohner bereits erfüllt. Die Ankunft der Spanier unter Christoph Kolumbus in der Karibik 1492 und die weiteren Erkundungsfahrten der Europäer in den Jahren danach hatten für die Indigenen in der Tat verheerende Konsequenzen. Da die Europäer nicht bereit waren, mit den Eingeborenen auf Augenhöhe zu verhandeln, zu leben und verkehren, sondern sich als Christen diesen „Heiden“ gegenüber vermeintlich „überlegen“ glaubten und da sie von Gewinn- und Profitstreben getrieben wurden, von der schieren Gier nach Gold, Edelsteinen und Gewürzen, endeten die Begegnungen zwischen Indigenen und Europäern in den Jahrzehnten nach 1492 für die eingeborenen Amerikaner in der Katastrophe. Ihre Kazikentümer und Reiche wurden mit Gewalt erobert und zerstört, viele ökonomische und kulturelle Errungenschaften gingen dabei zugrunde. Millionenfach wurden die Indigenen von europäischen Invasoren mit Krieg überzogen, zur Zwangsarbeit gepresst, ausgebeutet und von entfesselten und der sozialen Kontrolle entledigten spanischen Kolonisatoren und Siedlern ermordet. Zudem schleppten die Europäer Seuchen und Krankheiten wie die Pocken, die Grippe und andere Erreger in die Länder der Neuen Welt ein, gegen welche die Immunsysteme der Einheimischen keine Abwehrkräfte entwickelt hatten. Binnen eines Jahrhunderts waren durch Ausbeutung, Eroberungskriege, Gier nach Gold und Macht, Seuchen und Zwangsarbeit 90 bis 95 Prozent der indigenen Bevölkerung, die im Jahre 1491 noch auf dem scheinbaren Höhepunkt ihrer Kulturentwicklung in den Ländern des amerikanischen Doppelkontinents gelebt hatten, ausgelöscht. Im wahrsten Sinne des Wortes hatte sich mit der Ankunft der ersten Spanier zum Ende des 15. Jahrhunderts der Abend über einen Kontinent gesenkt: Auf sehr zweifelhafte und ethisch letztlich nicht zu entschuldigende Weise war das „Abendland“ auf diese Weise im Verlauf des 16. Jahrhunderts größer geworden.
Quellennachweis der im Vortrag verwendeten Bilder:
Tafel 1: Handelswege und Kulturkontakte zwischen Europa, Afrika und Asien im Jahrhundert,
Quelle: https://www.abebooks.de/karten/Handelzentren-Handelswege-Alten-Welt-JahrhundertLarge/31713701903/bd?srsltid=AfmBOop8YV0mTn0SvyQOKazndFf53tfgP9mdxXygeIAVcVsCFHLU0TY5#&gid=1&pid=1
Tafel 2: Die Hochkulturen Amerikas um 1490,
Quelle: https://diercke.de/content/mittel-und-s%C3%BCdamerika-entdeckungszeitalter-100849-160-1-1
Tafel 3: Paolo dal Pozzo Toscanelli,
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Paolo_dal_Pozzo_Toscanelli?uselang=de#/media/File:Paolo_dal_Pozzo_Toscanelli_1.jpg
Tafel 4: Christoph Kolumbus,
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Kolumbus#/media/Datei:Ridolfo_del_Ghirlandaio_-_Ritratto_di_Cristoforo_Colombo_(1520).jpg
Tafel 5: Im Sommer 1492: Die Karavellen des Kolumbus auf der Fahrt nach Westen übers Meer,
Quelle: https://www.spektrum.de/news/wrack-von-christoph-kolumbus-schiff-entdeckt/1285560
Tafel 6: Christoph und seine Mannschaft landen auf der Insel Guanahani (12.10.1492),
Quelle: https://www.bbc.com/mundo/noticias-america-latina-37004921
Tafel 7: Die Routen der vier Reisen des Christoph Kolumbus,
Quelle: https://www.alamy.de/die-routen-der-christoph-kolumbus-reisen-von-europa-nach-amerika-image502473349.html
Tafel 8: Giovanni Caboto,
Quelle: https://www.maritimegoods.com/en/content-details/giovanni-caboto.html?ContentID=365
Tafel 9: Die Routen der Reisen des Giovanni Caboto,
Quelle: https://learnaboutjohncabot.weebly.com/route-of-cabots-second-voyage.html
Tafel 10: Giovanni Caboto landet 1497 in Neufundland,
Quelle: https://history-maps.com/story/History-of-Canada/event/Cabot-discovers-Newfoundland
Tafel 11: Amerigo Vespucci,
Quelle: https://www.meisterdrucke.it/stampe-d-arte/Unknown-artist/933604/Amerigo-Vespucci-%281454-1512%29-navigatore-italiano.html
Tafel 12: Die Routen der Reisen Amerigo Vespuccis,
Quelle: https://www.alamy.de/die-route-von-amerigo-vespucci-zur-erkundung-der-neuen-welt-image502473285.html
Tafel 13: Waldseemüllerkarte (1507),
Quelle: https://www.unesco.de/staette/waldseemuellerkarte-von-1507/
Tafel 14: Die erste Nennung des Namens „Amerika“ auf der Waldseemüllerkarte (1507),
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Waldseem%C3%BCller#/media/Datei:Waldseemuller_map_closeup_with_America.jpg
Tafel 15: Fernão de Magalhães,
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/wenn-nicht-uber-portugal-dann-auf-einem-anderen-weg-4098169.html
Tafel 16: Antonio Pigafetta,
Quelle: http://www.enriqueofmalacca.com/2022/04/Antonio%20Pigafetta%20Magellan%20Chronicler%20Explorer%20Anthropologist%20Foodie%20Soldier.html
Tafel 17: Juan Sebastián Elcano,
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Juan_Sebasti%C3%A1n_Elcano#/media/File:Juan_Sebasti%C3%A1n_Elcano,_anonymous_19th_century_painting.jpg
Tafel 18: Tod auf Mactan im April 1521,
Quelle: https://www.meisterdrucke.com/kunstdrucke/Ron-Embleton/1651632/Tod-von-Ferdinand-Magellan.html
Tafel 19: Route der ersten Weltumseglung 1519 – 1521,
Quelle: https://www.reddit.com/r/MapPorn/comments/pok7rn/map_of_the_first_world_circumnavigation_of/#lightbox
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